
Trockene Sommer, steigende Wasserpreise und Gießverbote in manchen Gemeinden machen deutlich: Wer Gemüse anbaut, braucht eine eigene Wasserreserve. Regenwasser sammeln ist dafür die einfachste Lösung. Es ist kostenlos, kalkarm, meist wärmer als Leitungswasser und wird von Pflanzen gut vertragen. Mit einer Regentonne ist der Einstieg in einer Stunde erledigt, mit einem Tank oder einer Zisterne kannst du auch längere Trockenphasen überbrücken. Hier erfährst du, wie viel Wasser dein Dach liefert, welches System passt und wie du das Wasser sparsam einsetzt.
Das Wichtigste in Kürze
- 100 m² Dachfläche liefern in Deutschland im Schnitt rund 50.000 bis 60.000 Liter Regenwasser pro Jahr.
- Für den Einstieg reicht eine Regentonne mit Deckel und Fallrohrsammler, für größere Gärten ein Tank ab 1.000 Litern.
- Regenwasser ist kein Trinkwasser und sollte bei Blattgemüse direkt an die Wurzel gegossen werden.
- Ein Deckel oder feines Netz verhindert Mückenbrut und schützt Kinder und Wildtiere.
- Oberirdische Behälter vor dem ersten Frost entleeren.
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Wie viel Regenwasser kannst du sammeln?
Die mögliche Menge lässt sich einfach berechnen: Dachfläche (m²) × Jahresniederschlag (Liter pro m²) × Abflussbeiwert. In Deutschland fallen je nach Region etwa 500 bis über 1.000 Liter pro Quadratmeter im Jahr, im Mittel rund 750 bis 800. Der Abflussbeiwert gibt an, wie viel Wasser tatsächlich in der Rinne ankommt: bei Ziegel- oder Blechdächern etwa 0,8, bei Flachdächern mit Kies rund 0,6 und bei Gründächern nur 0,3 bis 0,5.
Beispiel: Ein Gartenhausdach mit 12 m² bei 700 Litern Niederschlag und Beiwert 0,8 ergibt rund 6.700 Liter im Jahr. Das Hausdach mit 80 m² bringt unter gleichen Bedingungen etwa 45.000 Liter.
Dem steht der Bedarf gegenüber: Gemüsebeete brauchen in trockenen Sommerwochen etwa 10 bis 20 Liter pro Quadratmeter, verteilt auf ein bis zwei durchdringende Gaben. Bei 40 m² Gemüsefläche sind das in einer heißen Woche schnell 600 bis 800 Liter. Da es gerade im Hochsommer oft wochenlang kaum regnet, ist das Speichervolumen der eigentliche Engpass – nicht die Dachfläche.
Sammelsysteme im Vergleich
| System | Volumen | Aufwand | Geeignet für |
|---|---|---|---|
| Regentonne | 200–500 l | gering, selbst aufstellbar | Balkon, Hochbeet, kleine Gärten |
| Mehrere gekoppelte Tonnen | 600–1.500 l | gering bis mittel | Gemüsegarten bis ca. 50 m² |
| Oberirdischer Tank | 1.000–5.000 l | mittel, stabiler Untergrund nötig | Selbstversorger-Gärten |
| Erdzisterne | 3.000–10.000 l | hoch, Erdarbeiten und Pumpe | große Gärten, Neubau |
Die Regentonne richtig aufstellen
- Einen ebenen, tragfähigen Platz direkt am Fallrohr wählen – eine volle 220-Liter-Tonne wiegt über 200 kg.
- Die Tonne auf einen Sockel stellen, damit eine Gießkanne unter den Auslaufhahn passt.
- Einen Fallrohr-Regensammler mit Filter* einbauen. Er leitet das Wasser in die Tonne und bei Füllstand automatisch zurück ins Fallrohr.
- Den Verbindungsschlauch mit leichtem Gefälle verlegen und den Deckel sicher schließen.
Eine robuste Regentonne 220 L* ist ein guter Start. Mehrere Tonnen lassen sich unten mit einem Verbindungsset koppeln, sodass sie sich gleichmäßig füllen.
Tanks und Zisternen
Wer mehr Speicher braucht, stellt einen Regenwassertank mit 1.000 Litern* auf eine verdichtete Schotter- oder Plattenfläche. Gebrauchte IBC-Container sind günstig, sollten aber nur verwendet werden, wenn sie nachweislich Lebensmittel enthielten, und müssen lichtdicht verkleidet werden, damit sich keine Algen bilden. Unterirdische Zisternen halten das Wasser kühl und dunkel und sind frostsicher. Viele Kommunen fördern solche Anlagen oder reduzieren die Niederschlagswassergebühr – eine Nachfrage bei der Gemeinde lohnt sich.

Wasserqualität: worauf du achten solltest
Regenwasser von Ziegel-, Beton- und Kunststoffdächern ist für die Gartenbewässerung gut geeignet. Vorsicht ist geboten bei:
- Kupfer- und Zinkdächern: Das Wasser kann erhöhte Metallgehalte aufweisen. Für Zierpflanzen meist unproblematisch, für Gemüse eher nicht.
- Alten Asbestzement- oder teerhaltigen Dächern: Wasser nicht für Nutzpflanzen verwenden.
- Frisch behandelten Dächern: etwa nach Moosentfernung mit Chemikalien.
Lass nach längerer Trockenheit den ersten Regenschauer ablaufen, denn er spült Staub und Pollen vom Dach. Reinige Dachrinnen und Laubfilter zweimal jährlich. Gieße Salat, Spinat und Kräuter, die du roh isst, an den Wurzelbereich und nicht über die Blätter. Als Trink- oder Kochwasser ist gesammeltes Regenwasser ohne aufwendige Aufbereitung nicht geeignet.
Regenwasser effizient im Garten nutzen
Gesammeltes Wasser ist begrenzt, deshalb zählt jeder Liter. Die wirksamsten Maßnahmen:
- ☐ Morgens gießen, wenn wenig verdunstet und die Blätter bis zum Abend abtrocknen
- ☐ Selten, aber durchdringend gießen, damit die Wurzeln in die Tiefe wachsen
- ☐ Boden mulchen – eine Mulchschicht senkt die Verdunstung erheblich (mehr dazu im Ratgeber Mulchen im Gemüsegarten)
- ☐ Boden hacken nach Regen, um Kapillaren zu unterbrechen
- ☐ Tropfbewässerung für Tomaten, Gurken und Hochbeete nutzen
Ein Perlschlauch* gibt Wasser langsam direkt an den Boden ab. Bei einer Tonne auf Sockel reicht oft schon das natürliche Gefälle, bei längeren Leitungen oder Tanks hilft eine Regenfasspumpe*. Auch ein Gewächshaus lässt sich auf diese Weise versorgen – Details findest du im Ratgeber Gewächshaus planen.
Sicherheit, Mücken und Winter
Offene Tonnen sind Brutstätten für Stechmücken und eine Gefahr für Kleinkinder, Igel und Vögel. Ein fest schließender Deckel ist Pflicht. Wo das nicht möglich ist, spannst du ein feinmaschiges Netz über die Öffnung und legst ein Holzbrett als Ausstiegshilfe für Tiere hinein. Algen bilden sich vor allem bei Licht – dunkle, lichtdichte Behälter bleiben sauberer.
Vor dem ersten Frost, meist im Oktober oder November, entleerst du Tonnen und oberirdische Leitungen vollständig, trennst den Fallrohrsammler oder stellst ihn auf Winterbetrieb und lässt den Hahn offen. Gefrierendes Wasser dehnt sich aus und kann Kunststofftonnen sprengen. Weitere Aufgaben für die kalte Jahreszeit sammelt der Ratgeber Gartenpflege im Winter.
FAQ – Regenwasser sammeln
Wie lange hält sich Regenwasser in der Tonne?
Dunkel und abgedeckt bleibt es für die Gartenbewässerung über Wochen nutzbar. Riecht es faulig, reinigst du die Tonne und entfernst Laub und Schlamm vom Boden.
Darf ich Regenwasser für Gemüse verwenden?
Ja, Regenwasser von unbedenklichen Dachflächen ist gut für Gemüse geeignet. Gieße Blattgemüse möglichst an die Wurzel und wasche Erntegut vor dem Verzehr mit Leitungswasser.
Brauche ich eine Genehmigung für eine Zisterne?
Für Regentonnen und oberirdische Tanks im Garten in der Regel nicht. Bei Erdzisternen oder einer Nutzung im Haus gelten je nach Gemeinde Melde- oder Genehmigungspflichten.
Wie verhindere ich Mücken in der Regentonne?
Mit einem dicht schließenden Deckel oder einem feinen Netz. Mücken legen ihre Eier nur auf offene Wasseroberflächen.
Wie viele Regentonnen brauche ich?
Für 20 bis 30 m² Gemüsefläche sind 500 bis 1.000 Liter Speicher ein guter Richtwert. Mehr Volumen überbrückt längere Trockenphasen.
Weiterlesen: Hochbeet planen · No-Dig-Garten · Selbstversorgung mit kleinem Budget · Weichspüler ersetzen und entkalken
Über diesen Ratgeber
Dieser Artikel wurde von der Redaktion von svsger.de erstellt, dem Ratgeber für rein pflanzliche Selbstversorgung. Die Angaben zu Niederschlagsmengen, Abflussbeiwerten und Wasserbedarf basieren auf gängiger Fachliteratur zur Regenwassernutzung und Hinweisen von Umweltbehörden. Niederschlag, Gebühren und Genehmigungsregeln unterscheiden sich regional deutlich, erkundige dich daher bei deiner Gemeinde.
Quellen
Zuletzt aktualisiert: September 2026