Haarkur und saure Rinse selber machen

Ölkur vor der Wäsche, saure Rinse danach: welches Öl zu welchem Haartyp passt, wie viel Essig auf einen Liter gehört und wie du Öl ohne Fettfilm auswäschst

Eine Haarkur selber machen heißt in dieser Serie nicht: eine cremige Masse anrühren, die drei Monate im Tiegel steht. Es heißt zwei sehr einfache Dinge, die zusammengehören und in dieser Reihenfolge stattfinden: eine Ölkur vor der Wäsche und eine saure Rinse danach. Das eine bringt Fett ins Haar, das andere holt Kalk heraus. Zusammen ergeben sie das, was man sonst aus zwei gekauften Flaschen bekommt – mit zwei Zutaten, die du ohnehin in der Küche hast.

Beides ist unspektakulär, und beides wird regelmäßig falsch gemacht. Bei der Ölkur an der Menge und am Auswaschen, bei der Rinse an der Verdünnung. Deshalb steht in diesem Beitrag mehr über Gramm, Milliliter und Reihenfolge als über Zutatenlisten. Die Zutatenliste ist kurz: Pflanzenöl, Wasser, Apfelessig, bei Bedarf ein Kräuteraufguss. Mehr braucht es nicht.

Das Wichtigste in Kürze

  • Öl kommt in die Längen und Spitzen, nicht auf den Ansatz. Der Ansatz hat bereits genug eigenes Fett.
  • Lieber zu wenig als zu viel. Für schulterlanges Haar reichen 5 bis 8 g. Was zu viel ist, merkst du erst beim Auswaschen.
  • Erst Shampoo oder Seife ins trockene Haar, dann Wasser. Andersherum bleibt ein Fettfilm zurück, den du nicht mehr los wirst.
  • Saure Rinse nach Haarseife: ein bis zwei Esslöffel Apfelessig auf einen Liter Wasser. Nicht stärker, das bringt nichts.
  • Die Rinse ist wasserhaltig – frisch ansetzen, aufbrauchen, Rest weg. Sie wird nicht aufgehoben.

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Warum Ölkur und saure Rinse zusammengehören

Die beiden Anwendungen lösen zwei verschiedene Probleme, aber sie treffen sich am selben Waschgang. Die Ölkur setzt vor der Wäsche an: Sie legt Fett auf und in das Haar, bevor das Waschmittel kommt, und puffert damit einen Teil dessen ab, was beim Waschen herausgeholt wird. Die saure Rinse setzt danach an: Sie senkt den pH-Wert des Spülwassers und löst Rückstände, die eine Wäsche mit Seife auf dem Haar hinterlässt.

Besonders deutlich wird das, wenn du mit fester Haarseife wäschst statt mit flüssigem Shampoo. Haarseife ist alkalisch, und sie reagiert mit dem Kalk im Leitungswasser zu Kalkseife – einem unlöslichen Belag, der sich auf dem Haar absetzt. Das Ergebnis kennt jeder, der die Umstellung ohne Rinse versucht hat: Das Haar fühlt sich nach dem Trocknen stumpf an, wirkt strähnig, lässt sich schlecht kämmen und sieht auch nach der dritten Wäsche nicht besser aus. Das ist keine Gewöhnungsphase, sondern schlicht ein Belag. Wie feste Haarwaschstücke funktionieren und worin sie sich von festen Shampoos unterscheiden, steht ausführlich unter Haarseife und festes Shampoo.

Die saure Rinse löst diesen Belag, weil Säure die Kalkseife angreift. Deshalb ist sie bei Haarseife kein optionales Extra, sondern der zweite Teil derselben Wäsche. Wer mit einem normalen Shampoo aus dem Drogeriemarkt wäscht, braucht sie nicht zwingend – dort sind Tenside im Einsatz, die diese Reaktion nicht zeigen. Angenehm ist die Rinse trotzdem, besonders bei hartem Wasser.

Grafik zum Beitrag: Haarkur und saure Rinse selber machen

Die Ölkur: welches Öl, wie viel, wie lange

Für die Ölkur brauchst du genau eine Zutat: ein Pflanzenöl. Welches, hängt weniger vom Geschmack ab als von der Haarstruktur. Feines Haar wird von schweren Ölen platt gedrückt, kräftiges Haar nimmt leichte Öle kaum wahr. Die Tabelle gibt Anhaltspunkte für Menge und Einwirkzeit, bezogen auf schulterlanges Haar. Bei kurzem Haar nimmst du etwa die Hälfte, bei langem das Anderthalb- bis Doppelte.

HaartypPassendes ÖlMenge (schulterlang)EinwirkzeitWorauf achten
Fein, fettet schnell nachJojobaöl3–5 g (knapp 1 TL)20–30 Minutennur das untere Drittel, Ansatz komplett auslassen
Normal, mittelkräftigSüßes Mandelöl5–8 g (1–1,5 TL)30–60 Minutender unkomplizierteste Einstieg, zieht gut ein
Dick, kräftig, trockenOlivenöl nativ10–15 g (2–3 TL)1–2 Stundenschwer und geruchsintensiv, braucht zwei Waschgänge
Lockig, kraus, porösKokosöl, geschmolzen8–12 g (1,5–2,5 TL)30 Minuten bis über NachtSonderfall, siehe eigener Abschnitt weiter unten
Sehr trockene Spitzen, SplissRizinusöl mit Mandelöl 1:3 gemischt5–8 g (1–1,5 TL)45–60 Minutenpur ist Rizinusöl zäh wie Sirup, deshalb strecken
Trockene, spannende KopfhautJojoba- oder Mandelöl3–4 g, dünn einmassiert20–30 Minutendie einzige Ausnahme von der Ansatz-Regel, sehr sparsam

Die Mengen wirken klein, und das sind sie auch. Ein Teelöffel Öl sieht in der Schale nach nichts aus und reicht trotzdem für eine ganze Länge, wenn du ihn erst in den Handflächen verteilst und dann Strähne für Strähne durchziehst. Welches Öl womit vergleichbar ist, wie schnell es einzieht und wie lange es hält, ist im Überblick unter Pflanzenöle für die Haut beschrieben – die meisten Eigenschaften gelten für Haar genauso.

Für den Einstieg ist süßes Mandelöl im Liter* das unkomplizierteste Öl: mild im Geruch, mittelschwer, lässt sich gut auswaschen. Bei feinem Haar ist Bio-Jojobaöl in der 100-ml-Flasche* die bessere Wahl, weil es sehr leicht ist und kaum beschwert. Für kräftiges, trockenes Haar tut es ein natives Bio-Olivenöl aus der Küche* – es ist schwer und riecht deutlich, aber es ist billig und funktioniert. Für die Spitzenmischung brauchst du zusätzlich kaltgepresstes Bio-Rizinusöl in kleiner Flasche*, von dem ein Viertel der Mischung völlig ausreicht.

Die drei Punkte, an denen es schiefgeht

Es gibt drei Fehler, die fast jeder beim ersten Mal macht. Sie kosten alle dasselbe: einen Waschtag, der mit fettigem Haar endet.

Erstens der Ansatz. Öl gehört in die Längen und Spitzen, nicht auf den Kopf. Die Kopfhaut produziert selbst Talg, und der Ansatz ist deshalb der Teil des Haares, der am wenigsten Fett braucht. Wer die Kur wie eine Kopfmassage anlegt und das Öl von oben einarbeitet, hat nach dem Waschen platte, strähnige Ansätze und trockene Spitzen – also genau das Gegenteil des Ziels. Praktisch heißt das: Haar in vier Partien teilen, das Öl in den Handflächen verreiben und ab etwa Ohrhöhe abwärts durchziehen. Die trockene Kopfhaut aus der letzten Tabellenzeile ist die einzige Ausnahme, und dort geht es um wenige Gramm, dünn verteilt.

Zweitens die Menge. Zu wenig Öl merkst du nach dem Waschen kaum, zu viel merkst du sofort. Eine Ölkur muss nicht triefen. Das Haar soll feucht glänzen, nicht tropfen. Wenn die Strähnen aneinanderkleben und das Öl am Nacken herunterläuft, ist die doppelte Menge im Spiel. Gerade bei der ersten Anwendung lohnt es sich, bewusst zu niedrig zu dosieren und beim nächsten Mal einen halben Teelöffel draufzulegen.

Drittens das Auswaschen. Das ist der wichtigste Punkt des ganzen Beitrags, und er widerspricht dem Reflex. Öl und Wasser verbinden sich nicht. Wer das geölte Haar zuerst unter die Dusche hält, legt einen Wasserfilm über den Fettfilm, und das Shampoo kommt danach kaum noch an das Öl heran. Die Folge ist ein Haar, das nach zwei Waschgängen immer noch strähnig aussieht.

Richtig geht es andersherum: Shampoo oder aufgeschäumte Haarseife kommen ins trockene, geölte Haar. Erst dann, wenn das Waschmittel überall verteilt und einmassiert ist, kommt Wasser dazu. Dabei entsteht zunächst kaum Schaum – das ist normal und ein gutes Zeichen, weil das Waschmittel gerade mit dem Öl beschäftigt ist. Nach dem ersten Ausspülen folgt ein zweiter, kurzer Waschgang mit deutlich weniger Produkt. Zwei Durchgänge sind bei schweren Ölen der Normalfall, kein Zeichen für zu viel Öl. Bei festen Stücken lässt sich die Seife vorher in etwas warmem Wasser zu einer cremigen Lösung aufschlagen und dann auf das trockene Haar geben, das verteilt sich gleichmäßiger.

Ölkur wird strähnenweise in die Längen eines schulterlangen Haares eingearbeitet, der Haaransatz bleibt ausgespart, daneben eine kleine Schale mit Mandelöl

Schälchen mit Haarkur aus Olivenöl und Avocado auf einem Holztisch

Kokosöl: der Sonderfall

Kokosöl nimmt unter den Haarölen eine eigene Stellung ein. Seine Fettsäuren sind vergleichsweise kurzkettig und gerade gebaut, und es dringt deshalb tatsächlich ein Stück weit in die Faser ein, statt nur außen aufzuliegen. Das ist der Grund, warum es in vielen Kulturen seit Generationen als Haaröl verwendet wird und warum es in dieser Tabelle bei lockigem und porösem Haar steht.

Dieselbe Eigenschaft ist aber auch der Grund, warum manche Menschen mit Kokosöl nicht zurechtkommen. Bei einem Teil der Anwenderinnen und Anwender fühlt sich das Haar nach mehreren Kokosölkuren nicht weicher an, sondern spröder und strohiger – trocken im Griff, störrisch beim Kämmen. Das ist kein Gerücht, sondern eine verbreitete Beobachtung. Wenn dir das passiert, liegt es nicht an der Anwendung: Dann ist Kokosöl für dein Haar schlicht das falsche Öl, und du wechselst auf Mandel- oder Jojobaöl. Ein Versuch über zwei bis drei Anwendungen reicht aus, um das zu beurteilen.

Praktisch ist Kokosöl bei Zimmertemperatur fest und schmilzt bei etwa 24 Grad. Für die Anwendung stellst du das Glas kurz in warmes Wasser oder nimmst die Portion mit einem Löffel heraus und verreibst sie in den Handflächen, bis sie flüssig wird. Natives Bio-Kokosöl im Bügelglas* ist dafür günstiger als jedes als Haaröl deklarierte Produkt und lässt sich in der Küche weiterverwenden, falls es im Haar nicht passt.

Grundrezept: Ölkur für Längen und Spitzen (ergibt ca. 60 ml, reicht für 8 bis 10 Anwendungen)

  • 45 g süßes Mandelöl
  • 15 g Rizinusöl (macht die Mischung etwas dichter, für sehr trockene Spitzen)
  • optional: 6 Tropfen ätherisches Lavendelöl – das entspricht rund 0,5 Prozent der Mischung
  1. Eine 60-ml-Flasche mit kochendem Wasser ausspülen und vollständig trocknen lassen.
  2. Beide Öle direkt in der Flasche abwiegen, verschließen und kräftig schütteln.
  3. Ätherisches Öl erst am Ende zugeben, nochmals schütteln und mit Datum beschriften.
  4. Pro Anwendung 5 bis 8 g in die Handflächen geben, verreiben und ab Ohrhöhe abwärts strähnenweise durchziehen. Der Ansatz bleibt frei.
  5. Haar locker hochstecken, ein altes Tuch darum wickeln und 30 bis 60 Minuten einwirken lassen.
  6. Shampoo oder aufgeschlagene Haarseife ins trockene Haar geben, einarbeiten, erst dann Wasser zugeben und ausspülen. Bei Bedarf einen zweiten, kurzen Waschgang.

Haltbarkeit: 6 bis 9 Monate, kühl und dunkel · Aufbewahrung: verschlossene Flasche, kein Wasser hinein · Hinweis: Wenn das Öl ranzig riecht, kommt es weg

Zum ätherischen Öl der übliche Hinweis, der in dieser Serie überall gilt: höchstens 1 Prozent in der Fertigmischung, also etwa 3 Tropfen auf 10 g Trägeröl – im Rezept oben liegt die Menge bewusst darunter. Vor der ersten Anwendung gehört der Armbeugentest dazu: einen Tropfen der fertigen, verdünnten Mischung in die Armbeuge geben, 24 Stunden warten, die Stelle nicht waschen, und bei Rötung, Juckreiz oder Brennen nicht verwenden. Nicht bei Babys und Kleinkindern, in Schwangerschaft und Stillzeit nur nach Rücksprache, nicht in die Augen. Wer es ganz einfach halten will, lässt das ätherische Öl weg – die Kur funktioniert ohne genauso. Ein ätherisches Bio-Lavendelöl mit Pipette* lässt sich tropfenweise sauber dosieren.

Die saure Rinse: Verhältnis, Anwendung, Geruch

Die saure Rinse ist der zweite Teil und braucht weder Waage noch Vorbereitung. Sie ist ein Krug Wasser mit einem Schuss Essig darin – aber die Menge des Schusses entscheidet über das Ergebnis.

Das Verhältnis: ein bis zwei Esslöffel naturtrüber Apfelessig auf einen Liter Wasser. Das sind etwa 15 bis 30 ml auf 1000 ml, also eine Verdünnung um den Faktor 30 bis 60. Bei sehr hartem Wasser oder bei langem, dichtem Haar nimmst du zwei Esslöffel, bei weichem Wasser oder feinem Haar einen. Mehr ist ausdrücklich nicht besser: Eine zu saure Rinse macht das Haar nicht glatter, sondern greift es auf Dauer an und riecht unangenehm lange nach. Wer unsicher ist, fängt mit einem Esslöffel an.

Statt Apfelessig geht auch Zitronensaft, etwa in derselben Menge. Apfelessig ist in der Praxis unkomplizierter, weil er sich lange hält und im Vorrat steht. Naturtrüber Bio-Apfelessig im Liter* reicht bei zwei Wäschen pro Woche für gut ein halbes Jahr. Für das Ansetzen ist ein Messkrug mit einem Liter Fassungsvermögen* die praktischste Lösung – er steht in der Dusche, hat eine Skala und lässt sich in einem Zug ausgießen.

Die Anwendung: Nach dem Waschen und gründlichen Ausspülen gießt du die Rinse langsam über das Haar, von oben nach unten, und verteilst sie mit den Fingern bis in die Spitzen. Einen Moment einwirken lassen, mehr als eine halbe Minute braucht es nicht. Danach die Frage, die am häufigsten gestellt wird: nachspülen oder nicht. Beides ist möglich. Bei der angegebenen Verdünnung kannst du die Rinse im Haar lassen – sie ist so schwach, dass sie nichts zurücklässt, und das Ergebnis ist etwas mehr Griffigkeit. Wer den Geruch nicht mag oder mit zwei Esslöffeln gearbeitet hat, spült kurz mit klarem, kühlem Wasser nach. Der Effekt gegen die Kalkseife ist zu diesem Zeitpunkt bereits eingetreten, das kurze Nachspülen hebt ihn nicht auf.

Der Geruch: Nass riecht das Haar deutlich nach Essig, und das irritiert beim ersten Mal. Essigsäure ist flüchtig – sie verdunstet zusammen mit dem Wasser. Sobald das Haar trocken ist, ist der Geruch weg. Das dauert je nach Haarlänge zwanzig Minuten bis zwei Stunden. Wenn nach dem Trocknen noch etwas wahrnehmbar ist, war die Mischung zu stark; dann beim nächsten Mal die Essigmenge halbieren.

Grundrezept: Saure Rinse mit Apfelessig (ergibt 1 Liter, reicht für 1 Anwendung)

  • 1000 g handwarmes Wasser (entspricht 1 Liter)
  • 15 bis 30 g naturtrüber Apfelessig (1 bis 2 Esslöffel)
  1. Den Messkrug mit einem Liter handwarmem Wasser füllen.
  2. Essig zugeben und einmal umrühren. Fertig – es wird nichts erwärmt und nichts gezogen.
  3. Nach dem Waschen und Ausspülen langsam über das Haar gießen und mit den Fingern bis in die Spitzen verteilen.
  4. Etwa 30 Sekunden einwirken lassen.
  5. Entweder so belassen oder kurz mit klarem, kühlem Wasser nachspülen.
  6. Wie gewohnt trocknen. Der Essiggeruch verfliegt beim Trocknen vollständig.

Haltbarkeit: keine – die Rinse ist wasserhaltig und wird für jede Wäsche frisch angesetzt. Rest wegschütten, nicht aufheben · Aufbewahrung: entfällt

Dieser Punkt gehört zur Logik der ganzen Serie und wird deshalb hier ausdrücklich wiederholt: Alles, was Wasser enthält, ist verderblich. Ein Öl steht monatelang, eine wässrige Mischung ohne Konservierung nicht. Warum das so ist und warum wir deshalb überall dort, wo es geht, ohne Wasser arbeiten, steht unter Naturkosmetik ohne Konservierung. Die Rinse ist in dieser Hinsicht der einfachste Fall: Sie ist in zehn Sekunden angesetzt, also gibt es keinen Grund, sie aufzubewahren.

Brennnessel und Rosmarin: die traditionelle Ergänzung

Statt reinem Wasser lässt sich für die Rinse auch ein Kräuteraufguss verwenden. Zwei Pflanzen tauchen in alten Hausmittelsammlungen dafür immer wieder auf: Brennnessel und Rosmarin. Beide werden seit langem als Haarspülung verwendet, und beide sind leicht zu bekommen – die Brennnessel wächst praktisch überall, Rosmarin steht in vielen Kübeln auf dem Balkon.

Sachlich eingeordnet: Es handelt sich um überliefertes Erfahrungswissen. Ein Kräuteraufguss in der Spülung gibt dem Haar Farbe und Geruch, Gerbstoffe verändern den Griff leicht, und der Aufguss ersetzt einen Teil des Wassers in der Rinse. Belastbare Aussagen darüber, dass ein solcher Aufguss das Haarwachstum beeinflusst oder Haarausfall aufhält, lassen sich daraus nicht ableiten, und wir machen sie deshalb nicht. Wer die Kräuter mag, verwendet sie, weil die Rinse damit angenehmer riecht und weil es ein schöner Weg ist, den eigenen Garten in die Pflege zu holen.

Die Brennnessel ist dabei die dankbarste Pflanze überhaupt, weil sie kostenlos ist und in Mengen wächst, die kein Haushalt aufbraucht. Ernte, Trocknung und der sichere Umgang mit den Brennhaaren sind unter Brennnessel beschrieben. Achte beim Sammeln darauf, die Pflanze sicher zu erkennen und nur an Standorten fernab von Straßenrändern und Hundewegen zu ernten – bei Wildpflanzen gilt grundsätzlich: Was du nicht zweifelsfrei bestimmen kannst, bleibt stehen. Wer nicht sammeln will, nimmt getrocknete Brennnesselblätter in Bioqualität*.

Rosmarin gibt dem Aufguss einen harzigen, kräftigen Geruch und färbt weniger stark als die Brennnessel. Ein Strauch im Kübel liefert das ganze Jahr Nadeln und übersteht bei richtiger Überwinterung viele Jahre – Standort, Schnitt und Überwinterung stehen unter Rosmarin anbauen. Aus dem Handel tun es getrocknete Rosmarinnadeln in Bioqualität*. Bei hellem Haar ist ein Hinweis angebracht: Kräftige Kräuteraufgüsse können bei wiederholter Anwendung einen leichten Farbton hinterlassen. Auf dem Bild mit dem abgeseihten Aufguss im Krug siehst du, wie dunkel so ein Ansatz tatsächlich wird.

Grundrezept: Kräuterrinse mit Brennnessel und Rosmarin (ergibt 1 Liter, reicht für 1 Anwendung)

  • 10 g getrocknete Brennnesselblätter (etwa 3 gehäufte Esslöffel)
  • 5 g getrocknete Rosmarinnadeln (etwa 1,5 Esslöffel)
  • 1000 g Wasser
  • 15 g naturtrüber Apfelessig (1 Esslöffel)
  1. Wasser aufkochen, Kräuter in einen hitzefesten Krug geben und mit dem kochenden Wasser übergießen.
  2. Zugedeckt 15 bis 20 Minuten ziehen lassen. Zugedeckt deshalb, weil sonst ein Teil des Geruchs an der Zimmerdecke landet.
  3. Durch ein feines Sieb abgießen. Nicht ausdrücken, das schwemmt Pflanzenkrümel mit, die später im Haar hängen.
  4. Auf Handwärme abkühlen lassen, dann den Esslöffel Apfelessig einrühren.
  5. Nach dem Waschen über das Haar gießen, verteilen, kurz einwirken lassen, nach Belieben kurz nachspülen.

Haltbarkeit: keine – frisch ansetzen und am selben Tag aufbrauchen, Rest wegschütten · Aufbewahrung: entfällt. Ein Kräuteraufguss ohne Konservierung ist eine Nährlösung und wird nicht für die nächste Wäsche aufgehoben

Eine Alternative ohne Öl: Waschen mit Tonerde

Für alle, denen die Ölkur zu umständlich ist oder deren Haar sehr schnell nachfettet, gibt es einen dritten Weg, der in dieser Serie gut aufgehoben ist: das Waschen mit Tonerde. Ghassoul, auch Lavaerde genannt, ist ein Tonmineral, das mit Wasser zu einem Brei angerührt wird und Fett bindet, statt es mit Tensiden herauszulösen. Es schäumt nicht, es reinigt milder, und weil es nicht alkalisch wie Seife reagiert, entsteht dabei auch keine Kalkseife.

Das heißt im Umkehrschluss: Nach einer Tonerdewäsche ist die saure Rinse nicht nötig. Sie schadet zwar nicht, aber der Grund, aus dem sie bei Haarseife dazugehört, entfällt. Angerührt wird portionsweise – drei bis vier Esslöffel Ghassoul beziehungsweise Lavaerde für die Haare* mit so viel warmem Wasser, dass ein streichfähiger Brei entsteht, zehn Minuten quellen lassen, auf Kopfhaut und Längen verteilen und gründlich ausspülen. Auch hier gilt die Wasserregel: Der Brei wird frisch angerührt und nicht aufgehoben.

Was so eine Kur kann und was nicht

Zum Schluss die ehrliche Einordnung. Eine Ölkur legt Fett auf und teilweise in die Haarfaser. Das Haar fühlt sich danach weicher an, lässt sich leichter kämmen, sieht weniger aufgeraut aus und ist beim Waschen etwas besser geschützt. Eine saure Rinse löst Kalkseife, senkt den pH-Wert des Spülwassers kurzzeitig und sorgt dafür, dass die Oberfläche glatter anliegt – daher der Unterschied im Griff und im Glanz.

Das ist die vollständige Liste. Was beides nicht leistet: Es repariert kein gespaltenes Haar. Ein Haar ist ab dem Moment, in dem es aus der Kopfhaut tritt, totes Material – es kann geglättet, beschwert und geschützt werden, aber es wächst nicht wieder zusammen. Spliss lässt sich abschneiden, nicht kleben. Und keine der hier beschriebenen Anwendungen beeinflusst, wie viel Haar nachwächst oder wie viel ausfällt. Solche Versprechen stehen auf vielen Flaschen und in vielen Hausmittelsammlungen; belegen lassen sie sich nicht, und du liest sie hier deshalb nicht.

Wo die Grenze endgültig liegt: Bei anhaltendem Haarausfall, bei Schuppenflechte, bei stark schuppender, geröteter oder juckender Kopfhaut gehört die Ursache ärztlich abgeklärt und nicht mit einer Ölkur behandelt. Juckreiz und Schuppung haben sehr unterschiedliche Ursachen, von trockener Haut über Pilzbesiedlung bis zu chronischen Hauterkrankungen, und die Behandlung unterscheidet sich je nachdem grundlegend. Ein Hausmittel verzögert in solchen Fällen nur die Diagnose. Selbstgemachte Pflege ersetzt keine ärztliche oder dermatologische Beratung. Auf offene, entzündete oder wunde Kopfhaut kommt nichts Selbstgemachtes, und bei bekannter Allergie gegen eine der Pflanzen bleibt diese Pflanze weg.

Was bleibt, ist trotzdem viel: zwei Anwendungen mit insgesamt drei Zutaten, die zusammen ein paar Cent pro Wäsche kosten, ohne Verpackungsberg auskommen und sich vollständig nachvollziehen lassen. Für den Rest der selbstgemachten Pflege lohnt der Blick in die Übersicht unter Körperpflege selber machen.

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FAQ – Haarkur und saure Rinse selber machen

Wie oft soll ich eine Ölkur machen?

Einmal pro Woche bis einmal alle zwei Wochen reicht in den meisten Fällen, und zwar jeweils vor einer ohnehin geplanten Wäsche. Bei feinem, schnell nachfettendem Haar eher alle zwei Wochen und nur in den Spitzen, bei sehr trockenem, lockigem Haar darf es wöchentlich sein. Öfter bringt keinen Zusatznutzen, sondern führt nur dazu, dass du häufiger waschen musst.

Muss die Ölkur über Nacht einwirken?

Nein. Der Großteil dessen, was passiert, passiert in der ersten halben Stunde. Längere Zeiten schaden nicht, bringen aber wenig zusätzlich. Wenn du über Nacht ölst, leg ein altes Handtuch auf das Kissen und rechne fest mit zwei Waschgängen am Morgen.

Brauche ich die saure Rinse auch bei normalem Shampoo?

Nötig ist sie dann nicht, weil ohne Seife keine Kalkseife entsteht. Angenehm kann sie trotzdem sein, besonders bei hartem Leitungswasser, weil sie Kalkreste aus dem Spülwasser mitnimmt und das Haar glatter anliegen lässt. Mit einem Esslöffel Essig auf einen Liter bist du in dem Fall gut bedient.

Wie lange hält sich die fertige Rinse?

Gar nicht – sie wird für jede Wäsche frisch angesetzt. Das dauert zehn Sekunden bei der Essigvariante und zwanzig Minuten bei der Kräutervariante. Ein wässriger Ansatz ohne Konservierung ist ein Nährboden für Keime, und ein Kräuteraufguss besonders. Was übrig bleibt, kommt in den Ausguss, nicht in den Kühlschrank.

Mein Haar ist nach der Ölkur immer noch fettig – was war falsch?

Mit hoher Wahrscheinlichkeit die Reihenfolge beim Auswaschen. Shampoo oder Seife müssen ins trockene, geölte Haar, erst danach kommt Wasser dazu. Wenn das Haar vorher nass ist, erreicht das Waschmittel das Öl kaum. Zweiter möglicher Grund: zu viel Öl oder ein zu schweres Öl für deine Haarstruktur – dann beim nächsten Mal die Menge halbieren oder von Olivenöl auf Mandel- oder Jojobaöl wechseln.

Weiterlesen: Haarseife und festes Shampoo · Pflanzenöle für die Haut · Kräuteröl ansetzen · Essig als Reiniger

Über diesen Ratgeber

Dieser Artikel wurde von der Redaktion von svsger.de erstellt, dem Ratgeber für rein pflanzliche Selbstversorgung. Alle Rezepte dieser Serie sind vegan und kommen ohne tierische Rohstoffe aus. Die Mengen-, Verdünnungs- und Haltbarkeitsangaben beruhen auf gängiger Fachliteratur zur handwerklichen Pflegemittelherstellung und auf eigenen Versuchen in haushaltsüblichen Mengen. Die Angaben zu Brennnessel und Rosmarin geben überliefertes Erfahrungswissen wieder und sind keine Aussagen über Wirkungen am Haar. Selbstgemachte Pflege ersetzt keine ärztliche oder dermatologische Beratung; bei anhaltendem Haarausfall oder Beschwerden der Kopfhaut ist die ärztliche Abklärung der richtige Weg.

Zuletzt aktualisiert: September 2026