Kräuteröl ansetzen: Ölauszüge als Basis für Salbe und Balsam

Ölauszug selbst gemacht: Kaltauszug über Wochen oder Warmauszug im Wasserbad, Mengen in Gramm, Abseihen, Haltbarkeit und typische Fehlerbilder.

Ein Ölauszug – fachlich Mazerat – ist der Punkt, an dem aus Garten und Vorratsglas Kosmetik wird. Du legst getrocknete Pflanzenteile in ein Pflanzenöl, wartest und seihst ab. Danach hast du kein neues Produkt, sondern ein besseres Basisöl: Das Öl hat die fettlöslichen Bestandteile der Pflanze aufgenommen, Farbe und Duft verändert und lässt sich anschließend zu Salbe, Balsam, Körperbutter oder Massageöl weiterverarbeiten.

Genau deshalb steht dieser Beitrag am Anfang der Serie: Fast jedes spätere Rezept beginnt mit der Zeile „50 g Ringelblumenöl“ oder „30 g Lavendelöl“. Hier erfährst du, wie du beide Standardmethoden sauber durchziehst – den Kaltauszug über vier bis sechs Wochen und den Warmauszug im Wasserbad in zwei Stunden –, welches Mengenverhältnis stimmt, warum knochentrockene Pflanzen die halbe Miete sind und woran du erkennst, ob ein Ansatz noch zu retten ist.

Das Wichtigste in Kürze

  • Nur knochentrockene Pflanzen. Restfeuchte ist die häufigste Ursache für Schimmel im Glas.
  • Kaltauszug: 4 bis 6 Wochen hell, aber nicht in der prallen Sonne – schonend, braucht Geduld.
  • Warmauszug: 2 Stunden bei 60 bis 70 °C im Wasserbad – schnell, leicht kräftiger im Geruch.
  • Mengenverhältnis: 1 Teil getrocknetes Kraut auf 10 Teile Öl, also etwa 25 g auf 250 g.
  • Nach dem Abseihen zwei Tage absetzen lassen, klar abgießen, in Braunglas füllen, Datum aufschreiben.

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Was im Glas passiert

Pflanzenöl ist ein Lösungsmittel für alles, was fettlöslich ist: Farbstoffe wie das Carotin der Ringelblume, ätherische Bestandteile, Harze, Bitterstoffe. Wasserlösliche Anteile – Schleimstoffe, Gerbstoffe, Zucker – bleiben in der Pflanze zurück. Ein Ölauszug ist also kein Konzentrat der ganzen Pflanze, sondern ein Ausschnitt. Das erklärt, warum manche Kräuter sich lohnen und andere im Öl wenig hergeben.

Traditionell werden Ringelblume, Johanniskraut, Lavendel und Kamille auf diese Weise verwendet. Ein Ölauszug bleibt dabei ein Pflegeprodukt und kein Arzneimittel; bei offenen Wunden, nässenden Stellen, bekannten Allergien oder anhaltenden Hautveränderungen gehört die Frage in eine Praxis und nicht ins Einmachglas. Selbstgemachte Pflege ersetzt keine ärztliche Beratung.

Der zweite Punkt, der oft untergeht: Der Auszug ist nur so gut wie das Trägeröl. Nimmst du ein Öl, das nach drei Monaten kippt, nützt die beste Blüte nichts. Welches Öl zu welcher Haut passt, steht ausführlich unter Pflanzenöle für die Haut.

Grafik zum Beitrag: Kräuteröl ansetzen: Ölauszüge als Basis für Salbe und Balsam

Die wichtigste Regel: knochentrocken

Wenn ein Ansatz misslingt, liegt es in neun von zehn Fällen an Restwasser. Frische Blüten bestehen zu 80 bis 90 Prozent aus Wasser. Dieses Wasser löst sich nicht im Öl, sondern sammelt sich als feine Tröpfchen am Glasboden oder bleibt in der Pflanze sitzen – und genau dort wachsen Schimmelpilze und Bakterien, während das Öl obendrüber völlig unverdächtig aussieht.

Deshalb gilt ohne Ausnahme: Nur vollständig getrocknete Pflanzenteile kommen ins Öl. Der Trockentest ist simpel. Eine Blüte muss zwischen den Fingern rascheln und beim Zerreiben zerbröseln. Biegt sich ein Blatt noch, statt zu brechen, ist es nicht trocken genug. Stängel und dicke Blütenböden brauchen länger als dünne Blütenblätter – im Zweifel trennst du sie ab.

Getrocknet wird luftig, schattig und dünn ausgebreitet, je nach Wetter drei bis zehn Tage. Danach lagerst du die Kräuter noch mindestens eine Woche in einem geschlossenen Glas und schaust täglich, ob sich innen Beschlag bildet. Beschlag heißt: nachtrocknen. Erst dann geht es ins Öl.

Die oft gelesene Empfehlung, frische Kräuter einen Tag „anwelken“ zu lassen und dann anzusetzen, funktioniert bei manchen Kräutern und geht regelmäßig schief. Für Vorräte, die ein Jahr halten sollen, ist das kein sinnvolles Risiko. Wer keine eigenen Blüten hat, kauft getrocknete Ware – Bio-Ringelblumenblüten mit 250 g* reichen für gut zwei Liter Auszug.

Kaltauszug oder Warmauszug

Beide Verfahren führen zum Ziel, sie unterscheiden sich in Zeit, Temperatur und Geruch. Der Kaltauszug steht vier bis sechs Wochen an einem hellen, aber nicht vollsonnigen Platz. Licht und Raumwärme reichen aus, um die Pflanzenstoffe langsam ins Öl wandern zu lassen. Das ist die schonendste Variante und die richtige, wenn du Zeit hast und viel Menge auf einmal ansetzt.

Der Warmauszug arbeitet im Wasserbad bei 60 bis 70 °C für etwa zwei Stunden. Er ist fertig, bevor der Tag vorbei ist, und praktisch, wenn dir mitten im Rezept das Basisöl fehlt. Der Preis dafür: Wärme treibt flüchtige Bestandteile aus, das Ergebnis riecht kräftiger nach „gekocht“ und die Haltbarkeit fällt etwas kürzer aus, weil das Öl vorbelastet ist. Über 70 °C wird es unnötig – dann röstest du die Pflanze nur noch.

MerkmalKaltauszugWarmauszug
Dauer4 bis 6 Wochen2 Stunden plus Abkühlen
TemperaturRaumtemperatur, 18 bis 25 °C60 bis 70 °C im Wasserbad
Standorthell, nicht in der prallen MittagssonneTopf auf dem Herd, Glas ohne Deckel
Geruch und Farbefein, näher an der frischen Pflanzekräftiger, dunkler, leicht röstig
Haltbarkeit9 bis 12 Monate6 bis 9 Monate
RisikoSchimmel bei Restfeuchte oder aufschwimmendem KrautÜberhitzen, Wasserspritzer aus dem Topf
Passt fürBlüten mit Farbstoffen, große Ansätze, VorratBlätter, Wurzeln, Nadeln, schnelle Einzelportion

Als Faustregel: Alles, was Farbe abgibt und fein ist, setzt du kalt an. Alles, was zäh, holzig oder eilig ist, kommt ins Wasserbad.

Warmauszug im Wasserbad: Glas mit Lavendelblüten und Öl steht in einem Topf mit Wasser, daneben ein Thermometer

Kräuteröl wird durch ein Tuch in eine braune Flasche abgeseiht

Mengenverhältnis, Öl und Gefäß

Das Standardverhältnis für getrocknete Pflanzen ist 1 : 10 in Gramm, also 25 g Kraut auf 250 g Öl. Bei sehr lockeren, voluminösen Blüten wie Ringelblume oder Lavendel darf es bis 1 : 8 gehen, bei intensiven Kräutern wie Rosmarin oder Pfefferminze eher 1 : 15. Entscheidend ist nicht das Füllvolumen des Glases, sondern das Gewicht – deshalb wird gewogen und nicht geschätzt. Eine Feinwaage mit 0,1-g-Teilung* ist auch hier die sinnvollste Anschaffung der ganzen Serie.

Wichtig ist außerdem: Das Kraut muss vollständig vom Öl bedeckt sein, mit zwei Fingern breit Überstand. Was oben aus dem Öl herausschaut, trocknet nicht, sondern verdirbt. Blüten saugen sich in den ersten Tagen voll und sinken dann; kontrolliere nach 24 Stunden und gieße bei Bedarf Öl nach.

Als Trägeröl eignet sich alles Geruchsneutrale mit vernünftiger Haltbarkeit. Süßes Mandelöl im Liter* ist der Klassiker: mild, preiswert, für die meisten Hauttypen passend. Wer besonders lange lagern will oder eine Nussallergie im Haushalt hat, nimmt Bio-Jojobaöl*, das praktisch nicht ranzig wird. Für feste Auszüge, die später in Balsam wandern, funktioniert auch natives Bio-Kokosöl* – dann allerdings nur als Warmauszug, weil es bei Raumtemperatur fest wird.

Das Gefäß ist ein Schraubglas mit weiter Öffnung, heiß ausgespült und vollständig getrocknet. Einmachgläser mit Schraubdeckel* in 500 ml sind die praktischste Größe. Ein einziger Wassertropfen im Glas reicht, um vier Wochen Arbeit zu verlieren – lass die Gläser kopfüber auf einem Tuch mindestens zwei Stunden abtropfen.

Schritt für Schritt: der Kaltauszug

Grundrezept: Ringelblumenöl als Kaltauszug (ergibt ca. 230 ml)

  • 25 g getrocknete Ringelblumenblüten (nur die Zungenblüten, ohne Blütenböden)
  • 250 g süßes Mandelöl
  • 1 Schraubglas 500 ml, heiß ausgespült und trocken
  1. Blüten in das trockene Glas wiegen und locker verteilen, nicht stopfen.
  2. Öl darübergießen, bis alles zwei Finger breit bedeckt ist. Mit einem trockenen Stäbchen Luftblasen herausdrücken.
  3. Glas verschließen, mit Kraut, Öl und Datum beschriften und hell, aber nicht in die pralle Mittagssonne stellen.
  4. Nach 24 Stunden kontrollieren: Schwimmt Blütenmaterial trocken obenauf, Öl nachgießen.
  5. Vier bis sechs Wochen ziehen lassen, alle zwei bis drei Tage kurz schwenken – nicht schütteln, das schlägt Luft ein.
  6. Durch ein feines Sieb und anschließend durch ein Passiertuch abseihen, Kraut gut ausdrücken.
  7. Öl zwei Tage ruhig stehen lassen, dann klar vom Bodensatz abgießen und in Braunglas füllen.

Haltbarkeit: 9 bis 12 Monate · Aufbewahrung: dunkel und kühl, Flasche immer verschlossen, Entnahme mit Pipette oder Pumpe

Das fertige Öl ist goldgelb bis orange. Dieses Ringelblumenöl ist die Grundlage für die Ringelblumensalbe und lässt sich ebenso in eine Körperbutter einrühren. Wenn du die Blüten selbst ernten willst: Wie du die Pflanze ziehst und wann du schneidest, steht unter Ringelblume anbauen.

Schritt für Schritt: der Warmauszug

Grundrezept: Lavendelöl im Wasserbad (ergibt ca. 180 ml)

  • 20 g getrocknete Lavendelblüten, von den Stielen abgerebelt
  • 200 g süßes Mandelöl oder Jojobaöl
  • 1 hitzefestes Glas, das in den Topf passt
  1. Topf zwei Finger hoch mit Wasser füllen, ein Küchentuch oder einen Untersetzer auf den Boden legen.
  2. Blüten und Öl in das hitzefeste Glas wiegen und ohne Deckel ins Wasserbad stellen.
  3. Wasser auf leichtes Sieden bringen und dann zurückschalten. Das Öl soll 60 bis 70 °C haben, es darf nicht blubbern.
  4. Zwei Stunden ziehen lassen, gelegentlich mit einem trockenen Löffel umrühren. Wasser nachfüllen, bevor der Topf leerkocht.
  5. Glas herausnehmen, auf ein Holzbrett stellen und auf Handwärme abkühlen lassen.
  6. Lauwarm abseihen – kalt fließt das Öl schlecht durch das Tuch – und ausdrücken.
  7. Über Nacht absetzen lassen, klar abgießen, in Braunglas füllen und beschriften.

Haltbarkeit: 6 bis 9 Monate · Aufbewahrung: dunkel, kühl, dicht verschlossen

Achte darauf, dass kein Spritzwasser aus dem Topf ins Glas gelangt – deshalb steht das Glas erhöht auf einem Untersetzer und der Wasserstand bleibt niedrig. Eigene Blüten dafür liefert dir ein Lavendelstrauch jahrelang; geerntet wird, kurz bevor die Blüten vollständig geöffnet sind.

Abseihen, absetzen, umfüllen, beschriften

Das Abseihen entscheidet über die Haltbarkeit. Ein Küchensieb allein lässt Schwebstoffe durch, die später als Bodensatz erscheinen und Feuchtigkeit binden. Sauberer wird es zweistufig: erst durch ein grobes Sieb, dann durch ein Passiertuch aus ungebleichter Baumwolle*. Das Tuch muss trocken sein, nicht feucht ausgewrungen. Kraut kräftig ausdrücken, dabei steckt gut ein Fünftel des Öls im Pflanzenmaterial.

Danach folgt der Schritt, den die meisten überspringen: absetzen lassen. Stell das abgeseihte Öl ein bis zwei Tage kühl und dunkel. Feinste Schwebteilchen und eventuelle Wasserreste sammeln sich unten. Gieße anschließend nur den klaren oberen Teil ab und wirf den letzten Zentimeter weg. Dieser Rest ist der Grund, warum manche Auszüge nach zwei Monaten kippen.

Abgefüllt wird in Braunglas, weil Licht Öle altern lässt. Braunglasflaschen mit 100 ml* sind praktisch, weil du eine anbrichst und die anderen verschlossen bleiben. Ein Trichter-Set aus Edelstahl* spart die Sauerei am Flaschenhals. Aufs Etikett gehören vier Angaben: Pflanze, Trägeröl, Methode und Datum. Nach drei Monaten sehen alle grünlich-gelben Flaschen gleich aus.

PflanzePflanzenteilMethodeZiehzeitWorauf achten
RingelblumeZungenblütenkalt4–6 WochenBlütenböden trocknen schlecht, besser abzupfen
JohanniskrautBlüten und Knospenkalt, hell4–6 Wochenfärbt rot; kann die Lichtempfindlichkeit der Haut erhöhen
LavendelBlüten ohne Stielkalt oder warm4 Wochen / 2 StundenStiele geben eine holzige Bitternote
KamilleBlütenköpfewarm2 Stundenstaubt stark, Ansatz gut abdecken beim Umfüllen
SpitzwegerichBlätterwarm2 Stundendicke Blätter trocknen langsam, wirklich durchtrocknen
SchafgarbeBlütendoldenkalt4 WochenVerwechslungsgefahr mit Doldenblütlern, nur sicher Bestimmtes
RosmarinNadelnwarm2 Stundensehr aromatisch, sparsam dosieren (1 : 15)
PfefferminzeBlätterwarm2 Stundenkühlt spürbar, nicht für Kleinkinder
GänseblümchenBlütenköpfekalt4–6 Wochennur von ungespritzten Flächen ohne Hundeverkehr

Zum Johanniskraut zwei sachliche Hinweise: Der Auszug färbt sich über Wochen tiefrot, das ist normal und ein gutes Zeichen. Und: Johanniskrautöl kann die Lichtempfindlichkeit der Haut erhöhen. Trage es deshalb abends auf und nicht, bevor du längere Zeit draußen in der Sonne bist – besonders dann nicht, wenn du hellhäutig bist. Bei gleichzeitiger Einnahme von Johanniskraut-Präparaten sprichst du das Thema besser ärztlich ab.

Wenn du die Kräuter dafür selbst ziehen willst, lohnt sich Planung: Ein Kräutergarten mit Ringelblume, Lavendel, Kamille und Schafgarbe deckt fast alle Auszüge dieser Serie ab. Und bei Wildpflanzen gilt die alte Regel: Was du nicht zweifelsfrei bestimmen kannst, bleibt stehen.

Fehlerbilder lesen

Ein Ölauszug zeigt seinen Zustand recht deutlich, man muss nur wissen, worauf man schaut. Die folgende Übersicht trennt das Harmlose vom Endgültigen.

BeobachtungUrsacheWas zu tun ist
Feiner Bodensatz, Öl darüber klarPflanzenteilchen durchs Sieb gerutschtharmlos: klar abgießen, Rest verwerfen
Öl trüb, aber geruchlich unauffälligKälte im Lager, Öl flockt ausFlasche warm stellen; klart auf, dann in Ordnung
Öl bleibt milchig trüb bei ZimmerwärmeWasser im Ansatzin den Abfluss, nicht weiterverarbeiten
Wassertröpfchen am GlasbodenKraut war nicht durchgetrocknetverwerfen, neu ansetzen
Weißlicher, faltiger Belag an der OberflächeKahmhaut auf feuchter Grenzschichtkompletter Ansatz in den Abfall, Glas auskochen
Pelzige, farbige Inseln auf schwimmendem KrautSchimmel, weil Kraut nicht bedeckt warrestlos entsorgen, nicht abschöpfen
Kratziger, alter Geruch nach FettÖl ist ranzig gewordennicht auf die Haut, auch nicht verschnitten – entsorgen
Auszug riecht kaum nach Pflanzezu wenig Kraut oder zu kurz gezogenzweiter Durchgang mit frischem Kraut im selben Öl

Beim Abfüllen kommt es auf einen Punkt an: Das Öl läuft durch das Tuch direkt in die beschriftete Flasche, ohne Zwischenstation in einem feuchten Messbecher. Zwei Punkte aus der Tabelle verdienen eine Betonung. Erstens: Schimmel wird nicht abgeschöpft. Die Fäden reichen unsichtbar weit ins Öl, der Rest ist nicht sauberer, nur unauffälliger. Zweitens: Bei ranzigem Geruch hilft kein Filtern und kein Aufkochen – der Fettverderb ist chemisch und bleibt.

Den doppelten Auszug im letzten Punkt der Tabelle nennt man Digerieren: Du seihst ab und gießt dasselbe Öl über eine zweite Portion frisch getrocknetes Kraut. Das Ergebnis ist deutlich kräftiger und eignet sich, wenn ein Rezept „konzentriertes Ringelblumenöl“ verlangt. Mehr als zwei Durchgänge lohnen nicht.

Ätherische Öle und Auszüge unterscheiden

Ein Ölauszug und ein ätherisches Öl sind zwei verschiedene Dinge. Der Auszug ist ein fettes Öl mit gelösten Pflanzenstoffen und lässt sich pur auf die Haut auftragen. Ätherische Öle sind hochkonzentrierte Destillate und gehören nie unverdünnt auf die Haut. Wenn du deinem fertigen Auszug Duft geben willst, bleibst du bei höchstens 1 Prozent für Körperprodukte, also etwa 6 Tropfen auf 30 g. Davor gehört ein Armbeugentest: einen Tropfen der verdünnten Mischung in die Armbeuge geben, 24 Stunden abwarten, nicht waschen. Für Babys und Kleinkinder gar nicht, in Schwangerschaft und Stillzeit nur nach Rücksprache, nicht in die Augen.

In den meisten Fällen brauchst du das gar nicht, weil ein gut gemachter Auszug bereits eigenen Duft mitbringt. Und was du mit den fertigen Ölen anstellst, zeigen die Rezepte der Serie: Salben mit Pflanzenwachs, Balsame, Massageöle und Reinigungsöle bauen alle auf diesem einen Arbeitsschritt auf.

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FAQ – Kräuteröl ansetzen

Kann ich frische Kräuter verwenden?

Besser nicht. Frische Pflanzen bringen Wasser ins Glas, und Wasser im Öl bedeutet Schimmelgefahr. Wenn du frisch ernten willst, trocknest du das Kraut erst vollständig und setzt dann an.

Muss der Kaltauszug wirklich hell stehen?

Hell ja, in der prallen Mittagssonne nein. Licht und Raumwärme beschleunigen den Auszug, direkte Sommersonne hinter Glas heizt den Ansatz aber auf über 50 °C auf und lässt das Öl schneller altern. Ein Nordfenster oder ein heller Küchenschrank mit Glastür ist ideal.

Wie lange hält ein fertiger Ölauszug?

Ein Kaltauszug in Mandelöl hält dunkel und kühl gelagert 9 bis 12 Monate, ein Warmauszug 6 bis 9 Monate. Mit Jojobaöl deutlich länger. Maßgeblich ist immer das Mindesthaltbarkeitsdatum des verwendeten Trägeröls.

Kann ich zwei Kräuter zusammen ansetzen?

Technisch ja, praktisch selten sinnvoll, weil die Ziehzeiten und Methoden verschieden sind. Setze lieber getrennt an und mische die fertigen Öle im Rezept – dann bestimmst du das Verhältnis selbst.

Warum schwimmt mein Kraut oben?

In den ersten ein bis zwei Tagen ist das normal, weil trockenes Pflanzenmaterial Luft enthält. Drücke es mit einem trockenen Stäbchen unter und gieße Öl nach. Bleibt ein Teil dauerhaft über der Ölgrenze, schimmelt er dort – dann lieber sofort umfüllen.

Weiterlesen: Pflanzenöle für die Haut · Ringelblumensalbe selber machen · Körperpflege selber machen

Über diesen Ratgeber

Dieser Artikel wurde von der Redaktion von svsger.de erstellt, dem Ratgeber für rein pflanzliche Selbstversorgung. Alle Rezepte dieser Serie sind vegan und kommen ohne tierische Rohstoffe aus. Die Mengenverhältnisse und Ziehzeiten beruhen auf gängiger Fachliteratur zur handwerklichen Pflanzenverarbeitung und auf eigenen Ansätzen in haushaltsüblichen Mengen. Ergebnisse hängen von Trocknungsgrad, Erntezeitpunkt und Raumtemperatur ab – betrachte die Angaben als Ausgangspunkt und notiere dir, was bei dir funktioniert hat. Selbstgemachte Pflege ersetzt keine ärztliche Beratung.

Zuletzt aktualisiert: September 2026