
Gesunde, ertragreiche Gemüsepflanzen brauchen Nährstoffe – aber dafür musst du weder Mineraldünger kaufen noch auf tierische Produkte zurückgreifen. Wer Dünger selbst herstellt, nutzt das, was im Garten ohnehin wächst: Brennnesseln, Beinwell, Gründüngungspflanzen und Kompost. Diese rein pflanzlichen Dünger versorgen nicht nur deine Kulturen, sondern fördern auch das Bodenleben. In diesem Ratgeber erfährst du, wie du Pflanzenjauchen richtig ansetzt, welche Gründüngung zu welchem Beet passt und wann gekaufte pflanzliche Dünger sinnvoll sind.
Das Wichtigste in Kürze
- Brennnesseljauche liefert schnell verfügbaren Stickstoff für Starkzehrer wie Tomaten und Kohl.
- Beinwelljauche ist reich an Kalium und ideal für Fruchtgemüse und Kartoffeln.
- Jauchen immer verdünnt ausbringen: etwa 1:10 zum Gießen, 1:20 für Jungpflanzen.
- Gründüngung mit Leguminosen wie Wicken und Klee bindet Luftstickstoff und lockert den Boden.
- Pflanzliche Handelsdünger wie Vinasse oder Luzernepellets ergänzen, wenn eigene Mengen nicht reichen.
Hinweis: Mit * markierte Links sind Affiliate-Links. Kaufst du darüber, erhalten wir eine kleine Provision – für dich ändert sich am Preis nichts.
Welche Nährstoffe brauchen deine Pflanzen?
Die drei Hauptnährstoffe sind Stickstoff (N) für Blatt- und Triebwachstum, Phosphor (P) für Wurzeln und Blüten sowie Kalium (K) für Fruchtbildung, Standfestigkeit und Frosthärte. Wie viel davon nötig ist, hängt von der Kultur ab. Starkzehrer wie Tomaten, Kürbis, Kohl und Kartoffeln brauchen deutlich mehr als Schwachzehrer wie Radieschen, Feldsalat oder Kräuter. Erbsen und Bohnen versorgen sich über Knöllchenbakterien sogar weitgehend selbst mit Stickstoff.
| Gruppe | Beispiele | Passender Eigendünger |
|---|---|---|
| Starkzehrer | Tomaten, Kürbis, Zucchini, Kohl, Kartoffeln | Kompost im Frühjahr, Brennnessel- und Beinwelljauche alle 1–2 Wochen |
| Mittelzehrer | Möhren, Salat, Rote Bete, Mangold, Zwiebeln | etwas Kompost, gelegentlich verdünnte Jauche |
| Schwachzehrer | Radieschen, Feldsalat, Kräuter, Bohnen, Erbsen | meist keine Zusatzdüngung nötig |
Wie du die Gruppen im Wechsel auf die Beete verteilst, zeigt der Ratgeber Fruchtfolge planen.
Brennnesseljauche ansetzen
Brennnesseljauche ist der Klassiker unter den selbst gemachten Flüssigdüngern. Sie enthält viel Stickstoff, dazu Kalium und Spurenelemente. Ernte die Brennnesseln am besten vor der Samenbildung und trage dabei Gartenhandschuhe*.
- Etwa 1 kg frische Brennnesseln (oder 150 bis 200 g getrocknete) grob zerkleinern.
- In ein Gefäß aus Kunststoff, Holz oder Keramik geben, kein Metall. Gut geeignet ist ein Mörtelkübel*.
- Mit 10 Litern Regenwasser übergießen und das Gefäß nur mit einem Gitter oder Tuch abdecken, damit Luft herankommt.
- Täglich einmal umrühren. Eine Handvoll Gesteinsmehl mindert den Geruch.
- Nach 10 bis 14 Tagen (bei Wärme schneller) ist die Jauche fertig: Sie schäumt nicht mehr und ist dunkelbraun.
- Abseihen, die Pflanzenreste auf den Kompost geben.
Anwendung: Zum Gießen 1:10 mit Wasser verdünnen, für Jungpflanzen und empfindliche Kulturen 1:20. Nur auf feuchten Boden und nicht in praller Sonne ausbringen. Starkzehrer erhalten die Jauche von Mai bis August etwa alle ein bis zwei Wochen. Nicht geeignet ist sie für Bohnen und Erbsen sowie Zwiebeln und Knoblauch, die mit viel Stickstoff eher schlechter lagerfähig werden.
Jauche, Brühe oder Kaltwasserauszug?
Eine Jauche gärt über Tage und dient vor allem der Düngung. Ein Kaltwasserauszug zieht nur 12 bis 24 Stunden und wird unverdünnt oder leicht verdünnt zur Pflanzenstärkung genutzt. Eine Brühe, etwa aus Ackerschachtelhalm, wird aufgekocht und gilt als vorbeugendes Mittel gegen Pilzkrankheiten – als Dünger spielt sie kaum eine Rolle.
Beinwell: Kalium für Tomaten und Kartoffeln
Beinwell wurzelt tief, holt Nährstoffe aus dem Unterboden und bildet mehrmals im Jahr kräftige Blätter. Beinwelljauche setzt du genauso an wie Brennnesseljauche und verdünnst sie ebenfalls 1:10. Weil sie mehr Kalium enthält, eignet sie sich besonders ab der Blüte für Tomaten, Paprika, Kürbis und Kartoffeln. Du kannst Brennnesseln und Beinwell auch gemeinsam in einem Fass ansetzen.
Noch einfacher: Lege frisch geschnittene Beinwellblätter als Mulch unter die Tomaten oder in die Pflanzfurche der Kartoffeln. Sie zersetzen sich rasch und geben ihre Nährstoffe direkt an den Wurzelbereich ab. Eine eigene Pflanzung lohnt sich, am besten mit sterilen Sorten wie Beinwell „Bocking 14“*, die sich nicht aussäen.
Gründüngung: Dünger, der von selbst wächst
Gründüngung bedeckt freie Beete, schützt vor Auswaschung und Erosion, lockert mit ihren Wurzeln den Boden und liefert organische Masse. Leguminosen wie Wicken, Klee, Lupinen und Ackerbohnen binden zusätzlich Luftstickstoff. Schneide die Pflanzen vor der Samenreife ab, lass sie einige Tage anwelken und arbeite sie flach ein oder lass sie als Mulch liegen. Wie das ohne Umgraben funktioniert, erklärt der Artikel No-Dig-Garten.
| Pflanze | Aussaat | Wirkung | Hinweis |
|---|---|---|---|
| Phacelia | April–August | Bodenlockerung, Bienenweide | mit keinem Gemüse verwandt, passt überall |
| Winterwicke + Winterroggen | September–Oktober | Stickstoff, Winterbedeckung | im April vor Starkzehrern mähen |
| Inkarnatklee | August–September | Stickstoff, schnelle Bedeckung | nicht vor Erbsen oder Bohnen |
| Gelbsenf | August–September | schnelle Biomasse | Kreuzblütler: nicht vor Kohl und Radieschen |
| Buchweizen | Mai–Juli | erschließt Phosphor | frostempfindlich |
Fertige Mischungen wie Gründüngung-Saatgut* erleichtern den Einstieg.
Pflanzliche Dünger aus dem Handel
Gerade in neuen Gärten reichen eigene Jauchen und Kompost oft noch nicht aus. Dann helfen rein pflanzliche Dünger:
- Vinasse: flüssiger Rückstand aus der Vergärung von Zuckerrübenmelasse, reich an Kalium und Stickstoff, gut für Fruchtgemüse.
- Luzerne- und Leguminosenpellets: langsam wirkender Stickstoffdünger, im Frühjahr flach einarbeiten. Luzernepellets* gibt es auch in kleinen Gebinden.
- Malzkeim- und Lupinendünger: organische Volldünger für Beete und Hochbeete.
Achte bei „Bio-Volldüngern“ auf die Zutatenliste, denn viele enthalten tierische Bestandteile. Vorsicht bei Rizinusschrot: Er ist für Hunde und Katzen giftig. Holzasche aus unbehandeltem Holz liefert Kalium und Kalk, sollte aber nur sparsam und nie bei Pflanzen verwendet werden, die sauren Boden brauchen, etwa Heidelbeeren.
Kompost als Basis – kurz erklärt
Reifer Kompost ist weniger ein schneller Dünger als ein Bodenverbesserer: Er liefert Humus, fördert Regenwürmer und Mikroorganismen und gibt Nährstoffe langsam ab. Im Frühjahr genügen 2 bis 6 Liter pro Quadratmeter, je nach Kultur. Wie du einen Komposter baust, richtig befüllst und Fehler vermeidest, liest du ausführlich im Ratgeber Komposter bauen und befüllen.
FAQ – Dünger selbst herstellen
Wie lange ist Brennnesseljauche haltbar?
Abgeseiht und abgedeckt hält sie mehrere Wochen, riecht aber zunehmend stärker. Am besten setzt du in der Saison kleinere Mengen immer wieder frisch an.
Kann ich Brennnesseljauche unverdünnt verwenden?
Nein, unverdünnt kann sie Wurzeln und Blätter schädigen. Verdünne sie für den Boden 1:10 und für Jungpflanzen 1:20.
Welche Gründüngung passt vor Tomaten?
Eine Mischung aus Winterwicke und Winterroggen im Herbst gesät liefert Stickstoff und Masse, die du im April mähst und als Mulch liegen lässt.
Ist Kaffeesatz ein guter Dünger?
Kaffeesatz enthält etwas Stickstoff und Kalium, wirkt aber nur schwach. Er eignet sich in kleinen Mengen als Beigabe zum Kompost oder dünn eingearbeitet.
Welche pflanzlichen Dünger kann ich kaufen?
Bewährt sind Vinasse, Luzerne- und Leguminosenpellets sowie Dünger auf Basis von Malzkeimen. Prüfe die Zutatenliste auf tierische Bestandteile.
Weiterlesen: Mulchen im Gemüsegarten · Tomaten pflanzen · Mischkultur-Tabelle
Über diesen Ratgeber
Dieser Artikel wurde von der Redaktion von svsger.de erstellt, dem Ratgeber für rein pflanzliche Selbstversorgung. Die Angaben zu Mischungsverhältnissen, Gründüngungspflanzen und Nährstoffbedarf basieren auf gängiger Gartenbau-Fachliteratur und Empfehlungen aus dem ökologischen Landbau. Nährstoffgehalte selbst hergestellter Jauchen schwanken stark, und der Bedarf deines Bodens lässt sich am zuverlässigsten mit einer Bodenanalyse bestimmen.
Zuletzt aktualisiert: September 2026