Fensterreiniger selber machen: streifenfrei ohne Spezialmittel

Streifen kommen von zu viel Mittel, warmen Scheiben, falschen Tüchern und altem Wasser. Grundrezept mit wenig Spiritus oder Essig plus Abziehtechnik.

Streifen auf der Scheibe sind fast nie ein Problem des Reinigers. Sie sind ein Problem der Menge, der Temperatur, des Tuchs und des Wassers. Das erklärt, warum zwei Leute mit derselben Flasche völlig unterschiedliche Ergebnisse bekommen, und es erklärt auch, warum ein teures Spezialmittel an einem sonnigen Julimittag genauso schlierig eintrocknet wie klares Leitungswasser. Wer die vier Ursachen kennt, braucht anschließend kein besonderes Mittel mehr, sondern nur noch sehr wenig davon.

Deshalb steht in diesem Beitrag das Rezept bewusst nicht am Anfang. Es ist der unwichtigste Teil, und es besteht am Ende aus Wasser mit ein paar Millilitern Zusatz. Wichtiger ist, was davor und danach passiert: wie warm die Scheibe ist, womit du einwäschst, wie oft du das Wasser wechselst und in welcher Reihenfolge du abziehst. Diese Handgriffe kosten nichts und machen den Unterschied zwischen einer Scheibe, die man sieht, und einer, die man nicht mehr sieht.

Das Wichtigste in Kürze

  • Zu viel Mittel ist die häufigste Ursache. Was nicht abgetragen wird, bleibt als Film auf dem Glas und wird beim Trocknen sichtbar. Beim Essig wie beim Spiritus gilt: ein paar Milliliter auf einen halben Liter genügen.
  • Warme Scheiben trocknen schneller, als du arbeitest. In der Sonne verdunstet die Flüssigkeit, bevor du abziehen kannst. Was zurückbleibt, ist genau der Schmutz, den du gerade gelöst hast.
  • Das Tuch entscheidet über den Rest. Weichspülerhaltig gewaschene Tücher, Fusselstoffe und alte Schwämme hinterlassen mehr, als sie aufnehmen.
  • Schmutziges Wasser verteilt nur um. Ab der dritten oder vierten Scheibe wäscht du mit dem Dreck der ersten weiter. Wasser wechseln ist kostenlos.
  • Der Abzieher schlägt jedes Tuch. Er nimmt die Flüssigkeit in einem Zug ab, statt sie zu verreiben. Wie die Hausmittel insgesamt zusammenspielen, steht im Überblick Putzmittel selber machen und im Rezept für den Allzweckreiniger.

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Warum Streifen überhaupt entstehen

Eine Fensterscheibe ist eine der glattesten Oberflächen im Haushalt. Genau das macht sie so unbarmherzig: Jeder Rückstand, der nach dem Trocknen übrig bleibt, liegt auf einer völlig ebenen Fläche und bricht das Licht anders als das Glas darunter. Auf einer Fliese fällt derselbe Film gar nicht auf. Auf dem Fenster siehst du ihn, sobald die Sonne schräg einfällt. Streifen sind also kein Zeichen dafür, dass die Scheibe schmutzig geblieben ist, sondern dafür, dass etwas darauf zurückgeblieben ist, das dort nicht hingehört.

Ursache eins: zu viel Mittel. Das ist mit Abstand der häufigste Fehler. Reiniger löst Schmutz, indem er ihn von der Oberfläche ablöst und in der Flüssigkeit schwebend hält. Wird die Flüssigkeit abgezogen, geht der Schmutz mit. Bleibt mehr Mittel auf der Scheibe, als abgetragen werden kann, trocknet der Überschuss auf – und weil Reiniger hygroskopisch sind, also Feuchtigkeit anziehen, wird dieser Film bei jedem Wetterwechsel wieder leicht klebrig und nimmt neuen Staub auf. Deshalb sind Scheiben, die mit sehr viel Mittel geputzt wurden, nach zwei Wochen schmutziger als vorher. Weniger ist hier nicht Sparsamkeit, sondern die eigentliche Technik.

Ursache zwei: die zu warme Scheibe. Glas in der Sonne wird schnell 40 Grad und mehr. Flüssigkeit, die darauf trifft, verdunstet innerhalb von Sekunden, und zwar genau dort zuerst, wo der Film am dünnsten ist, also an den Rändern der Bahn. Du bekommst Ränder, Wolken und trockene Inseln, bevor der Abzieher überhaupt angesetzt hat. Das Gegenmittel ist kein anderes Mittel, sondern ein anderer Zeitpunkt: früher Morgen, später Nachmittag, bedeckter Himmel. Im Winter gilt das Umgekehrte – bei Frost gefriert die Flüssigkeit auf der Scheibe, und unter etwa fünf Grad lässt man die Fenster besser stehen.

Ursache drei: das falsche Tuch. Ein Tuch, das mit Weichspüler gewaschen wurde, trägt einen dünnen Fettfilm, den es beim Nachwischen zuverlässig auf das Glas überträgt. Frottee fusselt, Küchenkrepp löst sich auf, alte Schwämme geben den Schmutz ab, den sie beim letzten Mal aufgenommen haben. Was funktioniert, ist gewöhnliche glatte Baumwolle ohne Flor, mehrfach gewaschen und ohne Weichspüler – oder gar kein Tuch, sondern der Abzieher.

Ursache vier: schmutziges Wasser. Wenn du mit demselben halben Liter durch die ganze Wohnung gehst, wäscht du ab der dritten Scheibe mit einer trüben Brühe aus Staub, Pollen und Fett. Die Scheibe wird zwar nass, aber du verteilst nur noch um. Ein Eimer mit klarem Wasser zum Nachspülen und ein Wechsel nach zwei bis drei Fenstern lösen dieses Problem vollständig, und zwar ohne jeden Zusatz.

Diese vier Punkte erklären den Großteil aller misslungenen Fensterputz-Nachmittage. Alles Weitere in diesem Beitrag folgt daraus.

Sicherheit zuerst

  • Essig und chlorhaltige Reiniger niemals mischen. Essig oder Zitronensäure zusammen mit einem chlorhaltigen Mittel setzt giftiges Chlorgas frei. Hat vorher etwas Chlorhaltiges auf der Fensterbank oder im Rahmen gearbeitet, erst reichlich mit klarem Wasser spülen, gründlich lüften und den sauren Reiniger frühestens am nächsten Tag einsetzen.
  • Reiniger grundsätzlich nicht untereinander mischen. Auch nicht „nur ein bisschen“ Glasreiniger aus dem Handel in die eigene Flasche. Was darin steckt, steht nicht vollständig auf dem Etikett.
  • Brennspiritus ist leicht entzündlich. Keine offene Flamme, keine Kerze, keine glühende Zigarette in der Nähe, nicht auf heiße Flächen sprühen und beim Arbeiten lüften. Die Flasche gehört verschlossen und kühl gelagert.
  • Nichts in Getränkeflaschen abfüllen. Der Reiniger sieht aus wie Wasser und riecht bei Spiritus kaum. Beschriften mit Inhalt und Datum, außer Reichweite von Kindern lagern – die Regeln dazu stehen unter Putzmittel sicher aufbewahren.
  • Keine Säure auf Gummidichtungen einwirken lassen. Kurzer Kontakt beim Abwischen ist unkritisch, stehende Essiglösung in der Dichtungsnut über Stunden macht Gummi porös.
  • Kein Scheuermittel auf Glas. Auch Natron gehört nicht auf die Scheibe: Die Kristalle sind weich genug für Email, aber auf beschichtetem Glas hinterlassen sie einen matten Schleier, der bleibt.
  • Selbstgemachtes reinigt. Es leistet keine Hygiene im medizinischen Sinn. Wo das wirklich zählt, gehören geprüfte Mittel aus dem Handel hin.
Grafik zum Beitrag: Fensterreiniger selber machen: streifenfrei ohne Spezialmittel

Das Grundrezept – und warum es so dünn ist

Ein Glasreiniger hat genau drei Aufgaben. Er muss das Wasser besser auf der Scheibe verlaufen lassen, er muss Fett und Nikotinfilm anlösen, und er muss schneller verdunsten als reines Wasser, damit nichts stehen bleibt. Mehr braucht es nicht. Alkohol erledigt alle drei Punkte auf einmal, Essig erledigt die ersten beiden und hilft zusätzlich gegen Kalkflecken von Regenspritzern. Beide wirken bereits in sehr kleinen Mengen, und beide hinterlassen ab einer gewissen Konzentration genau den Film, den du vermeiden willst.

Grundrezept: Fensterreiniger (ergibt ca. 500 ml)

  • 490 ml Wasser, lauwarm – bei sehr hartem Wasser besser abgekochtes oder destilliertes Wasser
  • 10 ml Brennspiritus, das sind zwei Teelöffel – mehr nicht
  • alternativ 10 ml weißer Reinigungsessig mit 5 Prozent Säure statt des Spiritus
  • optional 1 bis 2 Tropfen Lösung aus pflanzlicher Kernseife, nur bei Fettfilm; Details dazu unter Kernseife im Haushalt
  1. Das Wasser in einen Messbecher geben und den Zusatz mit einem Löffelmaß abmessen, nicht schätzen. Ein Schuss aus der Flasche sind schnell 50 ml.
  2. Umrühren, nicht schütteln – Schaum in der Flasche bedeutet beim Sprühen Schaum auf der Scheibe.
  3. Mit einem Trichter in eine saubere 500-ml-Sprühflasche füllen.
  4. Beschriften: Inhalt, Zusatz und Ansatzdatum. Diese Flasche kommt nie mit etwas anderem in Kontakt.
  5. An einer unauffälligen Ecke testen, besonders bei getönten oder beschichteten Scheiben.

Haltbarkeit: mit Spiritus etwa 3 Monate, mit Essig 6 bis 8 Wochen · Aufbewahrung: kühl, dunkel, beschriftet, außer Reichweite von Kindern, Spiritusansatz fern von Hitzequellen · Nicht geeignet für: Bildschirme, Brillengläser, beschichtete Sonnenschutzverglasung, Acrylglas, Antikglas mit Bleiruten, lackierte Holzrahmen bei stehender Nässe

Die zwei Prozent sind kein Tippfehler. Wer 50 statt 10 Milliliter nimmt, bekommt keine saubereren Scheiben, sondern einen Film, der beim nächsten Sonnenstand als milchiger Schleier auftaucht. Bei sehr fettigen Küchenfenstern darfst du auf 20 ml gehen, aber dann gehört ein Durchgang mit klarem Wasser hinterher. Den Grundsatz kennst du aus der Küche: Fett ist ein Alkali-Thema, und die stärkeren Mischungen dafür stehen im Fettlöser für die Küche – auf Glas bleiben sie die Ausnahme, nicht die Regel.

Für den Zusatz reicht eine kleine Flasche Brennspiritus* über Jahre, wenn du nur zwei Teelöffel pro Flasche brauchst. Wer den Alkoholgeruch nicht mag, nimmt weißen Reinigungsessig* und verdünnt entsprechend stärker, weil der 14 Prozent hat. Praktisch sind zwei gleiche Sprühflaschen mit 500 ml* – eine für die Scheibe, eine für die Rahmen –, dazu ein Trichter-Set* zum sauberen Abfüllen und beschriftbare Etiketten*, damit im Putzschrank nichts verwechselt wird.

Ganz ohne Zusatz geht es übrigens auch. Bei wenig verschmutzten Innenfenstern reicht lauwarmes Wasser mit einem Tropfen Seifenlösung vollständig aus, und bei destilliertem Wasser sogar das allein, weil keine Kalkrückstände entstehen können. Das ist kein Kompromiss, sondern in vielen Haushalten die beste Lösung.

Messbecher mit Wasser und ein Teelöffel Brennspiritus neben einer Sprühflasche und einem Trichter auf einer Arbeitsplatte

Die Technik: einwaschen, abziehen, Kante wischen

Ab hier entscheidet sich das Ergebnis. Die Reihenfolge ist immer dieselbe, und sie funktioniert bei einer Dachluke genauso wie bei einer Terrassentür.

  1. Grob entstauben. Rahmen, Falz und Dichtung vorher trocken auswischen. Wer den Staub erst nass macht, schiebt Schlamm über die Scheibe. Die Fensterbank kommt zum Schluss dran, mit dem Wischwasser aus dem Bodenreiniger-Rezept.
  2. Einwaschen. Die Lösung aufsprühen oder mit einem nassen Tuch großzügig auf der ganzen Scheibe verteilen, dann den Schmutz mit kreisenden Bewegungen lösen. Die Scheibe muss durchgehend nass sein, sonst bleibt der Abzieher hängen und quietscht. Nass heißt nicht viel Mittel, sondern viel Flüssigkeit.
  3. Erste Bahn setzen. Den Abzieher oben links ansetzen, mit leichtem Druck senkrecht nach unten oder waagerecht von links nach rechts durchziehen. Ein gleichmäßiger Zug ohne Absetzen ist besser als ein vorsichtiger in drei Etappen.
  4. Kante abwischen. Nach jeder einzelnen Bahn die Gummilippe mit einem trockenen Baumwolltuch abstreifen. Das ist der Schritt, den fast alle auslassen, und er ist der wichtigste: Auf der Lippe sitzt nach jeder Bahn ein Wasserwulst mit dem gesamten Schmutz der Fläche. Wer ihn mitnimmt, zeichnet ihn in die nächste Bahn.
  5. Überlappend weiterarbeiten. Jede neue Bahn etwa zwei bis drei Zentimeter in die bereits abgezogene hineinsetzen. So bleibt kein ungeputzter Streifen dazwischen, und der Abzieher läuft immer mit einer Seite auf trockenem Glas.
  6. Untere Kante zum Schluss. Am unteren Rand sammelt sich das gesamte ablaufende Wasser. Erst wenn die Fläche fertig ist, fährst du einmal waagerecht über die unterste Zone und nimmst den Rest mit einem trockenen Tuch ab.
  7. Ränder und Ecken nachziehen. Mit einem trockenen, glatten Tuch die vier Ränder abfahren, ohne die Fläche noch einmal zu berühren. Wer jetzt über die Mitte wischt, fängt von vorne an.

Der Abzieher ist dabei kein Zubehör, sondern das eigentliche Werkzeug. Ein Tuch verteilt die Flüssigkeit und saugt sie teilweise auf, ein Abzieher nimmt sie in einer Bewegung vollständig von der Fläche. Für normale Wohnungsfenster genügt eine Breite von etwa 35 Zentimetern, zum Beispiel ein Fensterabzieher mit Gummilippe*. Die Lippe ist ein Verschleißteil: Sobald sie eingerissen ist oder eine Kerbe hat, zieht sie eine feine Linie durchs Bild, und kein Mittel der Welt gleicht das aus. Zum Abstreifen und für die Ränder eignen sich einfache Geschirrtücher aus Baumwolle* – ohne Weichspüler gewaschen und nur für diesen Zweck verwendet.

Zum Einwaschen selbst braucht es kein Spezialgerät. Ein zusammengelegtes Baumwolltuch reicht, ein Einwascher mit Bezug* macht bei großen Flächen die Arbeit schneller. Und ein banaler Trick spart viel Sucherei: Innen senkrecht abziehen, außen waagerecht. Bleibt ein Streifen stehen, weißt du an der Richtung sofort, auf welcher Seite er sitzt.

Glassprühflasche mit klarer Flüssigkeit auf einer Fensterbank neben einem Abzieher

Problem, Ursache, Lösung

Die meisten Fehlerbilder lassen sich einer einzigen Ursache zuordnen. Diese Tabelle ist zum Nachschlagen gedacht, wenn die Scheibe nach dem Trocknen nicht so aussieht, wie sie sollte.

ProblemUrsacheLösung
Milchiger Schleier über der ganzen ScheibeZu viel Reiniger, der Überschuss ist aufgetrocknet.Mit klarem Wasser nachwaschen und abziehen, beim nächsten Ansatz auf 10 ml Zusatz gehen.
Wolken und trockene InselnScheibe zu warm, Flüssigkeit verdunstet vor dem Abziehen.Früher Morgen oder bedeckter Himmel, kleinere Abschnitte, mehr Flüssigkeit auftragen.
Feine senkrechte Linien in jeder BahnKerbe oder Riss in der Gummilippe.Lippe umdrehen oder ersetzen, Abzieher nie mit der Lippe nach unten abstellen.
Streifen an jedem BahnenübergangKante nach der Bahn nicht abgewischt.Nach jedem Zug die Lippe trocken abstreifen und zwei Zentimeter überlappen.
Fusseln auf dem GlasFrottee, Küchenkrepp oder ein neues, ungewaschenes Tuch.Glatte Baumwolle mehrfach vorwaschen, ohne Weichspüler – siehe Weichspüler ersetzen.
Schmierfilm, der beim Wischen wandertWeichspülerrückstände im Tuch oder Fett aus der Küchenluft.Tuch heiß waschen, einmal mit einem Tropfen Seifenlösung entfetten, klar nachspülen.
Grauer Schleier ab der dritten ScheibeWasser ist gesättigt, du verteilst nur noch um.Nach zwei bis drei Fenstern frisches Wasser, Eimer mit klarem Spülwasser danebenstellen.
Weiße Punkte und Ränder nach dem TrocknenKalk aus hartem Leitungswasser oder Regenspritzer.Destilliertes Wasser verwenden oder mild ansäuern; Hintergrund unter Zitronensäure im Haushalt.
Quietschen, Abzieher springtScheibe ist stellenweise schon trocken.Großzügiger einwaschen, Fläche in kleinere Abschnitte teilen.
Wasserlauf am unteren RandDas ablaufende Wasser wurde nicht zuletzt abgenommen.Untere Zone erst nach der Fläche waagerecht abziehen und trocken nachfahren.
Vergilbte KunststoffrahmenUV-Alterung, kein Schmutz – Schrubben bringt nichts.Milde Seifenlösung wie im Allzweckreiniger, keine Scheuermittel, keine Säure.
Fliegendreck lässt sich nicht lösenEingebrannt und hart, reines Wischen reicht nicht.Nasses Tuch fünf Minuten auflegen, dann abziehen; Vorgehen wie bei Flecken entfernen: einweichen statt reiben.
Beschlagene Scheibe zwischen den GläsernDefekte Randverklebung der Isolierverglasung.Kein Putzthema. Die Scheibe ist undicht und gehört in Fachhände.

Wo Vorsicht wirklich nötig ist

Beschichtete Scheiben. Moderne Fenster tragen oft eine hauchdünne Schicht: Sonnenschutzverglasung, Wärmeschutzbeschichtung, Antireflex, seltener eine Schmutz abweisende Veredelung. Diese Schichten sitzen meist innen im Scheibenzwischenraum und sind dann unerreichbar, manchmal aber außen. Für sie gilt: kein Scheuermittel, keine Klinge, kein aggressiver Alkohol in hoher Konzentration und keine Mikrofaser mit rauer Struktur. Lauwarmes Wasser mit einem Tropfen Seifenlösung und ein weiches Tuch reichen. Wer unsicher ist, testet an einer unteren Ecke und wartet, bis die Stelle vollständig getrocknet ist.

Kunststoffrahmen. Weißes PVC ist empfindlicher, als es aussieht. Scheuermilch, Schmelzschwämme aus Melaminharz und harte Bürsten rauen die Oberfläche mikroskopisch auf – und eine aufgeraute Oberfläche nimmt Schmutz schneller an als vorher. Deshalb werden solche Rahmen nach zwei, drei Behandlungen immer schneller wieder grau. Richtig ist eine milde Seifenlösung, ein weiches Tuch und Geduld. Vergilbte Rahmen lassen sich damit nicht aufhellen, weil die Verfärbung im Material selbst liegt, nicht darauf.

Dichtungen. Die grauen oder schwarzen Gummiprofile im Falz halten das Fenster dicht und sind ein Verschleißteil. Stehende Essiglösung macht sie über Monate hart und rissig. Beim Putzen also nicht in die Nut sprühen, sondern den Rahmen anfeuchten und auswischen. Zweimal im Jahr die Dichtung mit einem feuchten Tuch reinigen und trocknen lassen, mehr braucht es nicht. Beschläge und Scharniere bekommen einen Tropfen säurefreies Öl, damit sich nichts festfrisst.

Holzrahmen. Lackiertes Holz verträgt milde Seifenlösung, mehr nicht. Geöltes oder gewachstes Holz verträgt weder Säure noch stark Alkalisches – hier nur nebelfeucht wischen und sofort nachtrocknen. Läuft Wasser dauerhaft in eine Fuge, quillt das Holz und der Lack platzt. Und ein Punkt, der oft vergessen wird: Sprüh niemals großflächig auf den Rahmen, sondern immer auf das Tuch. Das gilt genauso für den Bereich rund ums Fenster, wo Reiniger in Steckdosen oder Rollokästen laufen kann.

Was nicht auf Glas gehört. Keine Zeitung als Ersatztuch – die Druckfarben moderner Zeitungen schmieren auf Rahmen und Händen. Keine Klinge auf beschichtetem Glas, auch nicht „nur für den einen Punkt“. Kein Mittel aus dem WC-Bereich; die Säuren dort sind für Keramik gedacht, nicht für Dichtungen, wie unter WC-Reiniger selber machen beschrieben. Und keine Kombination aus mehreren Mitteln in derselben Flasche.

Wann und wie oft du putzen solltest

Zweimal im Jahr reicht für die meisten Wohnungen: einmal im Frühjahr, wenn Pollen und Winterschmutz weg sollen, und einmal im Herbst vor der dunklen Jahreszeit, in der man ohnehin jeden Schleier sieht. Küchenfenster brauchen häufiger etwas, Fenster an einer Straße ebenfalls. Alles darüber hinaus ist eher Gewohnheit als Notwendigkeit.

Der beste Zeitpunkt ist ein bedeckter, windstiller Tag mit Temperaturen zwischen etwa fünf und zwanzig Grad. Wind trocknet fast so schnell wie Sonne, deshalb ist ein stürmischer Frühlingstag trotz Wolken keine gute Wahl. Direkte Sonne ist der schlechteste Fall, und zwar auf beiden Seiten der Scheibe – auch innen, wenn die Sonne von außen auf das Glas brennt. Bei Frost gefriert die Lösung, bei hoher Luftfeuchtigkeit trocknet sie kaum. Ein grauer Oktobervormittag ist ideal.

Zur Reihenfolge: Erst alle Rahmen und Falze, dann alle Scheiben, dann die Fensterbänke. Wer Fenster für Fenster komplett fertig macht, trägt den Rahmenschmutz jedes Mal aufs frische Glas. Und ganz zum Schluss der Boden, weil beim Putzen zwangsläufig Wasser fällt.

Fensterabzieher mit Gummilippe ansehen*

FAQ – Fensterreiniger selber machen

Warum bleiben trotz Rezept Streifen zurück?

In neun von zehn Fällen liegt es nicht am Rezept, sondern an einer der vier Ursachen: zu viel Mittel, zu warme Scheibe, ungeeignetes Tuch oder schmutziges Wasser. Geh sie der Reihe nach durch. Reduziere zuerst den Zusatz auf zwei Teelöffel je halbem Liter, putze dann zu einer kühleren Tageszeit, wasche das Tuch heiß ohne Weichspüler und wechsle das Wasser nach zwei Fenstern. Meistens ist das Problem nach dem ersten Punkt schon weg.

Spiritus oder Essig – was ist besser?

Spiritus verdunstet schneller und ist deshalb auf großen Flächen etwas leichter zu handhaben, außerdem riecht er nach dem Trocknen nicht mehr. Essig kostet weniger, löst zusätzlich Kalkflecken von Regenspritzern und riecht dafür beim Arbeiten deutlich. Für Küchenfenster mit Fettfilm ist Spiritus im Vorteil, für Außenscheiben mit Wasserflecken der Essig. Beides funktioniert, beides in sehr kleiner Menge.

Kann ich Natron in den Fensterreiniger geben?

Besser nicht. Natron löst sich in kaltem Wasser nur begrenzt, und die ungelösten Kristalle schrammen über das Glas. Zusätzlich bleibt beim Trocknen ein weißer Schleier zurück, den du anschließend wieder abwaschen musst. Für Scheuerarbeiten ist Natron gut, für Glas ist es das falsche Werkzeug. Noch ungünstiger wird es zusammen mit Essig: Beide neutralisieren sich und übrig bleibt eine schwache Salzlösung, die schlechter reinigt als jede Zutat für sich.

Brauche ich wirklich einen Abzieher?

Nötig ist er nicht, aber er nimmt den größten Teil der Fehlerquellen heraus. Ein Tuch verreibt die Flüssigkeit, ein Abzieher nimmt sie in einem Zug komplett von der Fläche – und genau das ist der Punkt, an dem Streifen entstehen oder eben nicht. Wenn du ohne arbeiten willst, nimm zwei Tücher: eines nass zum Einwaschen und ein zweites, trockenes, das nach jedem Abschnitt gefaltet und auf eine frische Seite gedreht wird.

Was mache ich mit sehr hartem Leitungswasser?

Hartes Wasser hinterlässt beim Trocknen Kalk, und dieser Kalk ist der weiße Punkt, den du hinterher siehst. Drei Wege helfen: destilliertes Wasser aus dem Kanister, abgekochtes und abgesetztes Wasser, oder eine leicht saure Mischung, bei der die Säure den Kalk in Lösung hält. Bei sehr hartem Wasser lohnt sich der Kanister – für die paar Liter im Jahr ist er günstig und spart das Nacharbeiten.

Weiterlesen: Putzmittel selber machen · Essig als Reiniger · Putzmittel sicher aufbewahren

Über diesen Ratgeber

Dieser Artikel wurde von der Redaktion von svsger.de erstellt, dem Ratgeber für rein pflanzliche Selbstversorgung. Alle Rezepte dieser Serie sind vegan; Kernseife ist hier grundsätzlich die pflanzliche Variante. Die Mengenangaben stammen aus eigenen Ansätzen in haushaltsüblichem Maßstab, die Haltbarkeitsangaben sind bewusst konservativ gewählt. Wasserhärte, Beschichtungen und Rahmenmaterialien unterscheiden sich stark – teste jede Mischung an einer verdeckten Stelle, arbeite bei Brennspiritus ohne offene Flamme in der Nähe und beschrifte jedes Gefäß mit Inhalt und Datum. Selbstgemachte Reiniger ersetzen keine geprüften Hygienemittel, und eine zwischen den Scheiben beschlagene Isolierverglasung ersetzt kein Putzmittel, sondern nur der Austausch durch einen Fachbetrieb.

Zuletzt aktualisiert: September 2026