
Von November bis März frische Blätter schneiden, während draußen alles ruht – genau das leistet ein Wintergewächshaus. Dafür brauchst du keine teure Heizung, sondern vor allem die richtigen Kulturen, eine gute Isolierung und die passende Aussaatzeit im Spätsommer. Dieser Beitrag zeigt dir, welches Gemüse im Winter wirklich wächst, wie du Frost abhältst, wann sich Heizen lohnt und warum Lüften im Winter genauso wichtig ist wie im Sommer.
Das Wichtigste in Kürze
- Der wichtigste Termin liegt im Spätsommer: Wintergemüse muss bis Ende Oktober kräftig sein.
- Feldsalat, Winterportulak, Asia-Salate, Spinat und Grünkohl kommen ohne Heizung durch den Winter.
- Ab November wächst kaum etwas nach – das Gewächshaus ist dann vor allem ein frisches Lager auf dem Beet.
- Eine zweite Schicht Vlies über den Kulturen bringt mehr als teures Heizen.
- An sonnigen Tagen kurz lüften, sonst drohen Grauschimmel und Falscher Mehltau.
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Wintergemüse: Was von November bis März wirklich funktioniert
Im Winter ist nicht die Kälte der begrenzende Faktor, sondern das Licht. Von Anfang November bis etwa Mitte Februar liegt die Tageslänge in Deutschland unter zehn Stunden, und das Wachstum kommt fast zum Stillstand. Deshalb gilt die Grundregel: Alles, was du im Winter erntest, muss im Herbst herangewachsen sein. Säst du zu spät, bleiben die Pflanzen winzig und legen erst im Februar wieder los.
| Kultur | Aussaat im Gewächshaus | Ernte | Frosthärte |
|---|---|---|---|
| Feldsalat (‚Vit‘, ‚Verte de Cambrai‘) | Mitte August bis Anfang Oktober | November bis März | sehr hoch, bis etwa −15 °C |
| Winterportulak (Postelein) | September bis Oktober | Dezember bis April | hoch, treibt nach Schnitt nach |
| Asia-Salate (Mizuna, Senfsalat) | Ende August bis Ende September | Oktober bis Februar | mittel bis hoch |
| Winterspinat (‚Matador‘, ‚Winterriesen‘) | September | November, dann wieder ab Februar | hoch |
| Winterkopfsalat (‚Winterbutterkopf‘) | Ende September, Pflanzung Oktober | März bis April | mittel, mit Vlies |
| Grünkohl, Palmkohl | Pflanzung im Juli/August | November bis Februar | sehr hoch |
| Radieschen, Rucola | Anfang September oder ab Februar | Oktober bzw. ab März | mittel |
Frost verbessert bei Grünkohl und Feldsalat sogar den Geschmack, weil die Pflanzen Zucker als Frostschutz einlagern. Tipps zu Sorten und Pflege findest du unter Grünkohl anbauen und Spinat anbauen. Ein Bio-Feldsalat-Saatgut* ist der einfachste Einstieg in den Winteranbau.
Isolieren statt heizen
Ein unbeheiztes Gewächshaus hält Regen, Wind und den schlimmsten Frost ab. Je besser du isolierst, desto zuverlässiger bleibt es darin frostfrei genug für Blattgemüse.
- Hülle: Doppelstegplatten aus Polycarbonat dämmen deutlich besser als Einfachglas. Bei einem Glashaus hilft eine innen angebrachte Noppenfolie*, die allerdings etwas Licht schluckt. Bringe sie deshalb nur an der Nordseite und in den Giebeln an.
- Zweite Schicht direkt über den Pflanzen: Ein Tunnel aus Bügeln mit Winterschutzvlies* im Gewächshaus wirkt wie eine Klimazone zweiter Ordnung und schützt die Kulturen um einige Grad zusätzlich.
- Kältebrücken schließen: Türen und Lüftungsklappen abdichten, Ritzen am Sockel mit Dichtband schließen. Eine Dämmplatte, 30–40 cm tief rings um das Fundament eingegraben, bremst die Kälte aus dem Boden.
- Wärme speichern: Schwarz gestrichene Wasserfässer oder Kanister an der Nordwand nehmen tagsüber Sonnenwärme auf und geben sie nachts ab. Eine Miete aus Laub und Grünschnitt im Gewächshaus erzeugt beim Verrotten zusätzlich Wärme.
- Mulchen: Eine dünne Schicht Stroh oder Laub zwischen den Pflanzen hält die Bodenwärme.
Wie du Standort, Größe und Material grundsätzlich wählst, liest du im Beitrag Gewächshaus-Planung. Für den Einstieg reicht oft ein Foliengewächshaus* an einer geschützten Südwand.
Wann sich Heizen lohnt
Für reines Wintergemüse brauchst du keine Heizung. Sinnvoll wird sie erst, wenn du frostempfindliche Kübelpflanzen überwinterst oder im Februar früher mit der Anzucht starten willst. Rechne realistisch: Eine Heizung mit einem Kilowatt verbraucht in 24 Stunden Dauerbetrieb 24 Kilowattstunden – über Wochen summiert sich das erheblich.
- Frostwächter mit Thermostat: Ein Gewächshaus-Frostwächter* springt nur an, wenn es kritisch wird, und hält etwa 3–5 °C.
- Kleine Zone statt ganzem Haus: Ein abgetrennter Bereich mit Folie lässt sich viel günstiger frostfrei halten.
- Nur nachts und bei Extremfrost: Tagsüber genügt meist die Sonne, selbst im Januar.
- Elektrik prüfen: Nutze Außensteckdosen mit Fehlerstromschutz und Kabel für den Außenbereich.
Ein Min-Max-Thermometer* zeigt dir, wie kalt es nachts tatsächlich wird. Oft stellt sich heraus, dass es im gut isolierten Haus gar nicht so weit herunter geht wie befürchtet.
Lüften und Gießen im Winter
Der häufigste Fehler im Wintergewächshaus ist zu viel Feuchtigkeit. Bei kühlen Temperaturen trocknen Blätter kaum ab, und Grauschimmel oder Falscher Mehltau breiten sich auf Feldsalat und Wintersalat schnell aus.
- Mittags stoßlüften: An sonnigen oder milden Tagen Tür und Klappe 20 bis 60 Minuten öffnen, bis die feuchte Luft ausgetauscht ist.
- Zugluft vermeiden: Nicht bei starkem Frost oder eisigem Wind auf der Wetterseite öffnen.
- Morgens gießen: Dann trocknen die Blätter bis zum Abend ab. Gieße direkt an die Wurzeln und nicht über das Laub.
- Sparsam wässern: Der Wasserbedarf liegt bei einem Bruchteil des Sommerwerts. Oft reicht alle ein bis zwei Wochen ein Durchdringen der obersten Erdschicht.
- Vlies tagsüber öffnen: Die zweite Abdeckung nachts schließen, tagsüber zurückschlagen, damit Licht und Luft an die Pflanzen kommen.
Was im Winter sonst zu tun ist
Räume Schnee zügig vom Dach, vor allem bei Folien- und Stegplattenhäusern, denn nasser Schnee ist schwer und drückt die Konstruktion. Kontrolliere regelmäßig auf Blattläuse, die in der geschützten Umgebung auch im Winter aktiv bleiben, und auf Schnecken unter Vlies und Brettern. Mäuse suchen im Gewächshaus Unterschlupf – lagere deshalb kein Saatgut dort. Ernte Feldsalat nie im gefrorenen Zustand, sondern warte, bis die Blätter aufgetaut sind, sonst werden sie matschig.
Realistische Erwartungen
Ein Wintergewächshaus ersetzt keine Sommersaison. Realistisch sind über die kalten Monate regelmäßig Salate, Kräuter und einzelne Portionen Blattgemüse für die Küche – genug, um nicht komplett auf Frisches verzichten zu müssen. Wer zusätzlich Lagergemüse wie Möhren, Kohl und Pastinaken einlagert, deckt den Winter gut ab. Ab Mitte Februar zieht das Wachstum spürbar an, und das Gewächshaus wird zum Startpunkt für die neue Saison: Radieschen, Spinat und Pflücksalat lassen sich dann direkt säen, während auf der Fensterbank schon Paprika und Sellerie keimen.
FAQ – Wintergewächshaus
Brauche ich eine Heizung im Wintergewächshaus?
Für Feldsalat, Winterportulak, Asia-Salate und Grünkohl nicht. Eine Heizung lohnt sich nur zum Überwintern empfindlicher Pflanzen oder für eine sehr frühe Anzucht.
Wann muss ich Wintergemüse aussäen?
Zwischen Mitte August und Anfang Oktober, je nach Kultur. Zu späte Aussaaten bleiben klein und wachsen erst im Februar weiter.
Wie oft muss ich im Winter lüften?
An jedem sonnigen oder milden Tag kurz, damit feuchte Luft entweicht. Bei Dauerfrost und starkem Wind bleibt das Haus geschlossen.
Muss ich im Winter gießen?
Ja, aber deutlich weniger als im Sommer. Gieße morgens, sparsam und direkt an die Wurzeln, um Pilzkrankheiten zu vermeiden.
Wächst im Dezember und Januar überhaupt etwas?
Kaum. Bei unter zehn Stunden Tageslicht ruhen die Pflanzen weitgehend. Du erntest dann den im Herbst aufgebauten Bestand.
Weiterlesen: Gartenpflege im Winter · Gemüse einlagern ohne Keller · Gemüseanbau im Februar
Über diesen Ratgeber
Dieser Artikel wurde von der Redaktion von svsger.de erstellt, dem Ratgeber für rein pflanzliche Selbstversorgung. Die Angaben zu Aussaatterminen, Frosthärte und Winterkulturen stützen sich auf gängige Gartenbau-Fachliteratur, Empfehlungen von Landwirtschaftskammern zum geschützten Anbau und Sortenbeschreibungen. Wie kalt und hell es in deinem Gewächshaus tatsächlich wird, hängt stark von Region, Bauart und Standort ab.
Zuletzt aktualisiert: September 2026