
Lakritz kommt nicht aus der Fabrik, sondern aus dem Boden. Wer Süßholz anbauen will, pflanzt eine mehrjährige Staude, die über Jahre kaum Arbeit macht und dann eine Wurzelernte liefert, die es so im Handel selten gibt. Zwei Dinge musst du vorher wissen: Die Pflanze braucht tiefen, lockeren Boden, und sie treibt kräftige Ausläufer. Dieser Ratgeber zeigt Standort, Vermehrung, Winterschutz, die Ernte ab dem dritten Jahr und die Verarbeitung der Wurzeln.
Das Wichtigste in Kürze
- Süßholz ist mehrjährig und in Deutschland bedingt winterhart – in milden Lagen mit Winterschutz im Beet, in rauen Lagen im Kübel.
- Der Boden muss tiefgründig, sandig und locker sein, denn die Wurzeln reichen bis etwa einen Meter tief.
- Vermehrt wird fast immer über Wurzelausläufer; die Aussaat funktioniert, dauert aber sehr lange.
- Geerntet wird erst ab dem dritten bis vierten Standjahr, im Herbst nach dem Einziehen des Laubs.
- Die Pflanze breitet sich über Ausläufer stark aus – eine Wurzelsperre spart später viel Arbeit.

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Was Süßholz für eine Pflanze ist
Glycyrrhiza glabra ist ein Schmetterlingsblütler aus dem Mittelmeerraum und Vorderasien. Oberirdisch wächst eine buschige, 100 bis 150 cm hohe Staude mit gefiederten Blättern und unscheinbaren bläulichen Blüten im Juni und Juli. Das eigentlich Interessante liegt unter der Erde: eine kräftige Pfahlwurzel und ein weit verzweigtes System waagerechter Ausläufer, aus denen jedes Jahr neue Triebe kommen.
Als Leguminose arbeitet Süßholz mit Knöllchenbakterien zusammen und versorgt sich selbst gut mit Stickstoff. Das macht die Kultur genügsam, verlangt aber Geduld: Die ersten beiden Jahre passiert oberirdisch wenig Spektakuläres, während sich unten das Wurzelwerk aufbaut. Wer mit dem Gedanken spielt, mehrere ausdauernde Arten zusammen zu setzen, findet in Kräutergarten anlegen eine passende Grundplanung.
Standort und Boden: tief, sandig, warm
Süßholz will volle Sonne und einen windgeschützten, warmen Platz, idealerweise an einer Südwand. Entscheidend ist der Boden. Er sollte mindestens 60 bis 80 cm tief locker sein, sandig-lehmig, durchlässig und eher kalkhaltig. Auf schwerem, verdichtetem Lehm bleiben die Wurzeln kurz, drehen ab und lassen sich später kaum sauber ernten.
Lockere den Pflanzplatz vor dem Setzen gründlich, am besten zwei Spatenstiche tief, und arbeite reichlich Sand ein. Mit einer Grabegabel aus Edelstahl* geht das, ohne den Bodenaufbau völlig umzudrehen. Gedüngt wird rein pflanzlich und sparsam: zwei bis drei Liter reifer Kompost je Quadratmeter im Frühjahr, dazu eine Handvoll Urgesteinsmehl* für Kalium und Spurenelemente. Verdünnte Brennnesseljauche darf im Juni einmal dazukommen, mehr nicht – zu viel Stickstoff treibt Blattmasse auf Kosten der Wurzel. Wie du solche Jauchen ansetzt, steht in Dünger selbst herstellen.
Wurzelsperre einplanen
Süßholz wandert. Die Ausläufer schieben pro Jahr 40 bis 80 cm zur Seite und tauchen irgendwann mitten im Gemüsebeet wieder auf. Setze die Pflanze deshalb entweder in einen abgegrenzten Bereich mit einer Rhizomsperre*, die 60 cm tief reicht, oder gleich in einen großen Kübel. Die Grafik oben fasst Pflanztiefe, Abstände und Erntezeitpunkt zusammen.
Vermehrung: Ausläufer statt Aussaat
In der Praxis wird Süßholz über Wurzelstücke vermehrt. Das geht schnell, ist sortenecht und spart ein ganzes Jahr.
- Zeitpunkt: Oktober bis November oder März, solange die Pflanze ruht.
- Wurzelstücke schneiden: 10 bis 15 cm lange Ausläuferstücke mit mindestens einer sichtbaren Knospe.
- Waagerecht legen, etwa 8 bis 10 cm tief mit Erde bedecken und angießen.
- Abstand: 80 bis 100 cm zwischen den Pflanzen, sie werden breit.
- Im ersten Sommer gleichmäßig feucht halten, danach reicht Regen meist aus.
Die Aussaat ist möglich, aber langwierig. Die Samen haben eine harte Schale, brauchen 24 Stunden Vorquellen oder leichtes Anrauen und keimen bei 20 bis 25 °C ungleichmäßig über drei bis sechs Wochen. Bis zur ersten Ernte vergehen dann leicht fünf Jahre. Wer trotzdem sät, nutzt am besten ein Zimmergewächshaus mit Haube*. Schneller ist der Kauf einer fertigen Süßholz-Jungpflanze*.
Winterschutz und Kübelkultur
Süßholz verträgt etwa minus 15 °C, wenn der Boden durchlässig ist und die Pflanze eingewachsen ist. Kritisch sind nasse Winter und Kahlfröste. Schneide die abgestorbenen Triebe im Spätherbst handbreit über dem Boden ab und häufle die Basis mit Laub, Stroh oder grobem Kompost an. Junge Pflanzen im ersten und zweiten Jahr brauchen diesen Schutz auf jeden Fall.
In rauen Lagen und auf schwerem Boden ist der Kübel die sichere Variante. Er sollte mindestens 50 cm tief und 40 cm breit sein, besser größer, mit klarer Drainageschicht. Ein stabiles Pflanzsack-Set* funktioniert ebenfalls und lässt sich zur Ernte einfach umkippen. Überwintert wird frostfrei bis kühl bei 0 bis 8 °C, dunkel ist in Ordnung, da die Pflanze ohnehin einzieht. Weitere Hinweise zum Abhärten findest du in Gartenpflege im Winter.
Ernte ab dem dritten Jahr
Vor dem dritten Standjahr lohnt die Ernte nicht: Die Wurzeln sind dünn, faserig und enthalten wenig Aroma. Ideal ist das dritte bis vierte Jahr, geerntet wird im Oktober oder November, sobald das Laub gelb wird und einzieht. Dann sind die Reservestoffe in der Wurzel.
Grabe die Pflanze großzügig aus, am besten von außen nach innen mit der Grabegabel, und folge den Ausläufern. Nimm die dickeren Stränge ab und setze einige Wurzelstücke mit Knospen sofort wieder ein – so läuft die Kultur ohne Neukauf weiter. Ein Erntekorb* und feste Gartenhandschuhe* sind bei dieser Grabearbeit praktisch.
| Standjahr | Was passiert | Deine Aufgabe | Ernte |
|---|---|---|---|
| Jahr 1 | Anwachsen, 30 bis 60 cm Trieb | gießen, Unkraut, Winterschutz | keine |
| Jahr 2 | kräftiger Aufbau, erste Ausläufer | Kompost im Frühjahr, mulchen | keine |
| Jahr 3 | Blüte möglich, Wurzeln fingerdick | Ausläufer begrenzen | erste Teilernte |
| Jahr 4 | volles Wurzelsystem bis 1 m tief | ausgraben, Teilstücke neu setzen | Haupternte |
Trocknen, lagern und verwenden
Wasche die Wurzeln kurz ab, bürste Erde heraus und schneide sie noch frisch in etwa fingerlange Stücke oder dünne Scheiben – getrocknet sind sie steinhart. Trockne sie luftig und schattig auf Gittern oder bei 40 bis 45 °C im Dörrautomaten*, bis sie brechen statt biegen. In dicht schließenden Gläsern, dunkel und trocken gelagert, halten sie zwei bis drei Jahre. Passende Gefäße sind Einkochgläser*. Grundsätzliches zur Lagerhaltung steht in Vorratshaltung richtig gemacht.
Traditionell wird Süßholzwurzel als Tee aufgegossen oder als Stück gekaut. Für Lakritz kocht man den Wurzelauszug lange ein, bis eine zähe Masse entsteht. Diese Grundmasse ist rein pflanzlich – im Handel werden Lakritzwaren allerdings oft mit tierischen Gelierstoffen gebunden. Achte deshalb auf ausdrücklich als vegan gekennzeichnete Varianten oder arbeite zu Hause mit pflanzlichen Bindemitteln wie Stärke oder Agar.
Ein sachlicher Hinweis gehört dazu: Süßholz enthält Glycyrrhizin. Größere Mengen über längere Zeit können den Blutdruck und den Kaliumhaushalt beeinflussen, und es sind Wechselwirkungen mit Medikamenten möglich, etwa mit entwässernden Mitteln. In der Schwangerschaft sowie bei Bluthochdruck oder Nierenerkrankungen wird von größeren Mengen abgeraten. Der Anbau im eigenen Garten ist unproblematisch, der Verzehr sollte maßvoll bleiben – diese Angaben ersetzen keine ärztliche Beratung.
FAQ – Süßholz anbauen
Ist Süßholz in Deutschland winterhart?
Bedingt. Eingewachsene Pflanzen vertragen in milden Lagen etwa minus 15 °C, wenn der Boden durchlässig ist und die Basis mit Laub oder Stroh geschützt wird. In rauen Lagen und auf nassem Boden ist die Kübelkultur mit kühler, frostfreier Überwinterung sicherer.
Wann kann ich die Wurzeln zum ersten Mal ernten?
Frühestens im dritten Standjahr, besser im vierten. Vorher sind die Wurzeln dünn und aromaarm. Geerntet wird im Oktober oder November, wenn das Laub eingezogen ist.
Wie verhindere ich, dass sich Süßholz im Garten ausbreitet?
Mit einer 60 cm tief eingegrabenen Rhizomsperre oder mit Kübelkultur. Kontrolliere den Rand einmal im Jahr und steche Ausläufer ab, die darüber hinauswandern – diese Stücke sind zugleich ideales Vermehrungsmaterial.
Kann ich Süßholz im Kübel auf dem Balkon halten?
Ja, wenn das Gefäß mindestens 50 cm tief ist und gut drainiert. Die Wurzeln bleiben dann kürzer und gedrungener, das Aroma leidet nicht. Gieße im Sommer regelmäßig und stelle den Kübel über den Winter kühl und frostfrei.
Ist selbst gemachtes Lakritz vegan?
Der Wurzelauszug selbst ist rein pflanzlich. Ob das fertige Produkt vegan ist, entscheidet das Bindemittel: Gekaufte Lakritzwaren enthalten häufig tierische Gelierstoffe, zu Hause bindest du die eingekochte Masse mit Stärke, Pektin oder Agar.
Weiterlesen: Baldrian anbauen · Kamille anbauen · Zitronenmelisse anbauen
Über diesen Ratgeber
Dieser Artikel wurde von der Redaktion von svsger.de erstellt, dem Ratgeber für rein pflanzliche Selbstversorgung. Die Angaben zu Standort, Pflanzabständen, Winterhärte und Erntezeitpunkten stützen sich auf gängige Gartenbau-Fachliteratur, Kulturanleitungen von Kräutergärtnereien und Empfehlungen von Landwirtschaftskammern. Je nach Region, Bodenart und Winterverlauf können Ergebnisse deutlich abweichen. Angaben zur traditionellen Verwendung sind keine Heilaussagen und ersetzen keine ärztliche Beratung.
Zuletzt aktualisiert: September 2026