Kräuterbad selber machen: Aufguss, Säckchen, Badesalz

Drei Wege, wie Kräuter ins Badewasser kommen: starker Aufguss, Kräutersäckchen und trockenes Badesalz – mit Mengen pro Vollbad, Haltbarkeit und Rezepten.

Ein Kräuterbad selber machen ist weniger eine Frage des Rezepts als eine Frage der Technik. Getrocknete Blüten und Blätter riechen im Vorratsglas wunderbar, und genau deshalb landen sie bei vielen einfach handvollweise im Badewasser. Das Ergebnis kennt jeder, der es einmal gemacht hat: Blütenreste kleben am Wannenrand, schwimmen im Wasser herum, setzen sich unter den Schultern fest, und beim Ablassen verschwindet der Rest im Abfluss, wo er sich mit Seifenresten zu einem zähen Pfropfen verbindet. Der Duft hält zwanzig Minuten, das Putzen danach zehn.

Es gibt drei saubere Wege, wie Kräuter ins Badewasser kommen, und alle drei brauchen dieselbe Vorüberlegung: Das Pflanzenmaterial bleibt zurück, der Auszug geht ins Wasser. In diesem Beitrag stehen alle drei nebeneinander, mit Mengen in Gramm pro Vollbad, mit Ziehzeiten, mit Haltbarkeit. Dazu die Zahlen für Temperatur und Dauer, die Regeln für ätherische Öle, und der Absatz, in dem es nicht um Duft geht, sondern darum, wann ein warmes Vollbad die falsche Idee ist.

Das Wichtigste in Kürze

  • Nie lose Kräuter ins Wasser. Entweder abseihen, in ein Säckchen packen oder auf Salz binden – sonst verstopfen Blütenreste den Abfluss und kleben am Wannenrand.
  • Starker Aufguss: 40 bis 60 g getrocknete Kräuter auf 2 Liter kochendes Wasser, 20 Minuten zugedeckt ziehen, abseihen, ins volle Bad geben.
  • Kräutersäckchen: 30 bis 40 g Mischung in einen Baumwollbeutel, mitbaden lassen und zwischendurch ausdrücken.
  • Badesalz: 200 bis 300 g pro Vollbad, ätherisches Öl erst auf das trockene Salz tropfen, nie direkt ins Wasser.
  • Der Unterschied: Badesalz ist trocken und hält sechs bis zwölf Monate. Der Aufguss ist Wasser und wird frisch angesetzt, jedes Mal neu.

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Warum lose Kräuter nie direkt ins Badewasser gehören

Das klingt nach Pedanterie, ist aber der Punkt, an dem das ganze Vorhaben kippt. Getrocknete Blüten zerfallen im heißen Wasser in Hunderte kleiner Bruchstücke. Kamillenblüten zerlegen sich in einzelne Zungenblüten und harte Blütenböden, Lavendel gibt Kelchblätter ab, die wie feiner Grus aussehen, und Blattkräuter zerfasern zu Flocken. Dieses Material schwimmt nicht brav an der Oberfläche, sondern verteilt sich über die gesamte Wassersäule.

Daraus folgen drei praktische Probleme. Erstens setzt sich das Zeug auf der Haut ab: Du steigst aus der Wanne und bist von dunklen Punkten überzogen, die sich nur mit einer Dusche entfernen lassen, was den Sinn des Bades zu einem guten Teil aufhebt. Zweitens bleibt beim Ablassen ein Ring aus Pflanzenresten am Wannenrand stehen, der antrocknet und dann geschrubbt werden muss. Drittens, und das ist das eigentliche Argument: Der Abfluss. Feine Pflanzenfasern setzen sich im Siphon und im Haarfänger fest, verbinden sich dort mit Seifen- und Fettresten und bilden eine filzige Masse, die das Rohr verengt. Ein einziges Bad merkt man nicht. Nach dem zehnten läuft die Wanne langsam leer.

Die Lösung ist in allen drei Verfahren dieselbe: Das feste Pflanzenmaterial wird zurückgehalten. Beim Aufguss durch ein Sieb, beim Säckchen durch den Stoff, beim Badesalz dadurch, dass gar kein loses Kraut im Rezept steckt, sondern nur Salz und ein verdünntes ätherisches Öl. Wenn du unbedingt ein paar ganze Blüten auf der Wasseroberfläche schwimmen lassen möchtest, nimm eine kleine Handvoll großer, ganzer Blütenblätter und fisch sie vor dem Ablassen mit einem Sieb wieder heraus – das ist Deko, nicht Methode.

Grafik zum Beitrag: Kräuterbad selber machen: Aufguss, Säckchen, Badesalz

Die drei Wege im Vergleich

Alle drei führen zu einem Kräuterbad, aber sie unterscheiden sich in Aufwand, Duftintensität und vor allem in der Haltbarkeit. Die Tabelle stellt sie gegenüber, bevor die Rezepte im Einzelnen kommen.

VerfahrenMenge pro VollbadAufwandHaltbarkeitPasst für
Starker Aufguss, abgeseiht40–60 g getrocknete Kräuter auf 2 l Wasser25 Minuten vorher ansetzen, abseihenkeine – frisch ansetzen, am selben Tag verbrauchenkräftigsten Auszug, Farbe im Wasser
Kräutersäckchen zum Mitbaden30–40 g Mischung im BeutelBeutel füllen, mit dem Wasser einlaufen lassentrocken befüllt 6–9 Monate, nach dem Bad Inhalt wegwenig Geschirr, Vorrat auf Vorrat befüllbar
Trockenes Badesalz mit ätherischem Öl200–300 g Salzeinmal anrühren, dann nur noch abmessen6–12 Monate im geschlossenen GlasVorrat, Geschenk, spontanes Bad
Lose Kräuter direkt ins Wasser–danach Wanne und Siphon reinigen–nichts; machen wir nicht

Die vierte Zeile steht bewusst in der Tabelle, weil sie die häufigste Variante ist. Alle drei sinnvollen Wege lassen sich übrigens kombinieren: Ein Säckchen im Wasser und ein Aufguss dazu ergeben ein sehr kräftiges Bad, und Badesalz verträgt sich gut mit beiden.

Weg eins: der starke Aufguss zum Abseihen

Der Aufguss holt am meisten aus dem Kraut heraus, weil das Material vollständig von kochendem Wasser umgeben ist und zwanzig Minuten Zeit bekommt. Wichtig ist die Konzentration: Ein Kräutertee für die Tasse arbeitet mit etwa 2 g auf 200 ml. Für ein Vollbad mit 120 bis 150 Litern verschwindet so eine Menge spurlos. Deshalb setzt du einen Auszug an, der viel stärker ist, als du ihn trinken würdest, und gibst ihn konzentriert ins fertig eingelassene Wasser.

Zugedeckt ziehen lassen ist kein Detail, sondern der Unterschied zwischen duftendem und geruchlosem Badewasser. Die flüchtigen Bestandteile, die den Geruch ausmachen, gehen mit dem Wasserdampf nach oben. Ohne Deckel hängt der Duft in der Küche und nicht mehr in der Kanne. Ein Topf mit Deckel oder eine große Kanne mit Untertasse obendrauf genügt vollkommen.

Grundrezept: Starker Kräuteraufguss fürs Vollbad (ergibt ca. 2.000 ml, für ein Bad)

  • 25 g getrocknete Kamillenblüten
  • 15 g getrocknete Lavendelblüten
  • 10 g getrocknete Melissenblätter
  • 2.000 ml kochendes Wasser
  • optional 200 g grobes Meersalz für das Badewasser
  1. Kräuter abwiegen und in einen großen Topf oder eine hitzefeste Kanne geben. Grobe Blätter vorher zwischen den Händen zerreiben, das vergrößert die Oberfläche.
  2. Mit kochendem Wasser übergießen und sofort abdecken.
  3. 20 Minuten ziehen lassen. Länger schadet nicht, kürzer bringt spürbar weniger.
  4. Durch ein feines Sieb oder ein sauberes Baumwolltuch abseihen und die Kräuter gut ausdrücken. Im Sieb bleibt genau das zurück, was sonst im Abfluss landen würde.
  5. Wanne mit warmem Wasser füllen, Salz darin auflösen, dann den Aufguss zugießen und einmal durchrühren.
  6. Die ausgedrückten Kräuter kommen auf den Kompost, nicht in den Ausguss.

Haltbarkeit: keine – frisch ansetzen und am selben Tag verbrauchen · Aufbewahrung: nicht vorgesehen; ein unvermeidbarer Rest maximal 2 bis 3 Tage verschlossen im Kühlschrank, bei Trübung, Flocken oder verändertem Geruch wegschütten · Ergiebigkeit: ein Vollbad

Getrocknete Blüten in guter Qualität kannst du selbst ziehen oder fertig kaufen. Wenn du auf Vorrat arbeitest, lohnt die große Packung: Bio-Ringelblumenblüten im 250-g-Beutel* reichen für viele Bäder und lassen sich mit Kamille gut mischen. Für den reinen Kamilleaufguss nimmst du getrocknete Kamillenblüten in Bioqualität*. Zum Abseihen brauchst du kein Spezialwerkzeug, aber ein feines Passiersieb aus Edelstahl* spart Nerven, weil es die kleinen Bruchstücke wirklich zurückhält und nicht nur die groben.

Baumwollsäckchen mit getrockneten Kamillen- und Lavendelblüten, daneben eine Waage mit abgewogenen Kräutern und eine Kanne mit abgeseihtem Aufguss

Glas mit Badesalz, gemischt mit getrockneten Rosen- und Lavendelblüten

Weg zwei: das Kräutersäckchen zum Mitbaden

Das Säckchen auf dem Bild ist der bequemste Weg. Du füllst einen Baumwollbeutel mit der Kräutermischung, bindest ihn zu und hängst ihn beim Einlassen so über den Wasserhahn, dass das heiße Wasser hindurchläuft. Dann schwimmt er im Bad mit. Der Auszug ist schwächer als beim abgeseihten Aufguss, weil das Wasser im Bad nur etwa 37 Grad hat statt 100. Dafür fällt kein Topf an, kein Sieb, und du kannst den Beutel zwischendurch mit der Hand ausdrücken, was jedes Mal einen neuen Schub Duft gibt.

Für den Stoff gilt: fest gewebt, aber nicht zu dicht. Musselin oder ein dünnes Baumwollsäckchen funktionieren gut, ein dicker Filzbeutel lässt kaum etwas durch. Kleine Baumwollbeutel mit Zugband* gibt es im Zehnerpack; sie lassen sich bei 60 Grad waschen und immer wieder verwenden. Wer nichts kaufen möchte, nimmt ein Stück altes Baumwolltuch, legt die Kräuter hinein und bindet es mit Küchengarn zu – ein Kaffeefilter oder Teefilter aus Papier geht auch, hält aber nur ein Bad und reißt leicht.

Grundrezept: Kräutersäckchen-Mischung (ergibt ca. 360 g, für 10 Bäder)

  • 120 g getrocknete Kamillenblüten
  • 100 g getrocknete Melissenblätter
  • 80 g getrocknete Schafgarbe, Blüten und Blattspitzen
  • 60 g getrocknete Lavendelblüten
  • pro Bad: 1 Baumwollbeutel, etwa 10 × 14 cm
  1. Alle Kräuter müssen vollständig durchgetrocknet sein. Blätter, die sich noch biegen lassen statt zu brechen, bringen Restfeuchte in die Mischung und lassen sie im Glas schimmeln.
  2. Grobe Stängel aussortieren, Blätter grob zerreiben, Blüten ganz lassen.
  3. Alles in einer Schüssel mischen und in ein trockenes Schraubglas füllen. Glas mit Inhalt und Datum beschriften.
  4. Pro Bad 30 bis 40 g abwiegen, in den Beutel füllen und fest zubinden. Der Beutel darf höchstens zu zwei Dritteln voll sein, damit sich der Inhalt vollsaugen kann.
  5. Beutel beim Einlassen unter den laufenden heißen Strahl halten, danach im Wasser lassen und alle paar Minuten ausdrücken.
  6. Nach dem Bad den Beutel aufschneiden oder öffnen, den nassen Inhalt auf den Kompost geben und den Stoff sofort ausspülen und trocknen. Ein feuchter Beutel im Wäschekorb schimmelt innerhalb von zwei Tagen.

Haltbarkeit: 6 bis 9 Monate als trockene Mischung im Glas · Aufbewahrung: dunkel, trocken, luftdicht verschlossen; der befüllte, gebrauchte Beutelinhalt wird nicht aufgehoben · Ergiebigkeit: rund 10 Vollbäder

Die Mischung lässt sich frei anpassen. Kamille ist die mildeste Zutat und deshalb ein guter Hauptanteil – wie du sie im Garten ziehst und richtig trocknest, steht unter Kamille anbauen. Lavendel bringt den kräftigsten Duft und ist sparsam zu dosieren, sonst dominiert er alles andere. Melisse riecht frisch und zitronig und verliert beim Trocknen am meisten, nimm davon ruhig mehr. Schafgarbe wird traditionell in Bädern verwendet und gibt der Mischung eine herbe, heuartige Note. Welche Pflanzen sich darüber hinaus für Auszüge eignen und worauf du beim Trocknen achtest, steht ausführlich unter Kräuter für die Hautpflege.

Sammelst du Wildkräuter selbst, gilt die Regel ohne Ausnahme: Nur ernten, was du sicher bestimmen kannst. Schafgarbe lässt sich im jungen Stadium mit anderen Doldenblütlern verwechseln, darunter sehr giftige Arten. Was du nicht zweifelsfrei erkennst, bleibt stehen.

Weg drei: trockenes Badesalz mit ätherischem Öl

Badesalz ist der Weg für Menschen, die abends nicht erst zwanzig Minuten einen Aufguss ziehen lassen möchten. Es besteht aus grobem Salz und einem ätherischen Öl, das vorher auf das trockene Salz gebracht wurde. Getrocknete Blüten gehören optisch dazu, praktisch aber nicht ins Wasser – wenn du sie der Optik wegen einrührst, nimm nur ganze, große Blüten und fisch sie später heraus, oder lass sie gleich weg.

Der entscheidende Punkt sind die ätherischen Öle. Sie lösen sich nicht in Wasser. Tropfst du sie direkt in die Wanne, schwimmen sie als unverdünnte Tröpfchen an der Oberfläche und treffen die Haut in voller Konzentration – das kann reizen, besonders an empfindlichen Stellen. Deshalb gilt ohne Ausnahme: Das ätherische Öl wird erst auf einen Träger gebracht, und der Träger geht ins Wasser. Salz ist der einfachste Träger, ein Pflanzenöl der zweite. Rechne mit 10 bis 15 Tropfen ätherischem Öl auf 500 g Salz; pro Vollbad landen damit etwa 5 bis 8 Tropfen im Wasser, verteilt über 200 bis 300 g Salz. Mehr bringt keinen besseren Duft, sondern nur mehr Reizpotenzial.

Grundrezept: Badesalz mit Lavendel (ergibt ca. 550 g, für 2 Vollbäder)

  • 450 g grobes Meersalz
  • 100 g Natron in Lebensmittelqualität
  • 5 g Pflanzenöl, zum Beispiel süßes Mandelöl (etwa 1 Teelöffel)
  • 12 Tropfen ätherisches Lavendelöl
  • optional 3 g fein zerriebene getrocknete Lavendelblüten, nur für die Optik
  1. Schraubglas heiß ausspülen und kopfüber vollständig trocknen lassen. Restfeuchte lässt das Salz verklumpen.
  2. Salz und Natron in einer trockenen Schüssel mischen.
  3. Pflanzenöl und ätherisches Öl in einer kleinen Tasse verrühren, dann über das Salz träufeln – nicht punktuell an eine Stelle, sondern verteilt.
  4. Mit einem trockenen Löffel gründlich durchmischen, bis kein feuchter Klumpen mehr zu sehen ist. Das dauert etwa eine Minute.
  5. Getrocknete Blüten zuletzt unterheben, abfüllen, Glas beschriften.
  6. Pro Vollbad 200 bis 300 g ins einlaufende Wasser geben und mit der Hand auflösen.

Haltbarkeit: 6 bis 12 Monate · Aufbewahrung: trocken, dunkel, fest verschlossen, Entnahme mit trockenem Löffel · Ergiebigkeit: 2 Vollbäder, ohne Natron gerechnet etwa 2 Bäder mit 250 g

Grobes Salz löst sich langsamer, fühlt sich beim Einstreuen besser an und ist deutlich günstiger als jede fertige Mischung: Ein Kilopaket grobes Meersalz* reicht für etwa vier Vollbäder. Das Natron im Kilopaket* macht das Wasser weicher und ist optional. Beim ätherischen Öl lohnt sich Qualität, weil du es sehr sparsam einsetzt und lange davon hast: Ein Bio-Lavendelöl mit Pipette* ist der ruhigste Einstieg, weil der Duft fast jedem zusagt. Abgefüllt wird in ein weithalsiges Vorratsglas mit Bügelverschluss*, in das ein Löffel passt.

Zu den ätherischen Ölen gehören vier Sätze, die nicht verhandelbar sind. Erstens: nie unverdünnt ins Wasser, immer erst auf Salz oder Pflanzenöl. Zweitens: Vor der ersten Anwendung machst du einen Armbeugentest – einen Tropfen der fertigen, verdünnten Mischung in die Armbeuge geben, 24 Stunden abwarten, die Stelle nicht waschen; bei Rötung, Juckreiz oder Brennen nicht verwenden. Drittens: nichts davon für Babys und Kleinkinder, in Schwangerschaft und Stillzeit nur nach Rücksprache. Viertens: nicht in die Augen, und Zitrusöle nicht vor einem Sonnenbad. Ganz ohne ätherisches Öl ist das Badesalz übrigens genauso brauchbar – dann riecht es nach Salz und nach den Kräutern, die du sonst noch ins Wasser gibst.

Trocken hält, Wasser nicht: der Unterschied, auf den es ankommt

Dieser Beitrag enthält zwei Rezepte, die monatelang halten, und eins, das gar nicht haltbar ist. Der Grund ist derselbe, der sich durch die ganze Rezeptreihe zieht, und er lässt sich in einem Satz sagen: Kein Wasser, keine Keime, kein Konservierungsmittel.

Badesalz und die trockene Kräutermischung enthalten keine wässrige Phase. Salz bindet das bisschen Luftfeuchtigkeit, das hineinkommt, getrocknete Kräuter haben einen Restwassergehalt, bei dem sich nichts vermehren kann. Solange das Glas trocken bleibt und du mit einem trockenen Löffel entnimmst, passiert dort über Monate nichts. Das ist kein Trick, sondern schlicht Physik – ohne verfügbares Wasser gibt es keine Vermehrung.

Der Aufguss ist das genaue Gegenteil. Er besteht fast vollständig aus Wasser und enthält gelöste Pflanzenbestandteile, also Nahrung. Bei Zimmertemperatur ist er eine Nährlösung, in der sich Keime innerhalb von ein bis zwei Tagen vermehren, ohne dass man es zwingend sieht oder riecht. Deshalb wird er unmittelbar vor dem Bad angesetzt, abgeseiht, benutzt – und nicht in eine Flasche für nächste Woche gefüllt. Falls doch ein Rest übrig bleibt: kleine Menge, verschlossen in den Kühlschrank, innerhalb von zwei bis drei Tagen verwenden, und bei Trübung, Flocken oder verändertem Geruch wegschütten statt riskieren. Neu aufgießen dauert zwanzig Minuten und kostet ein paar Gramm Kraut.

Wenn du den Vorrat willst, aber nicht jedes Mal aufgießen möchtest, ist die Kombination aus Badesalz und Säckchen die praktische Antwort: beides trocken, beides monatelang haltbar, beides in zwei Minuten einsatzbereit. Der Aufguss bleibt dann für die Abende reserviert, an denen du ohnehin in der Küche stehst. Mehr zum Prinzip dahinter steht unter Naturkosmetik ohne Konservierung.

Temperatur, Dauer und was nach dem Bad kommt

Die Zahlen sind unspektakulär, entscheiden aber darüber, ob du dich danach wohlfühlst oder ausgetrocknet und schlapp aus der Wanne steigst.

  • Temperatur: 36 bis 38 Grad. Das ist ungefähr Körpertemperatur, also angenehm warm, aber nicht heiß. Über 40 Grad belastet das den Kreislauf spürbar und trocknet die Haut zusätzlich aus. Ein einfaches Badethermometer* kostet wenig und nimmt das Raten heraus.
  • Dauer: 15 bis 20 Minuten. Danach hat sich das Wasser ohnehin abgekühlt, und die Hautbarriere quillt merklich auf. Länger ist nicht entspannender, sondern nur anstrengender.
  • Häufigkeit: ein- bis zweimal pro Woche. Tägliches warmes Vollbad entfettet die Haut, auch ohne jeden Zusatz.
  • Kein Schaumbad dazu. Tenside entfetten, und sie binden einen Teil dessen, was du gerade aus den Kräutern geholt hast. Salz, Aufguss und Säckchen vertragen sich untereinander, Duschgel passt nicht dazu.

Nach dem Bad kommt der Schritt, den die meisten überspringen. Trockne dich nicht trocken, sondern tupfe dich ab – reiben entfernt Hautfett, das du gerade brauchst. Lass einen Rest Feuchtigkeit auf der Haut stehen und creme innerhalb der ersten drei Minuten ein, solange die Haut noch feucht ist. Dann schließt das Fett die Feuchtigkeit ein, statt sie von einer bereits trockenen Oberfläche abzuschirmen. Eine einfache selbst gerührte Körperbutter aus Sheabutter und Öl reicht dafür vollkommen. Und wenn die Füße der eigentliche Grund für das Bad waren, geht es mit Peeling und festem Balsam weiter, wie unter Fußpflege selber machen beschrieben.

Noch ein Wort zur Wanne: Wenn du Pflanzenöl ins Badewasser gibst, wird der Boden rutschig. Steig vorsichtig aus, halte dich fest und spüle die Wanne danach heiß nach – nicht erst am nächsten Morgen, weil sich der Ölfilm sonst mit dem Salzrand verbindet und dann wirklich Arbeit macht.

Wann ein warmes Vollbad die falsche Idee ist

Ein Kräuterbad ist ein Ritual aus Wärme und Duft. Es ist keine Behandlung, und es gibt Situationen, in denen ein warmes Vollbad den Körper unnötig belastet. Selbstgemachte Pflege ersetzt keine ärztliche Beratung – bei den folgenden Punkten gilt: erst abklären, dann baden.

  • Kreislaufprobleme und niedriger Blutdruck. Warmes Wasser weitet die Gefäße, beim Aufstehen sackt der Druck ab. Wer dazu neigt, badet kürzer, kühler, nie allein in der Wohnung und steht langsam auf. Ein Glas Wasser neben der Wanne ist keine schlechte Angewohnheit.
  • Herzerkrankungen und Bluthochdruck. Ein Vollbad ist eine Kreislaufbelastung, vergleichbar mit leichter körperlicher Anstrengung. Ob und wie warm gebadet werden darf, klärst du mit deiner behandelnden Praxis, nicht mit einem Ratgebertext.
  • Fieber und akute Infekte. Bei erhöhter Temperatur wird nicht warm gebadet. Der Körper ist ohnehin damit beschäftigt, seine Temperatur zu regeln; zusätzliche Wärme von außen macht die Sache schwerer, nicht leichter.
  • Offene Hautstellen, Wunden, Ekzeme, frische Narben. In Salzwasser gehören sie nicht, in ein Kräuterbad ebenso wenig. Bei Ekzemen, Schuppenflechte oder unklaren Hautveränderungen gehört die Haut in eine Praxis, nicht in die Wanne.
  • Schwangerschaft. Hier gelten andere Regeln: eher kürzer, eher kühler, deutlich unter 38 Grad, und ätherische Öle nur nach Rücksprache mit Hebamme oder Praxis. Manche Öle werden in der Schwangerschaft ausdrücklich nicht empfohlen.
  • Ausgeprägte Krampfadern und Venenbeschwerden. Wärme weitet die Venen zusätzlich. Wenn du trotzdem badest, dann kürzer und kühler, und leg die Beine danach hoch.
  • Bekannte Allergien gegen Korbblütler. Kamille, Ringelblume und Schafgarbe gehören alle zu dieser Familie. Wer darauf reagiert, lässt sie weg und nimmt stattdessen Lavendel oder Melisse – und macht auch dann den Armbeugentest.

Für alle anderen gilt: langsam einsteigen, nicht zu heiß, nicht zu lange, danach eincremen. Das ist der ganze Trick.

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FAQ – Kräuterbad selber machen

Wie viele Kräuter brauche ich für ein Vollbad?

Für den abgeseihten Aufguss 40 bis 60 Gramm getrocknete Kräuter auf 2 Liter Wasser, für das Kräutersäckchen 30 bis 40 Gramm im Beutel. Frische Kräuter rechnest du etwa doppelt, weil sie noch Wasser enthalten. Badesalz dosierst du mit 200 bis 300 Gramm pro Vollbad.

Kann ich Kräuter einfach so ins Badewasser werfen?

Besser nicht. Getrocknete Blüten zerfallen im heißen Wasser in viele kleine Bruchstücke, die auf der Haut kleben, am Wannenrand antrocknen und sich im Siphon mit Seifenresten zu einem Pfropfen verbinden. Seih den Aufguss ab oder benutze ein Säckchen – der Duft ist derselbe, die Reinigung entfällt.

Wie lange hält selbst gemachtes Badesalz?

Sechs bis zwölf Monate, wenn es trocken, dunkel und fest verschlossen steht und du mit einem trockenen Löffel entnimmst. Es enthält kein Wasser, deshalb braucht es kein Konservierungsmittel. Der Kräuteraufguss dagegen ist fast reines Wasser und wird jedes Mal frisch angesetzt.

Wie viele Tropfen ätherisches Öl kommen ins Bad?

10 bis 15 Tropfen auf 500 Gramm Badesalz, also etwa 5 bis 8 Tropfen pro Vollbad. Nie direkt ins Wasser tropfen, weil sich ätherische Öle nicht in Wasser lösen und unverdünnt auf der Oberfläche schwimmen. Vor der ersten Anwendung gehört ein Armbeugentest über 24 Stunden dazu.

Wie warm und wie lange soll ein Kräuterbad sein?

36 bis 38 Grad und 15 bis 20 Minuten, ein- bis zweimal pro Woche. Heißer belastet den Kreislauf und trocknet die Haut aus, länger bringt nichts. Bei Kreislaufproblemen, Herzerkrankungen, Fieber oder in der Schwangerschaft gelten andere Regeln – im Zweifel ärztlich abklären.

Weiterlesen: Kräuter für die Hautpflege · Körperpeeling selber machen · Körperpflege selber machen

Über diesen Ratgeber

Dieser Artikel wurde von der Redaktion von svsger.de erstellt, dem Ratgeber für rein pflanzliche Selbstversorgung. Alle Rezepte dieser Serie sind vegan und kommen ohne tierische Rohstoffe aus. Die Mengenangaben beruhen auf gängiger Fachliteratur zur handwerklichen Pflegemittelherstellung und auf eigenen Versuchen in haushaltsüblichen Mengen; die Angaben zu Kamille, Lavendel, Melisse und Schafgarbe geben überliefertes Erfahrungswissen wieder. Die Menge pro Vollbad hängt davon ab, wie voll deine Wanne ist – die Zahlen hier beziehen sich auf rund 120 bis 150 Liter. Selbstgemachte Pflege ersetzt keine ärztliche Beratung.

Zuletzt aktualisiert: September 2026