Grünkohl anbauen: Aussaat, Sorten, Pflege und Winterernte

Grünkohl anbauen für frisches Wintergemüse: Aussaat im Mai, Abstände, samenfeste Sorten, Schutz vor Kohlweißling und Ernte von Oktober bis März.

Krause Grünkohlpflanzen mit Raureif im winterlichen Gemüsebeet

Wenn im Winter die meisten Beete leer sind, steht der Grünkohl noch kräftig im Garten und liefert frische Blätter bis ins Frühjahr. Wer Grünkohl anbauen möchte, sät im späten Frühjahr und kann ihn wunderbar als Nachkultur nach Frühkartoffeln oder Erbsen setzen. Er ist robust und winterhart, braucht aber guten Boden und Schutz vor Kohlschädlingen. In diesem Ratgeber erfährst du alles über Aussaat, Abstände, samenfeste Sorten, Schädlingsschutz und Ernte.

Das Wichtigste in Kürze

  • Aussaat im Mai und Juni, Auspflanzen von Mitte Juni bis Mitte Juli.
  • Abstand: 40–50 cm in der Reihe, 50–60 cm zwischen den Reihen.
  • Grünkohl ist winterhart bis etwa minus 15 °C, Kälte macht die Blätter milder.
  • Ein Kulturschutznetz ab dem Pflanzen hält Kohlweißling, Kohlfliege und Erdflöhe fern.
  • Ernte von unten nach oben, das Herz bleibt stehen – so erntest du monatelang.

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Anbau-Steckbrief: Grünkohl auf einen Blick

MerkmalAngabe
Botanischer NameBrassica oleracea var. sabellica, Kreuzblütler
NährstoffbedarfMittel- bis Starkzehrer
StandortSonnig bis halbschattig, humos, pH 6,5–7,5
AussaatMai bis Mitte Juni, 1–2 cm tief
AuspflanzenMitte Juni bis Mitte Juli
Abstand40–50 cm in der Reihe, 50–60 cm zwischen den Reihen
ErnteOktober bis März
Gute NachbarnSellerie, Salat, Spinat, Rote Bete, Tomaten
Schlechte NachbarnAndere Kohlarten, Zwiebeln, Knoblauch, Erdbeeren

Samenfeste Grünkohlsorten

Grünkohl gibt es in vielen Formen: stark gekraust, glattblättrig, grün, rot oder fast schwarz. Samenfeste Sorten sind für Selbstversorger besonders wertvoll, weil du im zweiten Jahr Saatgut gewinnen kannst. Beachte, dass sich alle Kohlarten der Art Brassica oleracea untereinander kreuzen. Samenfestes Grünkohl-Saatgut* gibt es auch als bunte Mischung.

SorteWuchsEigenschaften
Halbhoher Grüner Krauser40–60 cm, kompaktStandardsorte, stark gekraust, standfest
LerchenzungenHochAlte Sorte, fein gekrauste, zarte Blätter, sehr winterhart
Ostfriesische PalmeBis über 1 mRegionale Traditionssorte, lange Erntezeit
Nero di Toscana (Palmkohl)60–90 cmDunkle, glatte Blätter, würzig, etwas weniger frosthart
Red Russian50–70 cmRote Stiele, zarte Blätter, auch für Babyleaf

Aussaat, Anzucht und Auspflanzen

Säe Grünkohl von Mai bis Mitte Juni in Töpfe, Multitopfplatten oder ein Anzuchtbeet im Freien. Die Samen keimen bei 15–20 °C innerhalb von fünf bis zehn Tagen. Sobald die Jungpflanzen vier bis sechs echte Blätter haben – nach etwa fünf bis sechs Wochen – kommen sie ins Beet. Durch die späte Pflanzung kann Grünkohl ideal auf Beete folgen, auf denen vorher Frühkartoffeln, Erbsen oder Salat standen.

  1. Beet lockern und 3–5 Liter reifen Kompost pro Quadratmeter einarbeiten.
  2. Pflanzlöcher im Abstand von 40–50 cm ausheben.
  3. Jungpflanzen etwas tiefer setzen als im Topf, bis knapp unter die ersten Blätter.
  4. Erde fest andrücken – Kohl braucht guten Bodenschluss – und kräftig angießen.
  5. Sofort ein Kulturschutznetz überspannen und die Ränder dicht abschließen.

Kreuzblütler solltest du nur alle vier Jahre auf dieselbe Fläche setzen. Das beugt der gefürchteten Kohlhernie vor, einem Bodenpilz, der Wurzeln zu knotigen Wucherungen verformt und viele Jahre im Boden bleibt. Wie du Kohl sinnvoll in den Anbauplan einordnest, zeigt der Ratgeber Fruchtfolge planen.

Pflege: Düngen, Anhäufeln, Mulchen

Grünkohl wächst im Sommer und Frühherbst am stärksten. Halte den Boden in dieser Zeit gleichmäßig feucht und lege eine Mulchschicht aus Rasenschnitt aus. Im Juli und August kannst du alle zwei bis drei Wochen mit verdünnter Brennnesseljauche (1:10) oder einem pflanzlichen Vinasse-Flüssigdünger* nachdüngen. Wie du Jauchen selbst ansetzt, erklärt der Ratgeber Dünger selbst herstellen. Ab Mitte September düngst du nicht mehr, damit das Gewebe vor dem Winter ausreift und frostfest wird.

Hohe Sorten werden im Herbst kopflastig. Häufle die Stämme im August 10–15 cm hoch mit Erde an. Das fördert zusätzliche Wurzeln und verhindert, dass Herbststürme die Pflanzen umwerfen. In windigen Lagen hilft zusätzlich ein Stab.

Schädlinge und Krankheiten

Die Raupen von Kohlweißling und Kohleule fressen Löcher in die Blätter, die Maden der Kohlfliege schädigen die Wurzeln junger Pflanzen und Erdflöhe durchlöchern Blätter bei trockener Hitze. Den zuverlässigsten Schutz bietet ein engmaschiges Kulturschutznetz* mit höchstens 1 mm Maschenweite, das von der Pflanzung bis Oktober liegen bleibt. Kontrolliere trotzdem regelmäßig die Blattunterseiten und entferne Eigelege von Hand.

Die Kohlmottenschildlaus (Weiße Fliege) sitzt oft in Massen unter den Blättern. Entferne stark befallene untere Blätter und spritze die Pflanzen mit einem scharfen Wasserstrahl ab. Nützlinge wie Schlupfwespen und Marienkäfer helfen, wenn du blühende Pflanzen in der Nähe hast. Bei Mehliger Kohlblattlaus genügt es meist, befallene Triebe abzuschneiden. Gegen Kohlhernie hilft nur Vorbeugung durch Fruchtfolge und einen nicht zu sauren Boden.

Ernte, Frost und Haltbarmachen

Die Ernte beginnt ab Oktober. Pflücke immer die unteren, voll entwickelten Blätter und lass das Herz stehen – so treibt die Pflanze weiter. Dass Grünkohl unbedingt Frost braucht, ist ein Mythos: Kälte bremst lediglich den Stoffwechsel, sodass sich mehr Zucker in den Blättern anreichert und der Geschmack milder wird. Das passiert auch bei kühlen Nächten knapp über null Grad. Ernte nicht bei gefrorenen Blättern, sondern warte, bis sie aufgetaut sind. Ein Erntekorb* ist praktisch für größere Mengen. Im März schieben die Pflanzen zarte Blütentriebe, die du wie Brokkoli zubereiten kannst.

Für den Vorrat blanchierst du die Blätter zwei bis drei Minuten, schreckst sie kalt ab und frierst sie portionsweise ein. Knusprige Grünkohlchips gelingen im Dörrautomaten* bei etwa 45–50 °C: Blätter mit etwas Öl, Salz und Hefeflocken mischen und mehrere Stunden trocknen. Klassisch schmeckt Grünkohl geschmort mit Zwiebeln, Senf, Kartoffeln und Räuchertofu. Tipps, wie du das restliche Gemüsebeet über den Winter bringst, findest du im Ratgeber Gartenpflege im Winter.

Grünkohl-Saatgut ansehen*

FAQ – Grünkohl anbauen

Muss Grünkohl Frost abbekommen, bevor ich ernte?

Nein. Kühle Temperaturen machen ihn milder, aber du kannst jederzeit ernten, sobald die Blätter groß genug sind.

Wie viele Pflanzen brauche ich?

Für einen Zwei-Personen-Haushalt reichen meist sechs bis zehn Pflanzen, da du über viele Monate immer wieder Blätter nimmst.

Kann ich Grünkohl im Hochbeet oder Kübel anbauen?

Ja, halbhohe Sorten eignen sich gut. Ein Kübel sollte mindestens 20 Liter fassen und im Winter vor dem Durchfrieren der Wurzeln geschützt werden.

Warum sind meine Grünkohlblätter gelb?

Ältere untere Blätter vergilben natürlich. Werden auch junge Blätter gelb, deutet das auf Stickstoffmangel, Trockenheit oder Kohlhernie hin.

Wie lange kann ich ernten?

Meist von Oktober bis März. Sobald die Pflanzen im Frühjahr blühen, werden die Blätter zäh, dann ist die Saison vorbei.

Weiterlesen: Kartoffeln anbauen · Mischkultur-Tabelle · Selbstversorger-Anbaukalender

Über diesen Ratgeber

Dieser Artikel wurde von der Redaktion von svsger.de erstellt, dem Ratgeber für rein pflanzliche Selbstversorgung. Die Angaben basieren auf gängiger Gartenbau-Fachliteratur, Empfehlungen von Landwirtschaftskammern und Sortenbeschreibungen ökologischer Saatgutanbieter. Termine und Frosthärte können je nach Region, Lage und Sorte abweichen.

Zuletzt aktualisiert: September 2026

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