
Amaranth anbauen lohnt sich doppelt: Du erntest ein glutenfreies Pseudogetreide und dazu über Wochen zarte Blätter, die du wie Spinat verwenden kannst. Die Pflanze ist hitzetolerant, wird bei uns gut zwei Meter hoch und trägt leuchtend rote oder goldene Rispen mit hohem Zierwert. Der Anbau ist unkompliziert, hat aber zwei Stolperfallen: Amaranth ist Lichtkeimer und braucht warmen Boden, und die Jungpflanzen sehen dem wilden Amaranth zum Verwechseln ähnlich. Dieser Ratgeber zeigt dir Aussaat, Pflege, Blatt- und Körnerernte sowie das Reinigen und Trocknen der winzigen Körner.
Das Wichtigste in Kürze
- Amaranth ist ein Pseudogetreide wie Quinoa und botanisch mit dem Fuchsschwanz verwandt – kein Gras, kein Gluten.
- Lichtkeimer: Saatgut nur andrücken, nicht mit Erde bedecken.
- Aussaat erst ab Mitte Mai bei 15 Grad Bodentemperatur – vorher keimt kaum etwas.
- Immer in geraden Reihen säen, denn Sämlinge und wilder Amaranth sind fast nicht zu unterscheiden.
- Die Blätter sind essbar und schmecken wie milder Spinat, die Rispen liefern das Korn.

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Was Amaranth eigentlich ist
Amaranth gehört zur Gattung Amaranthus – derselben Gattung wie der bei uns verbreitete Zurückgebogene Amaranth, den viele nur als Beikraut kennen. Angebaut werden drei Arten: Amaranthus caudatus (Garten-Fuchsschwanz, hängende Rispen), Amaranthus cruentus und Amaranthus hypochondriacus mit aufrechten Rispen. Weil Amaranth kein Gras ist, spricht man von Pseudogetreide – wie bei Quinoa und Buchweizen. Als C4-Pflanze nutzt er Hitze effizient und übersteht Trockenphasen gut, ist aber absolut frostempfindlich. Die Körner sind winzig – rund 1 mm, etwa 1.000 Korn pro Gramm – und liefern reichlich Eiweiß, Eisen und Magnesium (Pflanzliche Eiweißquellen selbst anbauen).
Standort, Boden und Düngung
Amaranth braucht die wärmste, sonnigste Ecke und einen durchlässigen, nicht staunassen Boden bei pH 6 bis 7,5. Arbeite zwei bis drei Liter reifen Kompost pro Quadratmeter flach ein (Komposter bauen und befüllen). Ein Garten-Komposter* macht das zum Selbstläufer.
Gedüngt wird rein pflanzlich: Kompost plus eine Handvoll Urgesteinsmehl* pro Quadratmeter für Kalium und Spurenelemente. Auf stickstoffreichen Flächen wächst Amaranth so üppig, dass die Rispen umkippen und die Blätter mehr Nitrat einlagern – weniger ist hier mehr (Dünger selbst herstellen).
Sorten für Korn, Blatt und Zierwert
Kompakte, aufrechte Rispen sind leichter zu dreschen, hängende Sorten haben mehr Zierwert. Hellsamige Typen schmecken milder, dunkelsamige sind robuster.
| Art / Sorte | Wuchshöhe | Rispe | Eignung |
|---|---|---|---|
| A. caudatus „Garten-Fuchsschwanz“ | 120–180 cm | hängend, rot | Zierwert, hellsamig |
| A. cruentus „Golden Giant“ | 180–220 cm | aufrecht, goldgelb | hoher Kornertrag, leicht zu dreschen |
| A. hypochondriacus „Plainsman“ | 150–200 cm | aufrecht, kompakt | früh reif, gut für kühlere Lagen |
| A. tricolor „Red Leaf“ | 60–100 cm | klein | Blattamaranth für mehrfachen Schnitt |
| A. caudatus „Viridis“ | 100–150 cm | hängend, grün | Blatt und Korn, unauffällig im Beet |
Passendes Amaranth-Saatgut* gibt es für alle genannten Typen. Amaranth ist überwiegend selbstbefruchtend, kreuzt aber innerhalb der Art – entferne beim Nachbauen wilden Amaranth rund um die Saatgutpflanzen (Saatgutgewinnung).
Aussaat: Lichtkeimer, warmer Boden, klare Reihen
Direktsaat ab Mitte Mai
Warte, bis der Boden dauerhaft 15 Grad warm ist – meist nach den Eisheiligen Mitte Mai. Amaranth ist Lichtkeimer: Streue das feine Saatgut dünn in eine flache Rille, drücke es nur an und siebe höchstens 0,5 cm Erde darüber. Halte die Oberfläche bis zum Auflaufen feucht, das dauert fünf bis zehn Tage. Reihenabstand 40 bis 50 cm, in der Reihe auf 20 bis 30 cm vereinzeln. Die Grafik oben fasst Saattiefe, Abstände und Erntezeit zusammen.
Der wichtigste Praxistipp: Säe in schnurgeraden Reihen und markiere sie. Die Sämlinge von Kulturamaranth und wildem Amaranth sind in den ersten Wochen kaum zu unterscheiden – ohne klare Reihe hackst du entweder die Kultur weg oder ziehst das Beikraut groß. Ein Reihenzieher mit Pflanzschnur* spart genau diesen Ärger.
Vorkultur für kühle Lagen
In Höhenlagen lohnt die Vorkultur: ab Mitte April in Töpfe säen, bei 20 bis 22 Grad keimen lassen, Ende Mai mit Ballen auspflanzen. Vorkultivierte Pflanzen sind dem Beikraut voraus – das löst das Verwechslungsproblem mit.
Pflege, Beikraut und Mischkultur
In den ersten sechs Wochen brauchst du Geduld und eine Hacke: Amaranth wächst anfangs langsam und verträgt keine Konkurrenz. Danach schließt er den Bestand und unterdrückt Beikraut selbst. Eine dünne Mulchschicht zwischen den Reihen hilft, siehe Mulchen im Gemüsegarten – direkt an den Sämlingen aber nicht mulchen, das hält sie zu kühl. Gewässert wird nur in längeren Trockenphasen, dann durchdringend.
Hohe Sorten stützt du auf windigen Flächen mit einem Draht zwischen zwei Pfosten. In der Mischkultur passt Amaranth zu Mais, Kürbis und Buschbohnen; er beschattet stark, setze niedrige Nachbarn also nach Norden (Mischkultur-Tabelle). Krankheiten sind selten. Halte zwei bis drei Jahre Anbaupause (Fruchtfolge planen).
Blätter ernten: Amaranth als Blattgemüse
Vor der Blüte kannst du laufend junge Blätter und Triebspitzen schneiden – sie schmecken wie milder, nussiger Spinat. Nimm nur ein Drittel der Blätter pro Pflanze, dann treibt sie zügig nach. Blattsorten schneidest du ab 20 cm Höhe fingerbreit über dem Boden.
Wie Spinat und Rote Bete enthalten Amaranthblätter Oxalsäure, bei hoher Stickstoffversorgung und wenig Licht zusätzlich Nitrat. Praktische Konsequenz: junge Blätter bevorzugen, vor allem gegart verwenden, das Kochwasser weggießen und nicht täglich große Mengen roh essen. Dieser Hinweis ist allgemeine Information und ersetzt keine ärztliche Beratung.
Körnerernte, Reinigen und Trocknen
Die Körner reifen von September bis Oktober, ungleichmäßig von unten nach oben. Der verlässliche Test: Reibe eine Rispe sanft zwischen den Handflächen – fallen die Körner leicht aus, ist Erntezeit. Warte nicht zu lange, reifer Amaranth samt stark aus. Schneide die Rispen trocken ab und sammle sie in einem luftigen Erntekorb*. Rechne mit 100 bis 200 g Korn pro Quadratmeter.
Lass die Rispen eine bis zwei Wochen luftig nachtrocknen, dann reibe sie über einer Wanne aus. Gereinigt wird in zwei Schritten: erst ein grobes Sieb, das Spelzen und Stängelteile zurückhält, dann ein feines, das die Körner hält und Staub durchlässt. Den Rest übernimmt Wind – schütte das Korn draußen aus 50 cm Höhe von Schüssel zu Schüssel um. Ein feinmaschiger Siebsatz* ist dabei das wichtigste Werkzeug.
Vor der Lagerung muss das Korn richtig trocken sein, sonst schimmelt es. Ein Dörrautomat* bei 35 bis 40 Grad erledigt das in wenigen Stunden. Danach in Bügelgläser füllen und dunkel lagern, so hält sich Amaranth ein bis zwei Jahre (Vorratshaltung richtig gemacht).
Verwertung: Poppen, Brei und Backen
Amaranth poppt wie Popcorn: Erhitze eine schwere Pfanne ohne Fett stark, gib einen Esslöffel Korn hinein, schwenke sofort und nimm sie nach wenigen Sekunden vom Feuer – zu lange erhitzt wird er bitter. Gepoppt passt er in Müsli, auf Salate oder mit Pflanzendrink als Frühstück. Gekocht (ein Teil Korn, zweieinhalb Teile Wasser, 20 Minuten) bindet er Bratlinge und Suppen. Als Mehl ersetzt Amaranth bis zu 20 Prozent im Brotteig – mehr macht das Gebäck schwer, weil Gluten fehlt.
FAQ – Amaranth anbauen
Wie unterscheide ich Kulturamaranth von wildem Amaranth?
Im Sämlingsstadium praktisch nicht – deshalb säst du in markierten Reihen und entfernst alles, was daneben steht. Später ist es eindeutig: Kultursorten werden höher, haben kräftigere Stängel und große, oft rote Rispen, wilder Amaranth bleibt buschig und blüht unauffällig grün.
Warum keimt mein Amaranth nicht?
Fast immer war der Boden zu kalt oder das Saatgut zu tief. Amaranth braucht rund 15 Grad Bodentemperatur; bei Aussaat im April liegen die Körner wochenlang untätig. Trocknet die Oberfläche aus, sterben die Keimlinge ab.
Kann ich Amaranth im Topf oder Hochbeet anbauen?
Im Hochbeet gelingt er besonders gut, weil der Boden früher warm wird. Für Kübel rechne mit 15 Litern pro Pflanze und wähle eine niedrige Blattsorte – hohe Körnersorten kippen im Topf um.
Wie viel Fläche brauche ich für eine nennenswerte Ernte?
Mit 10 Quadratmetern sind ein bis zwei Kilogramm Korn realistisch – genug für regelmäßige Portionen, nicht für die Grundversorgung. Der größere Nutzen liegt oft in der Blattnutzung über den Sommer.
Muss ich Amaranth vor dem Kochen waschen?
Kurz im feinen Sieb abspülen genügt. Anders als Quinoa enthält Amaranth kaum Saponine, langes Einweichen ist nicht nötig.
Weiterlesen: Quinoa anbauen · Buchweizen anbauen · Getreide und Hülsenfrüchte im Überblick · Eiweiß aus dem eigenen Garten
Über diesen Ratgeber
Dieser Artikel wurde von der Redaktion von svsger.de erstellt, dem Ratgeber für rein pflanzliche Selbstversorgung. Die Angaben zu Arten, Terminen, Abständen und Erträgen stützen sich auf gängige Gartenbau-Fachliteratur, Sortenbeschreibungen der Saatguthäuser und Anbauhinweise der Landwirtschaftskammern. Je nach Region und Witterung verschieben sich Saat- und Erntetermine um zwei bis drei Wochen; in Höhenlagen reift Körneramaranth nicht jedes Jahr aus.
Zuletzt aktualisiert: September 2026