Johanniskraut anbauen: Ernte, Rotöl und Wechselwirkungen

Johanniskraut anbauen: echte Art erkennen, Aussaat, Ernte zur Vollblüte, Trocknen, Tee und Rotöl sowie Wechselwirkungen mit Pille und Medikamenten.

Gelb blühendes Echtes Johanniskraut an einem sonnigen, trockenen Standort im Juni

Johanniskraut anbauen ist erstaunlich einfach: Die heimische Staude liebt magere, sonnige Plätze, braucht kaum Pflege und blüht um den Johannistag Ende Juni in leuchtendem Gelb. Für Selbstversorger ist sie interessant, weil sich das blühende Kraut trocknen und zu Tee oder dem traditionellen Rotöl verarbeiten lässt. Gleichzeitig ist Johanniskraut eine der Heilpflanzen mit den meisten bekannten Wechselwirkungen. Deshalb findest du in diesem Ratgeber neben Anbau, Ernte und Trocknung auch die wichtigsten Sicherheitshinweise, die du vor jeder Verwendung kennen solltest.

Das Wichtigste in Kürze

  • Standort sonnig und eher mager, durchlässiger Boden ohne Staunässe.
  • Samen sind Lichtkeimer, Aussaat März bis Mai, Abstand 30–40 cm.
  • Geerntet werden die blühenden Triebspitzen zur Vollblüte, meist Ende Juni bis Juli.
  • Johanniskraut schwächt die Wirkung vieler Medikamente, darunter die Pille und Blutverdünner.
  • Es kann die Haut lichtempfindlicher machen.

Hinweis: Mit * markierte Links sind Affiliate-Links. Kaufst du darüber, erhalten wir eine kleine Provision – für dich ändert sich am Preis nichts.

Echtes Johanniskraut erkennen

In Mitteleuropa wachsen mehrere Hypericum-Arten. Traditionell verwendet wird das Echte Johanniskraut (Hypericum perforatum). Du erkennst es an drei Merkmalen: Der Stängel hat zwei feine Längsleisten und ist innen markig gefüllt. Hältst du ein Blatt gegen das Licht, siehst du viele durchscheinende Punkte, die Öldrüsen. Zerreibst du eine Blüte oder Knospe zwischen den Fingern, färben sie sich rot bis violett. Das Gefleckte Johanniskraut hat dagegen einen vierkantigen Stängel und kaum durchscheinende Punkte.

Wichtig beim Sammeln in der Natur: Zur gleichen Zeit blüht an Weg- und Wiesenrändern das gelbe Jakobs-Kreuzkraut, das leberschädigende Pyrrolizidinalkaloide enthält. Es hat zerschlitzte Blätter und margeritenartige Blüten mit Zungenblüten rund um ein Körbchen. Sicherer ist der eigene Anbau. Wenn du doch sammelst, hilft ein gutes Wildkräuter-Bestimmungsbuch*. Weitere Regeln findest du im Artikel Wildkräuter sammeln.

Standort, Aussaat und Vermehrung

Johanniskraut wächst natürlich auf Magerwiesen, Böschungen und an Waldrändern. Im Garten braucht es einen sonnigen Platz mit durchlässigem, eher nährstoffarmem Boden. Kalkhaltige Böden werden gut vertragen. Auf fettem, feuchtem Boden wird die Pflanze mastig, blüht schwächer und neigt zu Wurzelfäule. Dünger ist nicht nötig. Die Staude wird 40 bis 80 cm hoch und bleibt viele Jahre am Standort.

Aussaat

  1. Ab März in Schalen mit magerer Kräutererde* säen oder ab April direkt ins Beet.
  2. Die sehr feinen Samen mit etwas Sand mischen, aufstreuen und nur andrücken, denn sie brauchen Licht.
  3. Feucht halten, die Keimung dauert bei 15–20 °C zwei bis vier Wochen und erfolgt oft unregelmäßig.
  4. Jungpflanzen mit 30–40 cm Abstand setzen.

Passendes Johanniskraut-Saatgut* sollte ausdrücklich Hypericum perforatum enthalten. Im ersten Jahr bilden die Pflanzen oft nur Rosetten, die volle Blüte folgt im zweiten Jahr.

Teilung und Selbstaussaat

Ältere Horste teilst du im Frühjahr oder im September mit dem Spaten. Johanniskraut bildet zudem kurze Ausläufer und sät sich gern selbst aus. Wenn du das nicht möchtest, schneidest du Samenstände vor der Reife ab. Nach der Ernte im Sommer treibt die Pflanze häufig ein zweites Mal aus.

MonatArbeitenTipp
März–MaiAussaat, Pflanzung, TeilungSamen nicht bedecken
Juni–JuliErnte der blühenden TriebspitzenKnospen und offene Blüten sollten gemischt sein
AugustNachblüte, eventuell zweite kleine Erntebei Trockenheit nicht düngen
SeptemberTeilung, Samenstände entfernenverhindert unkontrollierte Ausbreitung
FebruarRückschnitt der alten Stängelhandbreit über dem Boden

Ernte und Trocknung

Geerntet werden die oberen 20 bis 30 cm der Triebe, sobald die Pflanze in Vollblüte steht und noch einige Knospen geschlossen sind. Das ist in den meisten Regionen Ende Juni bis Mitte Juli. Schneide an einem sonnigen, trockenen Vormittag nach dem Abtrocknen des Taus mit einer scharfen Kräuterschere*. Lass mindestens ein Drittel der Pflanze stehen, damit sie gut nachtreibt.

Zum Trocknen bindest du kleine, lockere Sträuße und hängst sie kopfüber an einem schattigen, gut belüfteten Ort auf. Sonne und Hitze zerstören Farbe und Inhaltsstoffe. Nach ein bis zwei Wochen rascheln Blätter und Blüten. Im Dörrautomaten* geht es bei höchstens 40 °C in wenigen Stunden. Danach rebelst du Blätter und Blüten von den harten Stängeln und füllst sie in dunkle, luftdicht schließende Gläser. Lichtgeschützt, kühl und trocken bleibt das Kraut etwa ein Jahr brauchbar. Wie das Trocknen bei anderen Kräutern gelingt, zeigt dir der Artikel Minze ernten und trocknen.

Einfache Zubereitungen: Tee und Rotöl

Johanniskraut wird traditionell bei nervöser Unruhe und gedrückter Stimmung verwendet, das Rotöl traditionell äußerlich zur Hautpflege. Selbst hergestellte Zubereitungen schwanken stark im Gehalt und sind kein Ersatz für eine Behandlung.

Tee

Für eine Tasse Tee übergießt du eine kleine Menge getrocknetes Kraut mit heißem Wasser und lässt es zugedeckt einige Minuten ziehen. Der Geschmack ist herb und leicht bitter, eine Mischung mit Melisse macht ihn milder.

Rotöl

  1. Frisch geerntete Blüten und Knospen einige Stunden anwelken lassen, damit weniger Wasser ins Öl gelangt.
  2. Locker in ein sauberes Glas füllen und vollständig mit Olivenöl bedecken.
  3. Offen mit einem Tuch abgedeckt einige Tage stehen lassen, dann verschließen und 4–6 Wochen hell, aber nicht in praller Mittagssonne ziehen lassen.
  4. Wenn das Öl tiefrot ist, abseihen, Wasserreste absetzen lassen und in dunkle Flaschen füllen.

Braunglasflaschen für Kräuteröle ansehen*

Wechselwirkungen und Sicherheitshinweise

Die folgenden Hinweise sind wichtig und ersetzen keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Johanniskraut beschleunigt in der Leber den Abbau vieler Arzneistoffe. Dadurch können Medikamente schwächer oder gar nicht mehr wirken:

  • Hormonelle Verhütungsmittel wie die Pille können unzuverlässig werden, auch Zwischenblutungen sind möglich.
  • Blutverdünner vom Cumarin-Typ, zum Beispiel Phenprocoumon, werden abgeschwächt.
  • Mit Antidepressiva, vor allem sogenannten SSRI, droht ein gefährliches Serotonin-Syndrom.
  • Außerdem betroffen sind unter anderem Immunsuppressiva nach Transplantationen, einige HIV- und Krebsmedikamente sowie Herzmittel wie Digoxin.

Johanniskraut kann die Haut lichtempfindlich machen. Meide während der Anwendung intensive Sonne und Solarium, das gilt auch für Rotöl auf der Haut. In Schwangerschaft und Stillzeit sowie bei Kindern wird von der Anwendung ohne ärztlichen Rat abgeraten. Anhaltende Niedergeschlagenheit oder eine Depression gehört immer in ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung. Nimmst du regelmäßig Medikamente, sprich vor jeder Verwendung mit deiner Apotheke.

FAQ – Johanniskraut anbauen

Ist Johanniskraut mehrjährig?

Ja, Echtes Johanniskraut ist eine winterharte, ausdauernde Staude. Im Frühjahr treibt es aus dem Wurzelstock neu aus.

Kann ich Johanniskraut im Balkonkasten anbauen?

Ja, in einem tiefen Kasten oder Topf mit durchlässiger, magerer Erde an einem sonnigen Platz. Achte auf gute Drainage.

Warum wird mein Rotöl nicht rot?

Meist wurden zu wenig Blüten oder zu viele Stängel und Blätter verwendet. Auch zu wenig Licht und Wärme verlangsamen die Färbung.

Muss ich genau am 24. Juni ernten?

Nein, der Johannistag ist nur ein Richtwert. Entscheidend ist die Vollblüte mit noch einigen geschlossenen Knospen, die je nach Lage und Wetter früher oder später eintritt.

Weiterlesen: Baldrian anbauen · Lavendel pflanzen und ernten · Ringelblume anbauen

Über diesen Ratgeber

Dieser Artikel wurde von der Redaktion von svsger.de erstellt, dem Ratgeber für rein pflanzliche Selbstversorgung. Die Anbauangaben basieren auf gängiger Fachliteratur zum Heilpflanzenanbau, die Hinweise zu Wechselwirkungen auf öffentlich zugänglichen Fach- und Gebrauchsinformationen zu Johanniskraut-Arzneimitteln. Die Liste der Wechselwirkungen ist nicht vollständig, und Blühzeiten können regional abweichen.

Zuletzt aktualisiert: September 2026