
Ringelblume anbauen gehört zu den dankbarsten Aufgaben im Selbstversorgergarten: Die einjährige Calendula keimt zuverlässig, blüht von Juni bis zum ersten Frost und liefert laufend Blüten für Küche, Tee und Pflegeöl. Nebenbei lockt sie Schwebfliegen und Wildbienen ins Gemüsebeet und lockert als Mischkulturpartner das Bild auf. Damit die Ernte über Monate reicht, kommt es auf den Aussaatzeitpunkt, regelmäßiges Pflücken und schonendes Trocknen an. Hier erfährst du Schritt für Schritt, wie du Ringelblumen ziehst, erntest und daraus ein rein pflanzliches Ringelblumenöl und eine Salbe herstellst.
Das Wichtigste in Kürze
- Direktsaat von Ende März bis Juni, 1–2 cm tief, Abstand 25–30 cm.
- Erste Blüten etwa 8–10 Wochen nach der Aussaat, Blüte bis in den Oktober.
- Blüten alle 2–3 Tage an trockenen Vormittagen pflücken, das verlängert die Blüte.
- Für Öl nur gut getrocknete Blüten verwenden, sonst droht Schimmel.
- Salbe vegan mit Candelilla- oder Carnaubawachs anrühren.
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Standort, Boden und passende Sorten
Ringelblumen (Calendula officinalis) wachsen in voller Sonne am reichsten, kommen aber auch mit lichtem Halbschatten zurecht. Der Boden sollte durchlässig und nur mäßig nährstoffreich sein. Auf stark gedüngten Beeten bilden die Pflanzen viel Laub, werden weich und sind anfälliger für Mehltau. Normaler Gartenboden mit einer dünnen Schicht reifem Kompost im Frühjahr genügt völlig. Staunässe verträgt die Pflanze dagegen schlecht.
Im Gemüsegarten passt die Ringelblume gut zwischen Kohl, Tomaten, Möhren und Salat. Sie zieht Schwebfliegen an, deren Larven Blattläuse fressen, und gilt als guter Partner in der Mischkultur. Wer Blüten vor allem für Öl und Tee ernten möchte, wählt ungefüllte oder halbgefüllte Sorten mit kräftiger Orangefärbung. Ein gutes Bio-Ringelblumen-Saatgut* aus samenfesten Sorten kannst du später selbst weitervermehren.
| Sorte | Blüte | Eignung |
|---|---|---|
| ‚Erfurter Orangefarbige‘ | kräftig orange, gefüllt | klassische Sorte für Öl und Tee, ergiebig |
| ‚Kablouna‘ | orange oder gelb, mit Mittelkissen | robust, vergleichsweise wenig mehltauanfällig |
| ‚Indian Prince‘ | dunkelorange mit rötlicher Rückseite | hoher Wuchs, gut für Schnitt und Küche |
| Wildform / ungefüllte Mischungen | einfach, gelb bis orange | besonders insektenfreundlich, gute Selbstaussaat |
Aussaat und Pflege
Die Ringelblume ist unkompliziert und wird fast immer direkt ins Beet gesät. Leichte Nachtfröste überstehen die Keimlinge meist. So gehst du vor:
- Boden lockern, Unkraut entfernen und die Oberfläche fein krümelig rechen.
- Die gebogenen Samen 1–2 cm tief legen, denn sie keimen im Dunkeln am besten.
- In Reihen mit 30 cm Abstand säen und später auf 25–30 cm in der Reihe vereinzeln.
- Gleichmäßig feucht halten. Bei 15–20 °C keimen die Samen nach 7–14 Tagen.
- Für eine lange Erntezeit im Mai und Juni einen zweiten Satz nachsäen.
Eine Vorkultur auf der Fensterbank ab März ist möglich, bringt aber nur wenig Vorsprung. Einmal etabliert, brauchen die Pflanzen nur bei längerer Trockenheit Wasser. Eine dünne Mulchschicht hält den Boden feucht. Typische Probleme sind Schnecken an Keimlingen, Blattläuse an den Triebspitzen und Echter Mehltau ab August. Befallene Blätter entfernst du einfach, ein luftiger Stand beugt vor. Lässt du zum Saisonende einige Blüten ausreifen, säen sich Ringelblumen im nächsten Jahr von selbst aus. Wie du die Samen gezielt aufbewahrst, liest du im Beitrag zur Saatgutgewinnung.
Blüten ernten: Zeitpunkt und Technik
Geerntet wird die ganze Blüte, sobald sie vollständig geöffnet ist. Am besten pflückst du an einem sonnigen Vormittag, wenn der Tau abgetrocknet ist. Kneife die Blütenköpfe direkt unter dem Blütenboden ab und sammle sie locker in einem luftigen Erntekorb*, damit sie nicht zerdrückt werden. Die Stängel sind etwas klebrig und riechen harzig, dünne Handschuhe halten die Finger sauber.
Je öfter du erntest, desto mehr Knospen bildet die Pflanze. Im Hochsommer lohnt sich ein Rundgang alle zwei bis drei Tage. Verblühte Köpfe solltest du ebenfalls entfernen, sofern du keine Samen gewinnen möchtest. Für die Küche zupfst du die Zungenblüten ab und streust sie frisch über Salat, Suppen oder Reisgerichte, wo sie für Farbe und ein mildes, leicht herbes Aroma sorgen.
Trocknen und Lagern
Ganze Blütenköpfe haben einen dicken, feuchten Blütenboden und trocknen deshalb langsamer als viele andere Kräuter. Breite sie einlagig auf einem Gitter oder Papier an einem schattigen, luftigen Ort aus. Nach etwa ein bis zwei Wochen sind sie rascheltrocken. Schneller und gleichmäßiger klappt es in einem Dörrautomaten* bei höchstens 35–40 °C. Direkte Sonne bleicht die Farbe aus.
Die getrockneten Blüten füllst du in dunkle, gut schließende Gläser und lagerst sie kühl und trocken. So bleiben Farbe und Aroma etwa ein Jahr erhalten. Weitere Tipps zum Trocknen von Kräutern findest du im Artikel Kräutergarten anlegen. Aus den getrockneten Blüten lässt sich auch ein milder Tee aufgießen, meist als Bestandteil von Kräutermischungen.
Ringelblumenöl und vegane Salbe herstellen
Ringelblumenöl wird traditionell zur äußerlichen Hautpflege verwendet, etwa bei rauer oder trockener Haut. Es ist einfach herzustellen, braucht aber sauberes Arbeiten.
Ringelblumenöl ansetzen
- Ein sauberes, trockenes Schraub- oder Weckglas* locker zur Hälfte mit getrockneten Blüten füllen.
- Mit Sonnenblumen- oder Olivenöl übergießen, bis alle Blüten gut 2 cm bedeckt sind.
- Verschlossen 3–4 Wochen an einem hellen, warmen Ort ohne pralle Sonne stehen lassen und alle paar Tage schwenken.
- Durch ein Tuch abseihen, gut ausdrücken und in dunkle Flaschen abfüllen.
Schneller geht ein Warmauszug im Wasserbad bei etwa 40–50 °C über einige Stunden. Frische Blüten solltest du nicht verwenden, weil ihr Wassergehalt das Öl verderben lässt. Kühl und dunkel in Braunglasflaschen* gelagert, hält es etwa 6–12 Monate. Riecht es ranzig, entsorgst du es.
Salbe mit pflanzlichem Wachs
Für eine Salbe erwärmst du das Öl sanft im Wasserbad und schmilzt darin pflanzliches Wachs. Candelillawachs ist härter als andere Wachse, als Richtwert reichen etwa 6–8 g auf 100 ml Öl. Carnaubawachs ist noch fester, davon brauchst du weniger. Mache vor dem Abfüllen eine Probe auf einem kalten Löffel und passe die Menge an. Die flüssige Masse füllst du in saubere Tiegel und lässt sie offen erkalten.
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Sicherheitshinweise
Die Ringelblume ist ein Korbblütler. Menschen mit einer Allergie gegen Korbblütler wie Kamille, Arnika oder Beifuß können auf Blüten und Öl reagieren. Teste Öl und Salbe zuerst auf einer kleinen Hautstelle. Selbst hergestellte Zubereitungen gehören nicht auf offene oder entzündete Wunden. Die Angaben hier ersetzen keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. In Schwangerschaft und Stillzeit sowie bei Kindern klärst du die Anwendung am besten vorher ab. Verwechsle die Ringelblume nicht mit Tagetes (Studentenblume), deren Blüten streng riechen und nicht für Tee oder Öl gedacht sind.
FAQ – Ringelblume anbauen
Ist die Ringelblume einjährig?
Ja, Calendula officinalis ist einjährig. Durch Selbstaussaat erscheint sie aber oft jedes Jahr wieder an derselben Stelle.
Kann ich Ringelblumen im Herbst säen?
In milden Regionen ist eine Aussaat im September möglich. Die Jungpflanzen überwintern dann oft und blühen im nächsten Jahr früher.
Warum blühen meine Ringelblumen kaum noch?
Meist bilden die Pflanzen Samen, weil verblühte Köpfe nicht entfernt wurden. Auch Trockenheit oder zu viel Stickstoff können die Blüte bremsen.
Sind Ringelblumenblüten essbar?
Ja, die Blütenblätter sind essbar und färben Speisen gelb bis orange. Nur ungespritzte Blüten aus dem eigenen Garten verwenden.
Kann ich statt Candelilla auch Sojawachs nehmen?
Sojawachs ist weicher und eignet sich eher für Kerzen. Für Salben sind Candelilla- oder Carnaubawachs die gängigeren pflanzlichen Alternativen.
Weiterlesen: Kamille anbauen · Lavendel pflanzen und ernten · Kräutersorten im Überblick
Über diesen Ratgeber
Dieser Artikel wurde von der Redaktion von svsger.de erstellt, dem Ratgeber für rein pflanzliche Selbstversorgung. Die Angaben basieren auf gängiger Gartenbau- und Kräuterfachliteratur sowie Sortenbeschreibungen von Saatgutanbietern. Aussaat- und Blühzeiten können je nach Region und Witterung um einige Wochen abweichen.
Zuletzt aktualisiert: September 2026