Kirschbaum pflanzen und pflegen: Sorten, Befruchter, Schnitt

Kirschbaum pflanzen und pflegen: Süß- oder Sauerkirsche, Unterlage GiSelA 5, Befruchtersorten, Schnitt nach der Ernte, Monilia und Kirschfruchtfliege.

Kirschbaum mit reifen roten Süßkirschen an einem sonnigen Sommertag

Einen Kirschbaum pflanzen ist für viele der Inbegriff des Obstgartens: Kirschen sind die ersten Baumfrüchte des Jahres und schmecken frisch gepflückt unvergleichlich. Damit die Ernte nicht an fehlenden Befruchtern, Monilia, Kirschfruchtfliegen oder hungrigen Staren scheitert, brauchst du etwas Planung. Dieser Ratgeber zeigt dir die Unterschiede zwischen Süß- und Sauerkirschen, die passende Unterlage für deinen Garten, robuste Sorten, den richtigen Schnittzeitpunkt und die wichtigsten Schutzmaßnahmen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die meisten Süßkirschen brauchen einen Befruchter, Sauerkirschen sind überwiegend selbstfruchtbar.
  • Die Unterlage GiSelA 5 hält Süßkirschen auf 3–4 m, Sämlinge werden über 10 m hoch.
  • Pflanzzeit ist Oktober bis November oder im zeitigen Frühjahr.
  • Geschnitten wird direkt nach der Ernte im Sommer, nicht im Winter.
  • Die ‚Schattenmorelle‘ ist sehr Monilia-anfällig, tolerantere Sorten sind ‚Morina‘ oder ‚Safir‘.

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Süßkirsche oder Sauerkirsche?

Süßkirschen werden vor allem frisch gegessen, wachsen stark und brauchen fast immer eine zweite Sorte zur Bestäubung. Sauerkirschen bleiben kleiner, sind meist selbstfruchtbar und ideal zum Einkochen, für Saft und Kuchen. Wer nur Platz für einen Baum hat und keine Kirschbäume in der Nachbarschaft kennt, fährt mit einer Sauerkirsche oder einer selbstfruchtbaren Süßkirsche am sichersten.

Beide lieben einen sonnigen, luftigen Platz und einen tiefgründigen, durchlässigen Boden. Staunässe verursacht Wurzelfäule und Gummifluss. Kirschen blühen im April, frühe Süßkirschen können in Frostlagen daher Blüten verlieren.

Unterlage und Wuchsform

Die Wahl der Unterlage bestimmt, ob du später noch ohne hohe Leiter ernten und den Baum mit einem Netz schützen kannst.

  • GiSelA 5: schwach wachsend, Süßkirschen werden 3–4 m hoch und tragen oft schon ab dem dritten Jahr. Braucht guten Boden, Bewässerung bei Trockenheit und einen Pfahl.
  • GiSelA 6 und Colt: mittelstark, Buschbäume von 4–6 m, etwas toleranter bei weniger guten Böden.
  • Vogelkirschen-Sämling (zum Beispiel F12/1): starkwüchsig für Halb- und Hochstämme von 10 m und mehr, langlebig, Ertrag erst nach sechs bis acht Jahren.
  • Steinweichsel (Prunus mahaleb): für trockene, kalkreiche Standorte.

Pflanzabstände liegen bei etwa 3–4 m für Bäume auf GiSelA 5, 5–6 m für Buschbäume und 10–12 m für Hochstämme. Sauerkirschen brauchen jeweils etwas weniger Platz.

Robuste Sorten und Befruchter

Süßkirschen sind in Befruchtungsgruppen eingeteilt. Nicht jede Sorte bestäubt jede andere, daher lohnt sich ein Blick in die Befruchtertabelle der Baumschule. Selbstfruchtbare Sorten wie ‚Lapins‘ oder ‚Sunburst‘ können zugleich anderen Sorten als Pollenspender dienen.

SorteTyp / ReifeBefruchtungEigenschaften
‚Burlat‘Süßkirsche, Anfang JuniBefruchter nötigsehr früh, reift meist vor der Kirschfruchtfliege
‚Lapins‘Süßkirsche, Mitte Juliselbstfruchtbargilt als recht platzfest, guter Pollenspender
‚Kordia‘Süßkirsche, Anfang JuliBefruchter nötig, z. B. ‚Regina‘große, feste und platzfeste Früchte
‚Regina‘Süßkirsche, Mitte JuliBefruchter nötig, z. B. ‚Kordia‘spät blühend, sehr platzfest
‚Hedelfinger Riesenkirsche‘Süßkirsche, Anfang JuliBefruchter nötigalte, robuste Sorte, auch als Hochstamm
‚Morina‘Sauerkirsche, Juliteilweise selbstfruchtbarweniger Monilia-anfällig, große Früchte
‚Safir‘Sauerkirsche, JuliselbstfruchtbarMonilia-tolerant, ertragreich
‚Schattenmorelle‘Sauerkirsche, Ende JuliselbstfruchtbarKlassiker, aber stark Monilia-anfällig

Kirschbaum pflanzen

Wurzelnackte Kirschbäume pflanzt du am besten von Oktober bis November, solange der Boden offen ist. Dann wurzeln sie vor dem frühen Austrieb ein. Containerbäume gehen auch später, brauchen im Sommer aber viel Wasser.

  1. Wurzeln einige Stunden wässern, beschädigte Wurzelenden abschneiden.
  2. Pflanzloch doppelt so breit wie der Wurzelballen ausheben, Sohle lockern.
  3. Baumpfahl* auf der Wetterseite setzen, bei GiSelA-Unterlagen dauerhaft.
  4. Baum einsetzen, die Veredelungsstelle bleibt eine Handbreit über dem Boden.
  5. Aushub mit etwas Kompost mischen, einfüllen, antreten und kräftig angießen.
  6. Mit Kokosstrick in Achterschlinge anbinden und die Baumscheibe mulchen.

Schnitt nach der Ernte

Kirschen reagieren auf Winterschnitt empfindlich. Große Wunden bluten Gummi, und in der nasskalten Jahreszeit dringen Pilze und Bakterien leicht ein. Der wichtigste Schnitt findet deshalb unmittelbar nach der Ernte im Juli oder August statt. Den Pflanzschnitt beim jungen Baum führst du im Frühjahr kurz vor dem Austrieb durch.

Süßkirschen

Süßkirschen tragen an Bukettzweigen am zwei- bis mehrjährigen Holz. Nach dem Aufbau der Krone genügt es, alle ein bis zwei Jahre nach innen wachsende, zu dichte und steil nach oben strebende Äste zu entfernen. Zu hohe Bäume leitest du auf einen tiefer stehenden, flacheren Seitenast ab.

Sauerkirschen

Schattenmorelle und ähnliche Sorten tragen fast nur an einjährigen Trieben. Ohne Schnitt verkahlen sie und bilden lange, peitschenartige Zweige mit Früchten nur an der Spitze. Schneide deshalb jedes Jahr nach der Ernte abgetragene Triebe auf einen jungen Seitentrieb weiter innen zurück. Befallene Monilia-Triebe entfernst du zusätzlich sofort bis ins gesunde Holz. Glatte Schnitte gelingen mit einer scharfen Bypass-Astschere*.

Krankheiten und Schädlinge

  • Monilia-Spitzendürre: Nach feuchter Blütezeit welken Blüten, Blätter und Triebspitzen schlagartig. Befallenes Holz 15–20 cm ins Gesunde zurückschneiden und im Restmüll entsorgen.
  • Kirschfruchtfliege: Maden in hellen, reifenden Kirschen. Frühe Sorten wie ‚Burlat‘ reifen oft vor dem Hauptflug. Kleine Bäume schützt ein Kulturschutznetz*, das ab Farbumschlag der Früchte über die Krone gelegt wird. Ein bis zwei Gelbtafeln* dienen nur zur Kontrolle des Flugbeginns, da sie auch Nützlinge fangen.
  • Kirschessigfliege: befällt vor allem spät reifende Sorten. Engmaschige Netze, zügiges und vollständiges Abernten und das Entfernen herabgefallener Früchte helfen.
  • Schrotschuss- und Sprühfleckenkrankheit: Blattflecken und vorzeitiger Laubfall. Falllaub im Herbst aufsammeln und die Krone luftig halten.
  • Vögel: Stare und Amseln räumen Bäume in wenigen Tagen ab. Netze sind auf schwach wachsenden Unterlagen am einfachsten.
  • Platzende Früchte: entstehen bei Regen kurz vor der Reife. Platzfeste Sorten und gleichmäßige Wasserversorgung mindern das Problem.

Ernte und Verwertung

Kirschen reifen am Baum nicht nach. Pflücke sie vollreif mit Stiel, dann halten sie ein paar Tage länger. Die Ernte erfolgt je nach Sorte von Anfang Juni bis Ende Juli. Für Vorräte entsteinst du Sauerkirschen mit einem Kirschentkerner* und kochst sie in Weck-Gläsern* ein. Wie das sicher gelingt, erklärt der Beitrag Einkochen für Einsteiger. Verwandte Steinobstarten findest du im Ratgeber Pflaumen und Zwetschgen anbauen.

Kulturschutznetz ansehen*

FAQ – Kirschbaum pflanzen und pflegen

Brauche ich zwei Kirschbäume?

Bei den meisten Süßkirschen ja, sofern in der Nachbarschaft keine passende Sorte blüht. Sauerkirschen und selbstfruchtbare Süßkirschen wie ‚Lapins‘ tragen auch allein.

Wann trägt ein Kirschbaum zum ersten Mal?

Auf GiSelA 5 oft ab dem dritten Standjahr, auf Sämlingsunterlagen erst nach sechs bis acht Jahren.

Kann ich einen Kirschbaum im Kübel halten?

Säulenkirschen oder Bäume auf GiSelA 5 gedeihen in Kübeln ab etwa 50 Litern, brauchen aber regelmäßiges Gießen und Winterschutz für die Wurzeln.

Warum ist mein Kirschbaum nach der Blüte plötzlich braun?

Das ist sehr wahrscheinlich Monilia-Spitzendürre. Schneide die betroffenen Triebe sofort großzügig heraus.

Weiterlesen: Aprikosenbaum pflanzen und pflegen · Pflege von Obstbäumen und Beerensträuchern · Obstsorten für Einsteiger

Über diesen Ratgeber

Dieser Artikel wurde von der Redaktion von svsger.de erstellt, dem Ratgeber für rein pflanzliche Selbstversorgung. Die Angaben basieren auf gängiger Obstbau-Fachliteratur, Empfehlungen von Landwirtschaftskammern und Pflanzenschutzdiensten sowie Sortenbeschreibungen und Befruchtertabellen von Baumschulen. Schädlingsdruck und Sorteneignung unterscheiden sich regional, deshalb lohnt sich die Beratung in einer Baumschule vor Ort.

Zuletzt aktualisiert: September 2026

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