
Rosmarin duftet nach Mittelmeer, würzt Kartoffeln, Ofengemüse und Brot und liefert das ganze Jahr über frische Nadeln. Trotzdem gehen viele Pflanzen schon im ersten Winter ein – meist nicht wegen der Kälte, sondern wegen zu viel Nässe oder Trockenheit im Wurzelballen. Wer Rosmarin anbauen möchte, sollte deshalb Standort, Boden und Überwinterung genau planen. In diesem Ratgeber erfährst du, welche Sorten robust sind, wie du Rosmarin vermehrst, richtig erntest, haltbar machst und sicher durch den Winter bringst.
Das Wichtigste in Kürze
- Rosmarin braucht volle Sonne, Wärme und sehr durchlässigen, mageren Boden.
- Pflanzzeit ist nach den Eisheiligen im Mai, damit er bis zum Winter gut einwurzelt.
- Stecklinge im Sommer sind die zuverlässigste Vermehrung.
- Nie ins alte, kahle Holz schneiden – von dort treibt er kaum wieder aus.
- Im Freiland nur frostharte Sorten wie ‚Arp‘ an geschützten Plätzen, sonst hell und kühl im Kübel überwintern.
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Rosmarinsorten: robust und winterhart
Rosmarin (heute botanisch Salvia rosmarinus) ist ein immergrüner, verholzender Halbstrauch aus dem Mittelmeerraum. Die Sorten unterscheiden sich in Wuchsform, Blütenfarbe und vor allem in der Frosthärte. Die folgenden Angaben zur Winterhärte gelten für ausgepflanzte, gut eingewurzelte Pflanzen in trockenem Boden – im Kübel und bei Nässe vertragen alle Sorten deutlich weniger.
| Sorte | Wuchs | Winterhärte (ca.) | Besonderheit |
|---|---|---|---|
| ‚Arp‘ | aufrecht, bis 150 cm | −15 bis −20 °C | gilt als frosthärteste Sorte, graugrünes Laub |
| ‚Veitshöchheim‘ | aufrecht, kompakt | bis −15 °C | in Franken ausgelesen, gutes Aroma |
| ‚Blue Winter‘ | buschig, bis 100 cm | bis −15 °C | reich blühend, robust |
| ‚Hill Hardy‘ | aufrecht | bis −15 °C | aus den USA, gut für raue Lagen mit Schutz |
| ‚Tuscan Blue‘ | aufrecht, kräftig | bis −8 °C | breite Nadeln, viel Ertrag, besser im Kübel |
| ‚Prostratus‘ | kriechend, hängend | bis −5 °C | schön für Ampeln und Mauerkronen, frostfrei überwintern |
Standort und Boden
Rosmarin braucht den sonnigsten und wärmsten Platz im Garten, ideal vor einer Südwand oder zwischen Steinen, die Wärme speichern. Wind, vor allem kalter Ostwind im Winter, schadet ihm. Der Boden muss sehr gut durchlässig, eher mager und kalkhaltig sein. Schwere Lehmböden mischst du großzügig mit Sand und Splitt oder legst ein erhöhtes Beet an. Kompost gibst du nur sparsam, denn zu viele Nährstoffe machen die Triebe weich, frostempfindlich und weniger aromatisch.
Im Kräuterbeet gehört Rosmarin in die mediterrane Zone zusammen mit Thymian, Salbei und Lavendel. Wie du die Zonen aufteilst, zeigt der Ratgeber Kräutergarten anlegen.
Pflanzung im Beet und im Kübel
Pflanze Rosmarin nach den Eisheiligen Mitte Mai. So hat er den ganzen Sommer, um Wurzeln zu bilden, bevor der erste Frost kommt. Eine Herbstpflanzung ist im Freiland riskant.
- Pflanzloch doppelt so groß wie der Topfballen ausheben.
- Auf schweren Böden eine 10 cm dicke Drainageschicht aus Kies einfüllen.
- Aushub zu gleichen Teilen mit Sand oder feinem Splitt mischen.
- Pflanze so tief wie im Topf setzen, andrücken, einmal kräftig angießen.
- Die Oberfläche mit Kies statt organischem Mulch abdecken, damit der Wurzelhals trocken bleibt.
Für die Kübelkultur eignet sich ein frostfester Terrakottatopf* mit großem Abzugsloch und mindestens 10 bis 20 Litern Volumen. Unten kommt eine Schicht Blähton als Drainage* hinein, darüber torffreie Kräutererde gemischt mit einem Drittel Sand. Topfe Rosmarin alle zwei bis drei Jahre im Frühjahr in ein etwas größeres Gefäß um.
Rosmarin vermehren
Stecklinge sind die einfachste und sortenechte Methode. Schneide von Mai bis August 10 cm lange, halbverholzte Triebspitzen ohne Blüten. Entferne die Nadeln im unteren Drittel und stecke die Triebe in ein Gemisch aus Anzuchterde und Sand. Stelle sie hell, aber nicht in die pralle Sonne, und halte das Substrat leicht feucht. Nach vier bis sechs Wochen bilden sich Wurzeln; neue Triebe zeigen den Erfolg an. Die Jungpflanzen überwintern im ersten Jahr besser drinnen.
Bei ausgepflanzten Sträuchern gelingen auch Absenker: Einen bodennahen Trieb im Frühjahr zur Erde biegen, an der Unterseite leicht einritzen, mit Erde bedecken und fixieren. Im Herbst ist er bewurzelt. Die Aussaat ist möglich, aber mühsam: Rosmarin keimt unregelmäßig in drei bis vier Wochen bei etwa 20 °C, ist Lichtkeimer und wächst anfangs sehr langsam.
Pflege und Rückschnitt
Gieße Rosmarin selten, aber durchdringend, sobald die obere Erdschicht abgetrocknet ist. Im Beet braucht er nach dem Anwachsen fast nie Wasser. Kübelpflanzen düngst du von Mai bis Juli alle vier Wochen schwach mit einem pflanzlichen Flüssigdünger oder stark verdünnter Brennnesseljauche, im Beet genügt eine Handvoll Kompost im Frühjahr.
Der wichtigste Schnitt erfolgt im Frühjahr nach den letzten starken Frösten oder direkt nach der Blüte. Kürze die Triebe um etwa ein Drittel ein, schneide aber immer im benadelten Bereich. Das hält den Strauch kompakt und verhindert, dass er von unten verkahlt. Für verholzte Zweige eignet sich eine scharfe Bypass-Astschere*. Im Herbst schneidest du nicht mehr, damit die Triebe ausreifen können.
Typische Probleme: Braune, abfallende Nadeln deuten meist auf Staunässe oder einen ausgetrockneten Ballen hin. Echter Mehltau zeigt sich als weißer Belag bei schlechter Luftzirkulation. Woll- und Schildläuse treten vor allem im Winterquartier auf; befallene Triebe abschneiden oder die Pflanze lauwarm abduschen.
Ernte und Haltbarmachen
Da Rosmarin immergrün ist, kannst du das ganze Jahr über ernten. Schneide ganze Triebspitzen von 5–10 cm statt einzelner Nadeln, am besten an einem sonnigen Vormittag. Das intensivste Aroma haben die Zweige kurz vor und während der Blüte im Frühjahr. Nimm nie mehr als ein Drittel der Pflanze auf einmal, bei Jungpflanzen deutlich weniger.
- Trocknen: Rosmarin behält getrocknet viel Aroma. Zweige in kleinen Bündeln schattig und luftig aufhängen oder im Dörrautomaten* bei 35–40 °C trocknen. Anschließend die Nadeln abstreifen.
- Lagern: Ganze Nadeln dunkel und luftdicht in Weck-Gläsern* aufbewahren und erst bei Gebrauch zerkleinern.
- Einfrieren: Ganze Zweige in Dosen einfrieren, die Nadeln lassen sich gefroren leicht abstreifen.
- Rosmarinsalz: Frische Nadeln mit grobem Meersalz im Verhältnis etwa 1:4 mixen und trocknen lassen.
- Rosmarinöl: Mit gut getrockneten Zweigen ansetzen; frische Zweige in Öl nur gekühlt und für wenige Tage verwenden.
Rosmarin überwintern
Im Kübel
Kübelpflanzen überwintern am sichersten hell und kühl bei etwa 5–10 °C, zum Beispiel in einem unbeheizten Treppenhaus, Wintergarten oder hellen Kellerraum. Hole sie erst bei Temperaturen unter etwa −5 °C herein, denn leichter Frost härtet ab. Warme Wohnräume führen zu weichen Trieben und Schädlingsbefall. Wichtig: Der Wurzelballen darf nie ganz austrocknen – Vertrocknen ist im Winterquartier eine der häufigsten Todesursachen.
Im Freiland
Ausgepflanzte Sträucher schützt du mit einer Schicht Reisig um den Wurzelbereich und bei Kahlfrost mit einem Winterschutzvlies*. Gefährlich ist die Kombination aus Wintersonne und gefrorenem Boden: Die Pflanze verdunstet Wasser, kann aber keines nachziehen. An frostfreien Tagen daher gelegentlich gießen. Weitere Tipps für die kalte Jahreszeit findest du im Ratgeber Gartenpflege im Winter.
Winterharten Rosmarin ansehen*
FAQ – Rosmarin anbauen
Ist Rosmarin in Deutschland winterhart?
Nur bedingt. Frostharte Sorten wie ‚Arp‘ überstehen an geschützten, trockenen Plätzen in milden Regionen oft den Winter, in rauen Lagen ist die Kübelkultur sicherer.
Wie oft muss ich Rosmarin gießen?
Selten, aber gründlich, sobald die obere Erdschicht trocken ist. Staunässe schadet mehr als kurze Trockenheit, doch im Winterquartier darf der Ballen nicht völlig austrocknen.
Warum wird mein Rosmarin braun?
Meist ist Staunässe, ein ausgetrockneter Wurzelballen oder Frosttrocknis die Ursache. Prüfe die Drainage und die Feuchtigkeit im Topf.
Wann schneide ich Rosmarin?
Im Frühjahr nach den letzten starken Frösten oder nach der Blüte. Schneide nur im benadelten Bereich und nicht mehr im Herbst.
Wie vermehre ich Rosmarin am einfachsten?
Über halbverholzte Stecklinge von Mai bis August. Sie bewurzeln sich in vier bis sechs Wochen in einem Sand-Erde-Gemisch.
Weiterlesen: Minze ernten und trocknen · Petersilie anbauen · Balkon-Planung für Selbstversorger
Über diesen Ratgeber
Dieser Artikel wurde von der Redaktion von svsger.de erstellt, dem Ratgeber für rein pflanzliche Selbstversorgung. Die Angaben basieren auf gängiger Gartenbau- und Kräuterfachliteratur, Empfehlungen von Landwirtschaftskammern und Naturgarten-Verbänden sowie Sortenbeschreibungen von Kräutergärtnereien. Angaben zur Winterhärte sind Richtwerte und hängen stark von Kleinklima, Bodenfeuchte und Alter der Pflanze ab.
Zuletzt aktualisiert: September 2026