
Frische Kräuter machen aus einfachen Gerichten etwas Besonderes und sparen im Laden überraschend viel Geld. Wer einen Kräutergarten anlegen möchte, braucht dafür weder viel Platz noch viel Erfahrung – entscheidend ist, die Pflanzen nach ihren Standortansprüchen zu gruppieren. In diesem Ratgeber erfährst du, wie du Standort und Boden planst, welche Kräuter du säst oder vermehrst, wie du richtig erntest, deine Vorräte haltbar machst und die Pflanzen gut durch den Winter bringst.
Das Wichtigste in Kürze
- Kräuter nach Ansprüchen trennen: mediterran-trocken, frisch-halbschattig und wuchernd.
- Mediterrane Kräuter brauchen volle Sonne und mageren, durchlässigen Boden.
- Schon 2–4 Quadratmeter oder eine Kräuterspirale reichen für einen Haushalt.
- Kurz vor der Blüte ist das Aroma am stärksten – der beste Zeitpunkt für Vorräte.
- Rosmarin, Lorbeer und Zitronenverbene brauchen in den meisten Regionen Winterschutz oder ein helles Quartier.
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Standort planen: Kräuter in Zonen gruppieren
Der häufigste Fehler im Kräuterbeet ist ein bunter Mix aus Arten mit völlig unterschiedlichen Ansprüchen. Thymian verkümmert neben feuchtigkeitsliebender Petersilie, und Minze überwuchert in zwei Jahren alles ringsum. Plane deshalb drei Zonen:
- Mediterrane Zone: Rosmarin, Thymian, Salbei, Oregano, Lavendel und Bohnenkraut brauchen mindestens sechs Stunden Sonne, Wärme und mageren, sandig-kiesigen Boden.
- Frische Zone: Petersilie, Schnittlauch, Dill, Kerbel, Liebstöckel und Basilikum mögen humosen, gleichmäßig feuchten Boden und vertragen teilweise Halbschatten.
- Wuchernde Zone: Minze, Zitronenmelisse und Estragon pflanzt du in Töpfe, Kübel oder mit Wurzelsperre.
Lege den Kräutergarten möglichst nah an der Küche an. Was man im Vorbeigehen ernten kann, wird auch wirklich genutzt. Viele Kräuter sind außerdem gute Beetnachbarn für Gemüse – Beispiele findest du in der Mischkultur-Tabelle.
Die wichtigsten Kräuter im Überblick
| Kraut | Standort | Aussaat / Vermehrung | Überwinterung |
|---|---|---|---|
| Thymian | vollsonnig, mager | Vorzucht März, Stecklinge, Teilung | winterhart, Nässeschutz |
| Salbei | vollsonnig, durchlässig | Vorzucht März, Stecklinge | weitgehend winterhart, Reisig |
| Rosmarin | vollsonnig, geschützt | Stecklinge Mai–August | bedingt winterhart, Kübel hell und kühl |
| Oregano | sonnig, mager | Lichtkeimer, Teilung im Frühjahr | winterhart |
| Schnittlauch | sonnig bis halbschattig, frisch | Direktsaat ab April, Teilung | winterhart, zieht ein |
| Petersilie | halbschattig, humos | Direktsaat März–August | zweijährig, meist frosthart |
| Minze | halbschattig, feucht | Ausläufer, Stecklinge | winterhart, zieht ein |
| Basilikum | warm, sonnig, geschützt | Vorzucht April, Auspflanzen nach den Eisheiligen | einjährig, nicht frosthart |
| Dill | sonnig, frisch | Direktsaat April–Juli in Sätzen | einjährig, sät sich selbst aus |

Kräutergarten anlegen: Beet, Spirale oder Kübel
Für ein klassisches Kräuterbeet reichen zwei bis vier Quadratmeter. Eine Kräuterspirale aus Natursteinen vereint auf etwa zwei Metern Durchmesser mehrere Kleinklimazonen: oben trocken und warm, unten feucht und kühler. Bequemer ist ein Hochbeet-Bausatz*, dessen eine Hälfte du mit Sand und Splitt abmagerst. Tipps zur Befüllung stehen im Ratgeber Hochbeet planen.
- Sonnigen Platz wählen, Grasnarbe und Wurzelunkräuter gründlich entfernen.
- Boden spatentief lockern. Bei schwerem Lehm eine 10–15 cm dicke Drainageschicht aus Kies oder Schotter einbauen.
- Mediterrane Zone: Gartenerde etwa zur Hälfte mit Sand und feinem Splitt mischen, kein Kompost.
- Frische Zone: 2–3 Liter reifen Kompost pro Quadratmeter einarbeiten.
- Wuchernde Arten in bodenlose Kübel setzen, die 30 cm tief eingegraben werden.
- Pflanzen ab Mitte April setzen, frostempfindliche Arten wie Basilikum erst nach den Eisheiligen.
Ohne Garten gelingt ein Kräutergarten auch in Balkonkästen. Ein Kasten mit Wasserspeicher wie der LECHUZA Balconera* eignet sich besonders für Petersilie, Schnittlauch und Minze. Rosmarin und Thymian setzt du dagegen in Tontöpfe mit Abzugsloch. Weitere Ideen liefert die Balkon-Planung für Selbstversorger.
Aussaat und Vermehrung
Einjährige Kräuter wie Dill, Kerbel, Koriander und Borretsch säst du direkt ins Beet, am besten in mehreren Sätzen alle drei bis vier Wochen. Basilikum ziehst du ab April auf der warmen Fensterbank vor. Viele Kräuter wie Basilikum, Oregano und Thymian sind Lichtkeimer: Die Samen werden nur angedrückt, nicht mit Erde bedeckt. Petersilie und Dill dagegen dünn mit Erde überziehen. Für den Start eignet sich ein Bio-Kräuter-Samen-Set* mit samenfesten Sorten.
Mehrjährige Halbsträucher wie Rosmarin, Salbei, Lavendel und Thymian vermehrst du zuverlässiger über Stecklinge: Im Frühsommer 8–10 cm lange, nicht blühende Triebspitzen schneiden, die unteren Blätter entfernen und in mageres Anzuchtsubstrat stecken. Nach vier bis sechs Wochen bilden sich Wurzeln. Stauden wie Schnittlauch, Oregano und Zitronenmelisse teilst du einfach im Frühjahr mit dem Spaten. Aus samenfesten Kräutern wie Dill, Koriander oder Basilikum kannst du im Spätsommer auch eigenes Saatgut gewinnen, indem du einige Pflanzen ausreifen lässt.
Ernte und Haltbarmachen
Ernte Kräuter an einem trockenen Vormittag, sobald der Tau abgetrocknet ist. Schneide ganze Triebspitzen statt einzelner Blätter, dann verzweigen sich die Pflanzen und werden buschiger. Bei Halbsträuchern wie Salbei und Thymian nie ins alte, blattlose Holz schneiden. Für Vorräte ist die Zeit kurz vor der Blüte ideal, weil dann die meisten ätherischen Öle enthalten sind.
- Trocknen: Thymian, Oregano, Salbei, Rosmarin, Minze und Bohnenkraut in lockeren Bündeln kopfüber an einem schattigen, luftigen Ort aufhängen. Schneller geht es im Dörrautomaten* bei höchstens 35–40 °C.
- Einfrieren: Petersilie, Schnittlauch, Dill und Basilikum verlieren beim Trocknen viel Aroma. Gehackt in Eiswürfelformen mit etwas Wasser oder Öl einfrieren.
- Kräutersalz: Frische Kräuter mit grobem Salz im Verhältnis etwa 1:4 mixen, auf einem Blech trocknen lassen und in Gläser füllen.
- Kräuteressig und -öl: Frische Kräuter in Öl können Botulismus-Keime begünstigen. Solche Öle kühl lagern und innerhalb weniger Tage verbrauchen oder mit getrockneten Kräutern ansetzen.
Getrocknete Kräuter lagerst du dunkel und luftdicht, zum Beispiel in Weck-Gläsern*. Ganz belassene Blätter halten ihr Aroma rund ein Jahr.
Kräuter überwintern
Die meisten heimischen und viele mediterrane Kräuter sind winterhart. Thymian, Salbei und Lavendel sterben im Winter aber eher an Nässe als an Kälte, deshalb ist ein durchlässiger Boden wichtiger als dicke Abdeckungen. Eine lockere Schicht Reisig schützt vor Wintersonne und Kahlfrost. Schnittlauch, Minze und Estragon ziehen oberirdisch ein und treiben im Frühjahr wieder aus.
Rosmarin ist nur in milden Lagen mit Schutz winterhart. Kübel überwintern hell und kühl bei 5–10 °C. Lorbeer und Zitronenverbene gehören ebenfalls in ein frostfreies, helles Quartier. Kräuter im Topf, die draußen bleiben, stellst du an eine geschützte Hauswand, umwickelst die Gefäße mit Jute und gießt an frostfreien Tagen sparsam. Den Rückschnitt mehrjähriger Halbsträucher erledigst du erst im Frühjahr nach den stärksten Frösten.
Kräuterspirale-Bausätze ansehen*
FAQ – Kräutergarten anlegen
Welche Kräuter passen nicht zusammen?
Mediterrane Kräuter wie Thymian und Rosmarin vertragen sich schlecht mit feuchtigkeitsliebenden Arten wie Petersilie. Minze und Melisse sollten wegen ihrer Ausläufer getrennt stehen.
Wann ist die beste Zeit, einen Kräutergarten anzulegen?
Ideal ist das Frühjahr ab Mitte April. Frostempfindliche Kräuter wie Basilikum pflanzt du erst nach den Eisheiligen Mitte Mai.
Müssen Kräuter gedüngt werden?
Mediterrane Kräuter kaum, zu viel Nährstoff mindert ihr Aroma. Petersilie, Schnittlauch und Basilikum freuen sich über etwas Kompost oder verdünnte Brennnesseljauche.
Wie groß sollte ein Kräutergarten sein?
Für einen Haushalt reichen zwei bis vier Quadratmeter oder eine Kräuterspirale mit etwa zwei Metern Durchmesser.
Welche Kräuter kann man einfrieren statt trocknen?
Petersilie, Schnittlauch, Dill und Basilikum behalten eingefroren deutlich mehr Aroma als getrocknet.
Weiterlesen: Petersilie anbauen · Rosmarin anbauen · Minze ernten und trocknen · Körperpflege selber machen
Über diesen Ratgeber
Dieser Artikel wurde von der Redaktion von svsger.de erstellt, dem Ratgeber für rein pflanzliche Selbstversorgung. Die Angaben basieren auf gängiger Gartenbau- und Kräuterfachliteratur, Empfehlungen von Landwirtschaftskammern und Naturgarten-Verbänden sowie Sortenbeschreibungen von Saatgutanbietern. Winterhärte und Aussaattermine können je nach Region und Kleinklima deutlich abweichen.
Quellen
Zuletzt aktualisiert: September 2026