
Wer sich pflanzlich selbst versorgen möchte, stößt beim Gemüse schnell an eine Grenze: Es sättigt wenig und liefert kaum Eiweiß. Getreide und Hülsenfrüchte schließen diese Lücke, und viele davon lassen sich auch auf kleiner Fläche im Garten anbauen. Allerdings brauchen Körnerpflanzen mehr Platz als Gemüse, und Dreschen und Reinigen kosten Zeit. Diese Übersicht zeigt dir, welche Arten sich für den Hausgarten eignen, wann gesät und geerntet wird, welche Mengen realistisch sind und womit du am besten anfängst.
Das Wichtigste in Kürze
- Trockenbohnen und Erbsen sind für Einsteiger die ergiebigsten und einfachsten Eiweißlieferanten.
- Hülsenfrüchte binden über Knöllchenbakterien Stickstoff und verbessern den Boden für Folgekulturen.
- Im Garten sind etwa 100–400 g Trockenware pro Quadratmeter realistisch, je nach Art.
- Für kleine Flächen eignen sich freidreschende Arten wie Nackthafer, Roggen oder Weizen besser als Dinkel.
- Gut getrocknet und luftdicht gelagert halten Körner und Hülsenfrüchte ein bis mehrere Jahre.
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Warum Körner und Hülsenfrüchte in den Selbstversorgergarten gehören
Getrocknete Hülsenfrüchte und Körner sind die klassischen Vorratslebensmittel: Sie brauchen weder Keller noch Kühlung und liefern Energie, Eiweiß und Ballaststoffe. Hülsenfrüchte und Getreide ergänzen sich dabei im Aminosäuremuster, weshalb Kombinationen wie Linsen mit Hafer oder Bohnen mit Mais seit Jahrhunderten zu pflanzlichen Küchen gehören.
Hinzu kommt der Nutzen für den Boden. Leguminosen leben mit Knöllchenbakterien zusammen, die Luftstickstoff binden. Nach Erbsen oder Ackerbohnen wachsen stark zehrende Kulturen wie Kohl oder Kürbis besser, ganz ohne zugekauften Dünger. Getreide und Buchweizen wiederum lockern mit ihren Wurzeln den Boden und passen gut in eine vielfältige Fruchtfolge.
Alle Arten im Überblick
Die Ertragsangaben beziehen sich auf getrocknete, gereinigte Körner und sind grobe Richtwerte für den Hausgarten. Je nach Boden, Region und Jahr können sie deutlich darüber oder darunter liegen.
| Art | Gruppe | Aussaat | Ernte | Ertrag pro m² | Anspruch |
|---|---|---|---|---|---|
| Trockenbohnen | Hülsenfrucht | Mitte Mai bis Juni | August bis September | 150–250 g | leicht |
| Trockenerbsen | Hülsenfrucht | März bis April | Juli | 150–250 g | leicht |
| Ackerbohnen | Hülsenfrucht | Februar bis März | Juli bis August | 200–400 g | leicht |
| Linsen | Hülsenfrucht | April | Juli bis August | 50–150 g | mittel |
| Kichererbsen | Hülsenfrucht | April bis Anfang Mai | August bis September | 100–200 g | mittel, braucht Wärme |
| Sojabohnen | Hülsenfrucht | Mitte Mai | September bis Oktober | 150–250 g | mittel, frühe Sorten wählen |
| Süßlupinen | Hülsenfrucht | März bis April | August | 150–300 g | mittel, saurer bis neutraler Boden |
| Nackthafer | Getreide | März bis April | Ende Juli bis August | 200–300 g | leicht |
| Winterroggen | Getreide | Ende September bis Oktober | Juli | 250–400 g | leicht, auch auf Sand |
| Weizen | Getreide | Oktober oder März | Juli bis August | 250–450 g | mittel, guter Boden |
| Körnermais (Polenta) | Getreide | Mitte Mai | September bis Oktober | 300–600 g | mittel, Wärme und Nährstoffe |
| Buchweizen | Pseudogetreide | Mitte Mai bis Juni | August bis September | 100–150 g | leicht, Schälen mühsam |
| Quinoa | Pseudogetreide | Ende April bis Mai | September | 100–250 g | mittel, Saponine abwaschen |
| Amaranth | Pseudogetreide | Mitte Mai bis Juni | September bis Oktober | 100–200 g | mittel, sehr kleine Samen |
Hülsenfrüchte: die Eiweißbasis
Bohnen und Erbsen für Einsteiger
Trockenbohnen sind die dankbarste Wahl. Buschbohnen brauchen keine Rankhilfe, und die Hülsen trocknen an der Pflanze. Sorten mit bunten Samen wie Borlotti- oder Kidneytypen werden meist für die Trockennutzung angeboten, zum Beispiel als Bio-Saatgut für Trockenbohnen*. Trockenerbsen, auch Schalerbsen genannt, werden früh gesät und sind schon im Juli reif. Ackerbohnen vertragen Kälte und können bereits im Februar in den Boden.
Linsen, Kichererbsen und Soja
Linsen mögen magere, kalkhaltige und trockene Böden, bleiben aber niedrig und bringen eher kleine Erträge. Eine Stützfrucht wie Hafer oder Leindotter verhindert, dass sie am Boden liegen. Kichererbsen brauchen einen warmen, trockenen Sommer und einen durchlässigen Boden, in Weinbauregionen gelingen sie am besten. Robustes Kichererbsen-Saatgut* ist ein guter Start. Für Soja und Lupinen empfiehlt sich auf Flächen, auf denen sie noch nie standen, ein passendes Impfmittel mit Knöllchenbakterien, sonst bleibt die Stickstoffbindung aus. Wer Linsen-Saatgut* ausprobiert, sollte die Fläche im ersten Jahr klein halten.
Getreide und Pseudogetreide
Beim Getreide entscheidet vor allem die Nachbearbeitung über die Gartentauglichkeit. Weizen, Roggen, Nackthafer und Nacktgerste dreschen frei, das heißt, die Körner lösen sich beim Ausschlagen aus den Spelzen. Dinkel, Emmer, Einkorn und normaler Hafer bleiben dagegen fest bespelzt und müssen in einem Schälgang entspelzt werden, was im Haushalt kaum möglich ist. Winterroggen ist besonders anspruchslos und wächst auch auf sandigen Böden. Körnermais für Polenta lässt sich vergleichsweise einfach ernten, weil die Kolben an der Pflanze abtrocknen.
Pseudogetreide wie Buchweizen, Quinoa und Amaranth sind keine Gräser, glutenfrei und reifen in einer Saison. Buchweizen ist schnell und genügsam, Quinoa und Amaranth liefern kleine, eiweißreiche Samen. Frische Körner verarbeitest du mit einer handbetriebenen Getreidemühle* zu Schrot oder Mehl.
Realistische Mengen und Flächenplanung
Eine ehrliche Rechnung hilft gegen Enttäuschungen: Möchtest du pro Woche 500 g getrocknete Hülsenfrüchte essen, brauchst du im Jahr rund 26 kg. Bei 150 g pro Quadratmeter wären das etwa 170 m² reine Anbaufläche. Beim Brotgetreide sieht es ähnlich aus. Für die meisten Hausgärten ist eine Teilversorgung das sinnvollere Ziel, etwa ein Wintervorrat an Bohnen und Erbsen plus kleine Mengen Hafer oder Buchweizen. Wie du Flächen aufteilst, liest du in der Nutzgarten-Planung für Selbstversorger.
Ernten, Dreschen und Lagern
Die Arbeitsschritte ähneln sich bei fast allen Arten. Diese Checkliste hilft dir durch die Saison:
- ☐ Bei trockenem Wetter ernten, sobald Hülsen rascheln oder Körner fingernagelhart sind.
- ☐ Pflanzen oder Hülsen luftig unter Dach ein bis zwei Wochen nachtrocknen, zum Beispiel in einem Erntekorb* oder auf Tüchern.
- ☐ In einem Stoffsack ausklopfen oder Hülsen von Hand öffnen.
- ☐ Grobe Teile absieben und Staub vor einem Ventilator ausworfeln.
- ☐ Körner nachtrocknen, bis sie beim Draufbeißen nicht mehr nachgeben.
- ☐ Gegen Bohnen- und Erbsenkäfer die trockene Ware zwei bis drei Tage einfrieren.
- ☐ Luftdicht und dunkel lagern, etwa in Weck-Gläsern*, und beschriften.
Einen Teil der besten Körner legst du als Saatgut zurück. Bohnen, Erbsen, Linsen und Getreide sind überwiegend Selbstbestäuber und daher ideal für den Einstieg in die eigene Saatgutvermehrung.
FAQ – Getreide und Hülsenfrüchte im Garten
Womit fange ich als Einsteiger am besten an?
Mit Trockenbohnen und Schalerbsen. Sie sind ertragreich, leicht zu ernten und brauchen keine Dreschtechnik.
Lohnt sich Getreideanbau im Hausgarten?
Für eine vollständige Mehlversorgung reicht die Fläche selten. Kleine Mengen Nackthafer, Roggen oder Buchweizen sind aber gut machbar und liefern nebenbei Stroh zum Mulchen.
Kann ich Hülsenfrüchte jedes Jahr am gleichen Platz anbauen?
Besser nicht. Halte bei Erbsen und Linsen mindestens vier bis sechs Jahre Anbaupause ein, um bodenbürtige Krankheiten zu vermeiden.
Wie lange halten selbst geerntete Körner?
Gut getrocknet und luftdicht gelagert meist ein bis zwei Jahre. Ältere Hülsenfrüchte werden härter und brauchen längere Kochzeiten.
Weiterlesen: Saatgutgewinnung · Vorratshaltung richtig gemacht · Gemüsesorten im Überblick
Über diesen Ratgeber
Dieser Artikel wurde von der Redaktion von svsger.de erstellt, dem Ratgeber für rein pflanzliche Selbstversorgung. Die Angaben basieren auf gängiger Fachliteratur zum ökologischen Acker- und Gartenbau, Informationen von Landwirtschaftskammern und Leguminosen-Netzwerken sowie Sortenbeschreibungen von Saatgutanbietern. Die genannten Erträge sind Richtwerte und schwanken je nach Region, Boden und Jahr erheblich.
Zuletzt aktualisiert: September 2026