
Emmer und Einkorn anbauen ist der direkteste Weg, die ältesten Weizenarten Europas kennenzulernen. Beide wurden vor rund 10.000 Jahren domestiziert, dann vom Brotweizen verdrängt und sind heute Nischenprodukte mit stolzen Preisen von sechs bis zwölf Euro je Kilo. Genau das macht den Eigenanbau interessant: Die Pflanzen sind genügsam und standfest und kommen auf mageren Böden zurecht, an denen Weizen scheitert. Ehrlich bleiben muss man beim Ertrag – er liegt deutlich unter modernem Getreide, und beide Arten sind bespelzt. Dieser Ratgeber zeigt dir Saatstärke, Termine, Ernte von Hand und was beim Backen anders läuft.
Das Wichtigste in Kürze
- Einkorn trägt ein Korn je Ährchen, Emmer zwei – daher die Namen.
- Saatstärke 15–20 g pro m², Saattiefe 3–4 cm, Winterformen ab Ende September.
- Rechne mit 150–250 g entspelztem Korn pro m², also klar weniger als bei Weizen.
- Beide sind bespelzt: Ohne Entspelzen kommst du nicht ans Korn.
- Nicht stickstoffreich düngen – Kompost, Leguminosen-Gründüngung und Gesteinsmehl reichen.

Hinweis: Mit * markierte Links sind Affiliate-Links. Kaufst du darüber, erhalten wir eine kleine Provision – für dich ändert sich am Preis nichts.
Einkorn und Emmer: woher die Namen kommen
Die Namen beschreiben das entscheidende Merkmal. Bei Einkorn sitzt in jedem Ährchen nur ein einziges Korn, bei Emmer sind es zwei. Die Ähre des Einkorns wirkt deshalb schmal und flach, die des Emmers breiter und zweizeilig gestaffelt. Beide bilden feste Ährchen, sogenannte Vesen, die beim Dreschen als ganze Einheit abbrechen – das Korn steckt darin und muss in einem zweiten Schritt herausgelöst werden.
Einkorn hat die kleinsten Körner aller Weizenarten, gelblich und etwa halb so schwer wie ein Weizenkorn; Emmer ist dunkler und länglich. Geschmacklich ist Einkorn mild-nussig, Emmer kräftig und leicht erdig.
| Merkmal | Einkorn | Emmer |
|---|---|---|
| Körner je Ährchen | 1 | 2 |
| Wuchshöhe | 100–140 cm | 110–150 cm |
| Ertrag im Garten (entspelzt) | 120–200 g/m² | 150–250 g/m² |
| Bodenanspruch | sehr gering | gering |
| Backeigenschaft | weicher Kleber, flache Brote | etwas stabiler, dunkles Brot |
| Typische Nutzung | Fladen, Grütze, Beimischung | Brot, Pasta, Risotto-Art |
Saatgut gibt es als Emmer zur Aussaat* und als Einkorn-Saatgut*, meist als ganze Vesen verkauft. Speisekorn aus dem Bioladen keimt oft ebenfalls, wenn es nicht erhitzt wurde. Beide Arten sind Selbstbestäuber und bleiben sortenrein, du kannst also jedes Jahr Saatgut zurücklegen – siehe Saatgutgewinnung.
Flächenbedarf: was auf zehn Quadratmetern herauskommt
Zehn Quadratmeter Emmer liefern nach dem Entspelzen etwa 1,5 bis 2,5 Kilo Korn, Einkorn eher 1,2 bis 2 Kilo. Das ergibt drei bis fünf größere Brote. Für den Jahresbedarf einer Person an Getreide bräuchtest du 200 bis 300 Quadratmeter – bei Urgetreide sogar mehr als bei Weizen, weil der Ertrag niedriger ist.
Der Reiz liegt woanders: Auf einer kleinen Fläche von fünf bis zwanzig Quadratmetern erntest du ein Getreide, das im Handel ein Vielfaches von Weizen kostet, und du bekommst Stroh für den Mulch dazu. Wie du solche Kleinflächen in den Gesamtplan einbaust, beschreibt Nutzgarten planen; Eiweiß liefern dir parallel Linsen und andere pflanzliche Eiweißquellen.
Standort, Boden und rein pflanzliche Düngung
Hier spielen Emmer und Einkorn ihre Stärke aus. Beide wachsen auf mageren, steinigen und flachgründigen Böden, vertragen Trockenheit und stehen dank zäher Halme auch bei Gewitter aufrecht. Sonne brauchen sie, Staunässe mögen sie nicht. Ein pH-Wert zwischen 6 und 7,5 ist ideal.
Gedüngt wird betont sparsam: ein bis zwei Liter reifer Kompost pro Quadratmeter vor der Saat, mehr nicht. Wie du den ansetzt, steht in Komposter bauen und befüllen. Für Stickstoff sorgt eine Vorfrucht aus Leguminosen – Erbsen, Ackerbohnen, Klee oder Luzerne, im Herbst flach eingearbeitet. Kalium, Magnesium und Spurenelemente bringt eine Handvoll Urgesteinsmehl* pro Quadratmeter. Wird zu kräftig gedüngt, schießen die langen Halme in die Höhe und legen sich trotz ihrer Standfestigkeit um. Weitere rein pflanzliche Varianten erklärt Dünger selbst herstellen.
Aussaat: Termin, Saatstärke, Saattiefe
Es gibt Winter- und Sommerformen. Winteremmer und Wintereinkorn kommen zwischen dem 25. September und Mitte Oktober in den Boden und bestocken sich noch vor dem Frost. Sommerformen säst du von Mitte März bis Anfang April. Die Winterformen bringen mehr Ertrag, die Sommerformen sind unkomplizierter.
Weil du ganze Vesen mit einem oder zwei Körnern säst, liegt die Saatstärke bei 15 bis 20 Gramm pro Quadratmeter – bei Emmer etwas höher als bei Einkorn. Ziehe Rillen von 3 bis 4 cm Tiefe im Abstand von 15 bis 20 cm und lege die Vesen alle 2 bis 3 cm hinein. Die Grafik oben fasst Saattiefe, Reihenabstand und Erntezeit zusammen. Etwas weiter als bei Weizen zu säen lohnt sich, weil beide Arten stark bestocken und Luft im Bestand Pilzbefall vorbeugt.
Pflege und typische Probleme
Gehackt wird zwei- bis dreimal, solange das Getreide niedrig ist. Danach ist kaum Arbeit nötig; gegossen wird nur bei extremer Trockenheit im Mai. Die häufigsten Probleme im Garten sind Lager nach Starkregen, Rostpilze auf den Blättern bei feuchten Sommern und Vogelfraß in der Milchreife – ein feinmaschiges Kulturschutznetz* über niedrige Bögen schützt kleine Beete zuverlässig.
Ein echter Vorteil: Beide Arten sind wenig anfällig für Mehltau und Steinbrand. Halte trotzdem eine Anbaupause von drei bis vier Jahren ein und stelle sie nicht direkt nach anderen Weizenarten – Hinweise dazu in Fruchtfolge planen.
Ernte, Dreschen und Entspelzen
Schneiden, Garben, Nachtrocknen
Geerntet wird in der Vollreife, bei Winterformen Ende Juli bis Anfang August. Die Halme sind strohgelb, das Korn splittert zwischen den Zähnen. Beide Arten neigen dazu, bei Überreife an der Ährenspindel zu brechen, warte also nicht zu lange. Schneide die Halme mit einer Sichel*, bei größeren Flächen mit der Sense, binde sie zu Garben und stelle diese zu Puppen auf oder hänge sie luftig unter Dach. Ein bis zwei Wochen Nachtrocknen sind Pflicht, sonst schimmelt der Vorrat.
Dreschen, Worfeln, Entspelzen
Ausgeschlagen wird auf einer Plane mit einem Stock, oder du trittst die Ähren in einem festen Stoffsack durch. Dabei fallen die Vesen heraus, nicht die nackten Körner. Worfeln bei leichtem Wind trennt Spreu und Halmreste: das Gemisch aus einem Meter Höhe von Behälter zu Behälter schütten, zwei bis drei Durchgänge.
Das Entspelzen ist der Mehraufwand, den man einplanen muss. Im Kleinen funktioniert es mit einer Handgetreidemühle*, deren Mahlsteine ganz weit geöffnet sind: Die Vesen brechen auf, ohne das Korn zu vermahlen. Danach absieben und ein zweites Mal worfeln. Ein Mörser mit rundem Stößel geht auch, dauert aber länger. Rechne mit 20 bis 30 Prozent Gewichtsverlust.
Lagern und backen
Gelagert wird nur unter 14 Prozent Restfeuchte – die Körner müssen beim Draufbeißen splittern. Fülle sie in Beutel und lege sie 48 Stunden bei minus 18 Grad ins Gefriergerät: Das schaltet Kornkäfer, Motten und Milben samt Eiern aus. Danach abtrocknen lassen und in dicht schließende Gefäße umfüllen, etwa Einkochgläser*. Ganzes Korn hält so mehrere Jahre, Mehl nur wenige Monate. Mehr in Vorratshaltung richtig gemacht.
Beim Backen brauchst du Geduld. Beide enthalten Klebereiweiß, aber es ist weich und dehnbar statt elastisch – der Teig wird schnell fließend. Bewährt hat sich: weniger Wasser als bei Weizen, kurz und schonend kneten, die Gare auf 30 bis 45 Minuten begrenzen und in der Kastenform backen statt freigeschoben. Ein Anteil von 20 bis 30 Prozent Emmer in einem Weizenbrot gelingt praktisch immer; wer pur backen will, arbeitet mit Sauerteig. Grob geschrotet ergeben beide Arten eine gute Grütze, ganz gekocht eine Beilage.
FAQ – Emmer und Einkorn anbauen
Was ist der Unterschied zwischen Emmer und Einkorn?
Der Name sagt es: Einkorn bildet ein Korn je Ährchen, Emmer zwei. Einkorn hat kleinere Körner und geringeren Ertrag, Emmer ist etwas backfreudiger und dunkler im Geschmack.
Sind Emmer und Einkorn glutenfrei?
Nein. Beide sind Weizenarten und enthalten Gluten, auch wenn die Eiweißzusammensetzung anders ist als bei Brotweizen. Bei Zöliakie sind sie nicht geeignet – dafür kommen Hirse, Buchweizen oder Quinoa in Frage.
Kann ich Speisekorn aus dem Laden aussäen?
Häufig ja, sofern es nicht erhitzt oder geschält wurde. Ungeschälte Vesen keimen besser als blankes Korn. Mach vorher einen Keimtest mit 20 Körnern auf feuchtem Küchenpapier.
Warum wird mein Emmerbrot so flach?
Der Kleber ist weich und hält das Gas nicht. Knete kürzer, nimm weniger Wasser, verkürze die Gare und backe im Kasten. Oder mische nur 20 bis 30 Prozent Emmer in einen Weizenteig.
Lohnt sich der Anbau bei dem geringen Ertrag?
Als Grundversorgung nein, als Spezialität ja. Auf zehn Quadratmetern erntest du ein Getreide, das im Handel sechs bis zwölf Euro je Kilo kostet, mit sehr wenig Pflegeaufwand und auf Böden, die für Gemüse zu mager sind.
Weiterlesen: Hafer anbauen · Quinoa anbauen · Getreide und Hülsenfrüchte im Überblick
Über diesen Ratgeber
Dieser Artikel wurde von der Redaktion von svsger.de erstellt, dem Ratgeber für rein pflanzliche Selbstversorgung. Die Angaben zu Saatstärken, Terminen und Erträgen stützen sich auf Fachliteratur zum Urgetreideanbau, Sortenbeschreibungen der Saatguthäuser und Empfehlungen der Landwirtschaftskammern, umgerechnet auf Gartenmaßstab. Je nach Region und Witterung verschieben sich die Termine um zwei bis drei Wochen.
Zuletzt aktualisiert: September 2026