Kräuter für die Hautpflege: Übersicht aus dem eigenen Garten

15 Kräuter für die Hautpflege in der Übersicht: Pflanzenteil, Erntezeit, Trocknung und Verwendung – dazu Lagerung, Zubereitung und zwei Mischungen.

Ein Beet mit Kräutern für die Hautpflege braucht wenig Platz und liefert über die ganze Saison Material, das du sonst in kleinen Tütchen teuer kaufst. Ringelblume, Kamille, Lavendel und ein paar Wildkräuter vom Wegrand decken fast alles ab, was in Ölauszügen, Aufgüssen und Kräutermischungen gebraucht wird – vorausgesetzt, Ernte, Trocknung und Lagerung stimmen. Ein feucht eingelagertes Kraut schimmelt im Glas, ein zu heiß getrocknetes verliert Duft und Farbe.

Dieser Beitrag ist die Übersicht dazu: fünfzehn Kräuter in einer Tabelle mit Pflanzenteil, Erntezeit, Trocknung und traditioneller Verwendung, dazu die Regeln für sauberes Ernten, die Temperaturen beim Trocknen, die Erkennungsmerkmale für „durch“ und die Frage, welche Zubereitung zu welchem Kraut passt. Am Ende stehen zwei Mischungen mit Gramm-Angaben, die du direkt nachbauen kannst.

Das Wichtigste in Kürze

  • Geerntet wird am späten Vormittag, wenn Tau und Regen abgetrocknet sind, nie nach einem Guss.
  • Trocknen bei höchstens 35 bis 40 °C, dunkel und luftig; Blüten brauchen weniger Hitze als Wurzeln.
  • „Durch“ heißt: Blätter rascheln und zerbrechen, Stiele knacken statt sich zu biegen.
  • Gelagert wird trocken, dunkel und luftdicht – ein Jahr ist bei Blüten und Blättern die realistische Grenze.
  • Ringelblume, Kamille, Schafgarbe und Gänseblümchen sind Korbblütler: Bei Allergie in dieser Familie lässt du sie weg. Beinwell wird nur äußerlich und zeitlich begrenzt verwendet.

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Was Kräuter in der Pflege leisten – und was nicht

Kräuter bringen drei Dinge in ein selbstgemachtes Pflegeprodukt: fettlösliche Bestandteile, die in einen Ölauszug übergehen, wasserlösliche Stoffe wie Gerbstoffe und Schleimstoffe, die ein Aufguss löst, und – bei einigen Arten – Duft. Mehr ist es nicht, und mehr muss es auch nicht sein.

Was in diesem Beitrag ausdrücklich nicht steht: dass ein Kraut eine Hauterkrankung behandelt oder eine Beschwerde zum Verschwinden bringt. Die Formulierungen lauten durchgehend „wird traditionell verwendet“, weil genau das die belastbare Aussage ist. Selbstgemachte Pflege ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei offenen Wunden, nässenden Ekzemen, bekannten Kontaktallergien oder Hautveränderungen, die nicht zurückgehen, gehört die Frage in eine Praxis und nicht in einen Tiegel.

Dazu kommt ein Punkt, der bei pflanzlichen Rohstoffen gern untergeht: Pflanzlich heißt nicht automatisch verträglich. Gerade Korbblütler und stark ätherische Kräuter wie Thymian oder Rosmarin können reizen. Jede neue Mischung wird deshalb zuerst an einer kleinen Stelle getestet, bevor sie großflächig auf die Haut kommt.

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Die große Kräutertabelle für die Hautpflege

Die folgende Übersicht ist der Kern dieses Beitrags. Sie zeigt für fünfzehn Kräuter, welcher Pflanzenteil gesammelt wird, wann das sinnvoll ist, wie getrocknet wird und wofür das Kraut in der Pflege traditionell verwendet wird. Die Temperaturangaben beziehen sich auf einen Dörrautomaten oder einen Backofen mit sehr niedriger Stufe; luftgetrocknet dauert alles länger.

KrautPflanzenteilErntezeitTrocknungTraditionelle Verwendung in der PflegeHinweise
RingelblumeGanze Blütenköpfe oder nur die ZungenblütenJuni bis Oktober, laufend alle paar Tage35 °C, 2 bis 4 Tage; der dicke Blütenboden braucht am längstenÖlauszug als Basis für Salben und Balsame, Blüten in PflegeölenKorbblütler, Allergie möglich; Blütenböden vor dem Abfüllen prüfen
Echte KamilleBlütenköpfe ohne StielMai bis August, wenige Tage nach dem AufblühenMaximal 35 °C, 3 bis 5 Tage; nicht wenden, sonst rieseln die Blüten auseinanderAufguss für Kompressen und Gesichtsdampfbäder, gemahlen in MaskenKorbblütler; Dampf nie mit geöffneten Augen einatmen
LavendelBlütenrispen kurz vor dem vollen AufblühenJuni und Juli, am späten VormittagKopfüber im Bund an der Luft, 7 bis 14 Tage, dunkelDuftkomponente in Balsam und Badesäckchen, ÖlauszugÄtherisches Lavendelöl ist etwas anderes als die Blüte und gehört nur verdünnt auf die Haut
ZitronenmelisseBlätter und junge Triebspitzen vor der BlüteMai bis Juli, vor dem ersten BlütenansatzZügig bei 30 bis 35 °C, 1 bis 2 Tage; langsam getrocknet wird sie braunAufguss für Gesichtswasser und KräuterbäderVerliert den Duft schnell, jedes Jahr frisch ansetzen
SchafgarbeBlühende Triebspitzen mit den oberen BlätternJuni bis September, in der Vollblüte35 °C, 3 bis 4 Tage; Stiele vorher kürzenAufguss für Bäder und Fußbäder, Ölauszug für BalsameKorbblütler; kann die Haut lichtempfindlicher machen, deshalb nicht vor dem Sonnenbad auftragen
SpitzwegerichJunge, unbeschädigte BlätterMai bis September, vor der SamenreifeHeikel: einzeln und dünn auslegen, 40 °C, 1 bis 2 Tage; zu langsam getrocknet läuft er schwarz anÖlauszug, gemahlen in PflegemischungenNur an unbelasteten Standorten sammeln, nicht am Straßenrand oder Feldweg mit Spritzeinsatz
BeinwellWurzel, seltener die BlätterWurzel im Oktober und November, Blätter vor der BlüteWurzel waschen, in dünne Scheiben schneiden, 40 bis 45 °C, 3 bis 5 TageWarmer Ölauszug für Balsame, traditionell rein äußerlichNur äußerlich, nicht auf verletzte Haut, zeitlich begrenzt anwenden – Details im Abschnitt unten
FrauenmantelBlätter und blühende TriebeJuni bis August, sobald der Tau in den Blättern verdunstet ist35 °C, 2 bis 3 Tage; Blätter einlagig legenAufguss für Kompressen und Handbäder, gerbstoffreichGerbstoffe trocknen aus – sparsam dosieren und danach ein Öl auftragen
SalbeiBlätter, vor der Blüte geerntetMai und Juni, ein zweiter Schnitt im August35 °C, 2 bis 3 Tage, oder luftgetrocknet im BundAufguss für Fußbäder, Bestandteil von Deo-MischungenEnthält Thujon; in dieser Serie nur äußerlich, nicht als Dauertee
RosmarinNadeln und junge ZweigspitzenGanzjährig möglich, am aromatischsten im FrühsommerLuftgetrocknet im Bund, 5 bis 10 Tage; danach abstreifenÖlauszug für Haar- und Fußpflege, BadezusatzKräftig im Duft, abends sparsam dosieren; in der Schwangerschaft nur nach Rücksprache
ThymianBlühende TriebspitzenJuni und Juli, zu BlühbeginnLuftgetrocknet in kleinen Bündeln, etwa 7 TageAufguss für Fußbäder und Dampfbäder, BadesäckchenSehr ätherisch, auf empfindlicher Haut leicht reizend – niedrig dosieren
BrennnesselJunge Blätter, im Spätsommer auch die SamenApril bis Juni, Samen August und September40 °C, 1 bis 2 Tage; die Brennhaare werden dabei unwirksamAufguss als Haarspülung, gemahlen in Masken und PulvernHandschuhe beim Ernten; nur weit weg von Straße und Hundewiese sammeln
LöwenzahnBlüten, junge Blätter, im Herbst die WurzelBlüten April und Mai, Wurzel im OktoberBlüten 35 °C, 2 bis 3 Tage; Wurzelstücke 45 °C, 4 bis 6 TageBlüten-Ölauszug für Hand- und FußbalsamDer weiße Saft der Stiele färbt Finger und Textilien braun; Blüten vom Stiel trennen
HolunderblüteGanze BlütendoldenMai und Juni, an einem trockenen Vormittag35 °C, 1 bis 2 Tage, danach die Blüten von den Stielen abrebelnAufguss für Gesichtsdampfbäder und KompressenNicht waschen, sonst geht der Duft verloren; grüne Stielteile aussortieren
GänseblümchenBlütenköpfe, knapp über dem StielansatzMärz bis Oktober, fast durchgehend35 °C, 2 bis 3 Tage; die Köpfchen schließen sich beim Trocknen, das ist normalÖlauszug, oft zusammen mit RingelblumeKorbblütler; nur von Flächen, die nicht gedüngt oder behandelt wurden

Wenn du ein Beet neu planst, lohnt sich die Reihenfolge nach Ertrag: Die Ringelblume liefert über Monate Blüten und sät sich selbst aus, Lavendel und Salbei stehen jahrelang, Kamille und Melisse ergänzen das Ganze im Halbschatten. Eine Grundplanung für die Beetaufteilung steht im Beitrag zum Kräutergarten anlegen.

Fünf der genannten Arten musst du nicht säen, sondern nur finden: Schafgarbe, Spitzwegerich, Brennnessel, Löwenzahn und Holunder wachsen ohnehin. Dabei gilt die Grundregel für alle Wildpflanzen: Gesammelt wird nur, was du sicher bestimmen kannst. Verwechslungen sind der häufigste Anfängerfehler, gerade bei Doldenblütlern und bei jungen Blattrosetten. Wie du dabei vorgehst, steht im Beitrag zum Wildkräuter sammeln.

Korbblütler, Beinwell und andere Sonderfälle

Korbblütler. Ringelblume, Kamille, Schafgarbe, Gänseblümchen und Löwenzahn gehören zur selben Pflanzenfamilie. Wer auf Beifuß, Arnika oder Chrysanthemen reagiert, reagiert häufig auch hier. Wenn du eine Allergie in dieser Familie kennst, lässt du die fünf Kräuter weg und arbeitest stattdessen mit Lavendel, Melisse, Frauenmantel oder Holunderblüte. Bist du unsicher, testest du die fertige Zubereitung zuerst an einer kleinen Stelle in der Armbeuge und wartest 24 Stunden ab.

Beinwell. Beinwell nimmt eine Sonderstellung ein und wird hier bewusst nüchtern eingeordnet. Die Pflanze enthält Pyrrolizidinalkaloide, Stoffe, die bei längerer Aufnahme als leberbelastend gelten. Deshalb gilt in dieser Serie: ausschließlich äußerlich, nie als Tee oder in irgendeiner Form innerlich, nicht auf verletzte oder offene Haut, nicht in Schwangerschaft und Stillzeit, nicht bei Kindern und zeitlich begrenzt – üblich sind wenige Wochen im Jahr, nicht die Dauernutzung. Die Wurzel wird traditionell als warmer Ölauszug für Balsame verwendet. Wenn du Beinwell im Garten hast, findest du die Kultur- und Erntehinweise unter Beinwell anbauen.

Gerbstoffreiche Kräuter. Frauenmantel, Salbei und Schafgarbe enthalten viel Gerbstoff. Das zieht die Haut spürbar zusammen und entzieht bei häufiger Anwendung Feuchtigkeit. Ein Handbad mit Frauenmantelaufguss ist deshalb eine gelegentliche Sache, kein tägliches Programm – und danach kommt Öl oder Balsam auf die Haut.

Ätherische Öle. Ein Kraut aus dem Garten und ein destilliertes ätherisches Öl sind zwei verschiedene Dinge. Getrocknete Lavendelblüten im Ölauszug sind mild, ätherisches Lavendelöl in Bio-Qualität* ist hochkonzentriert. Als Obergrenze gilt 1 Prozent für Körperprodukte und 0,5 Prozent fürs Gesicht, bei 30 Gramm also etwa 6 beziehungsweise 3 Tropfen. Davor gehört immer ein Armbeugentest: ein Tropfen der fertig verdünnten Mischung in die Armbeuge, 24 Stunden abwarten, nicht waschen. Bei Rötung, Juckreiz oder Brennen wird das Öl nicht verwendet. Für Babys und Kleinkinder gar keine ätherischen Öle, in Schwangerschaft und Stillzeit nur nach Rücksprache, nie in die Augen, Zitrusöle nicht vor dem Aufenthalt in der Sonne.

Frisch geerntete Ringelblumenblüten und Kamille auf einem Trockengitter im schattigen Dachboden

Frisch geerntete Kräuter trocknen kopfüber in Bündeln an einer Holzleiste

Sauber ernten: Zeitpunkt, Witterung, Auswahl

Die Qualität eines getrockneten Krauts entscheidet sich in den ersten zehn Minuten – beim Schnitt. Drei Faktoren bestimmen das Ergebnis.

Die Tageszeit. Der beste Zeitpunkt ist der späte Vormittag, etwa zwischen zehn und zwölf Uhr. Der Tau ist verdunstet, die Sonne hat die Pflanze aber noch nicht ausgetrocknet. Morgens klebt Feuchtigkeit zwischen den Blättern und bringt Schimmel mit in die Trocknung; am heißen Nachmittag sind gerade die duftenden Kräuter schlaff und verlieren beim Schneiden mehr, als du im Glas wiederfindest.

Die Witterung. Nach Regen wartest du zwei trockene Tage ab. Eine Pflanze, die nass in den Korb kommt, ist auf dem Weg nach Hause bereits angewelkt und beginnt zu „schwitzen“. Das erkennst du am dumpfen Geruch im Korb. Wasche geerntete Kräuter nach Möglichkeit nicht – Erde am Wurzelwerk wird abgebürstet, Blätter werden ausgeschüttelt, Blüten bleiben unberührt. Nur Wurzeln werden gewaschen, weil es nicht anders geht.

Die Auswahl. In den Korb kommt nur einwandfreies Material. Nicht gesammelt wird, was Flecken, Mehltaubelag, Rostpusteln, Fraßspuren oder Blattläuse trägt, was vergilbt oder schon am Verblühen ist, und was direkt an Straßen, auf Hundewiesen, an Feldrändern mit Spritzeinsatz oder unterhalb von Gehölzen mit starkem Vogelbesatz wächst. Als Faustregel für Wegränder haben sich rund zehn Meter Abstand zur Fahrbahn eingebürgert. Und immer nur so viel ernten, dass der Bestand weiterwächst – etwa ein Drittel eines Wildvorkommens ist die übliche Grenze, geschützte Arten bleiben ganz stehen.

Praktisch brauchst du dafür wenig: einen flachen Korb, in dem nichts gequetscht wird, und eine kleine Bypass-Gartenschere*. Blütenköpfe zupfst du besser mit der Hand, Triebe schneidest du sauber ab, statt sie abzureißen – gerissene Stellen trocknen schlecht ab und sind eine Eintrittspforte für Pilze in der Mutterpflanze. Zwischen zwei Arten schüttelst du den Korb aus, sonst hast du später Kamille in der Melisse.

Verarbeitet wird am selben Tag. Kräuter, die über Nacht im Korb liegen, verlieren Farbe und Duft, Spitzwegerich läuft in wenigen Stunden schwarz an. Wenn dir die Zeit fehlt, erntest du lieber weniger.

Trocknen: Temperatur, Dauer, Erkennungsmerkmale

Trocknen bedeutet, der Pflanze Wasser zu entziehen, bevor Mikroorganismen sie zersetzen – und zwar schnell genug, dass nichts verdirbt, aber langsam und kühl genug, dass die flüchtigen Bestandteile bleiben. Das Fenster liegt bei den meisten Kräutern zwischen 30 und 40 °C, bei Wurzeln bis 45 °C.

Über 40 °C verliert alles Duftende deutlich: Lavendel, Melisse, Thymian und Rosmarin riechen nach einer Trocknung bei 60 °C nur noch nach Heu. Unter 25 °C bei gleichzeitig feuchter Luft passiert das Gegenteil – die Trocknung dauert so lange, dass sich auf dicken Blüten Schimmel bildet. Ein Dachboden im Hochsommer trifft das Fenster von selbst, ein Küchenschrank im November nicht.

Drei Verfahren decken alles ab:

  • Bündel. Für langstielige Kräuter mit festen Blättern: Lavendel, Rosmarin, Thymian, Salbei. Kleine Bündel von höchstens daumendicker Stärke, kopfüber, dunkel, luftig. Dauer 7 bis 14 Tage. Zu dicke Bündel faulen innen.
  • Trockengitter oder Horde. Für Blüten und einzelne Blätter: Ringelblume, Kamille, Gänseblümchen, Holunderblüte, Spitzwegerich, Frauenmantel. Einlagig auslegen, nicht stapeln. Ein stapelbares Trockennetz* spart Fläche und hält Staub ab.
  • Dörrautomat. Für alles, was schnell gehen muss, und für Wurzeln. Entscheidend ist ein regelbares Thermostat; Geräte mit fester Stufe laufen oft bei 60 °C oder höher. Ein Dörrautomat mit Temperaturregler* ist die einzige Anschaffung, die sich bei größeren Mengen wirklich lohnt.

Der Backofen ist die Notlösung: niedrigste Stufe, Tür mit einem Holzlöffel einen Spalt offen, Bleche alle zwei Stunden tauschen. Die Mikrowelle ist keine Option, weil sich die Temperatur im Inneren des Materials nicht kontrollieren lässt.

Wann ist ein Kraut durch? Die Frage entscheidet über Schimmel oder Vorrat. Verlass dich nicht auf die Uhr, sondern auf diese vier Zeichen:

  1. Blätter rascheln beim Durchfahren mit der Hand und zerbrechen zwischen den Fingern, statt sich zu biegen.
  2. Stiele knacken hörbar durch. Biegt sich ein Stiel noch, sitzt im Inneren Restfeuchte – das reicht für Schimmel im Glas.
  3. Blüten zerfallen bei leichtem Druck. Ringelblumenblüten sind erst durch, wenn auch der fleischige Blütenboden hart ist, nicht nur die Zungenblüten.
  4. Der Glastest: eine Handvoll in ein sauberes Schraubglas geben, verschließen, 24 Stunden bei Zimmertemperatur stehen lassen. Beschlägt das Glas innen, muss das Kraut zurück auf die Horde.

Wurzeln wie die von Beinwell oder Löwenzahn brauchen den Glastest zwingend. Sie fühlen sich außen früh hart an, während im Kern noch Feuchtigkeit sitzt. Deshalb werden sie frisch in bleistiftdünne Scheiben geschnitten – an der getrockneten Wurzel scheitert jedes Messer.

Lagern: Gefäß, Licht, Haltbarkeit

Getrocknete Kräuter verlieren nicht plötzlich ihre Qualität, sie verlieren sie langsam durch Licht, Wärme, Luft und Feuchtigkeit. Gegen alle vier hilft dasselbe: dicht verschlossene Gläser im dunklen Schrank bei Zimmertemperatur.

Braunglas oder ein dunkler Schrank sind Pflicht, weil Licht Farbstoffe ausbleicht – eine blasse Ringelblume ist kein Schönheitsproblem, sondern ein Hinweis auf abgebaute Inhaltsstoffe. Schraubgläser mit 500 ml* in einer geschlossenen Schublade tun es genauso. Plastikdosen und Papiertüten sind schlechter: Kunststoff nimmt Duft an, Papier lässt Feuchtigkeit durch.

Kräuter werden ganz gelagert und erst kurz vor der Verwendung zerrieben oder gemahlen. Jede Bruchkante ist eine neue Oberfläche, an der Aroma verloren geht. Und jedes Glas bekommt ein Etikett mit Kraut, Pflanzenteil und Erntemonat – nach dem dritten Glas sehen getrocknete Blätter alle gleich aus.

Als Haltbarkeit gilt: Blüten und weiche Blätter etwa 12 Monate, feste Blätter und Nadeln 12 bis 24 Monate, Wurzeln 24 bis 36 Monate. Praktisch heißt das, dass die neue Ernte die alte ersetzt. Was nach einem Jahr noch übrig ist, wandert nicht in die Pflege, sondern auf den Kompost. Kippt der Geruch ins Muffige oder zeigen sich graue Flecken, wird das komplette Glas entsorgt, nicht nur der sichtbar betroffene Teil.

Welche Zubereitung passt zu welchem Kraut

Die Zubereitung richtet sich danach, ob die interessanten Bestandteile fett- oder wasserlöslich sind. Das ist die eigentliche Sortierfrage und der Grund, warum Kamille eher in den Aufguss und Ringelblume eher ins Öl geht.

ZubereitungPrinzipPasst zuHaltbarkeit
Kalter ÖlauszugGetrocknetes Kraut zieht 3 bis 4 Wochen im Öl, danach abfilternRingelblume, Gänseblümchen, Löwenzahnblüte, Lavendel, Spitzwegerich9 bis 12 Monate, dunkel und kühl
Warmer Ölauszug2 bis 3 Stunden bei etwa 40 °C im Wasserbad, dann filternBeinwellwurzel, Rosmarin, Schafgarbe, alles Grobe und Holzige6 bis 9 Monate
AufgussHeißes Wasser über das Kraut, 10 bis 15 Minuten abgedeckt ziehen lassenKamille, Melisse, Frauenmantel, Salbei, Thymian, Holunderblüte, Brennnessel7 bis 14 Tage im Kühlschrank, kleine Menge ansetzen
Gemahlen als PulverIm Mörser oder in der Mühle fein reiben, gesiebt weiterverarbeitenKamille, Ringelblume, Brennnessel, SpitzwegerichEtwa 6 Monate, danach deutlich duftärmer
BadesäckchenGanze Kräuter im Baumwollbeutel, im Badewasser ausdrückenLavendel, Schafgarbe, Thymian, Rosmarin, MelisseTrockenmischung 12 Monate, Säckchen nur einmal verwenden

Für alles mit Wasser gilt in dieser Serie dieselbe Regel: kleine Menge ansetzen, im Kühlschrank aufbewahren, innerhalb von 7 bis 14 Tagen aufbrauchen und bei Trübung, Flocken oder verändertem Geruch wegschütten. Wasser ist der Nährboden, den wir bei Balsamen und Ölen bewusst vermeiden – im Aufguss ist er unvermeidbar, also wird er zeitlich begrenzt.

Der Ölauszug ist die Zubereitung mit der größten Reichweite, weil er die Basis für Salben, Balsame und Körperöle bildet. Das Kraut muss dafür vollständig trocken sein; Restfeuchte im Glas führt zuverlässig zu einer Schimmelinsel an der Ölgrenze. Das Verhältnis liegt üblich bei 1 Teil Kraut zu 8 bis 10 Teilen Öl, also etwa 25 Gramm getrocknete Blüten auf 250 ml Öl. Alle Schritte im Detail stehen im Beitrag Kräuteröl ansetzen, die Weiterverarbeitung zur festen Zubereitung unter Ringelblumensalbe selber machen.

Als Trägeröl eignet sich süßes Mandelöl im Liter* für fast alles. Wenn der Auszug länger stehen soll, nimmst du Bio-Jojobaöl*, das kaum ranzig wird, bei Nussallergie ohnehin. Reicht deine eigene Ernte nicht, sind Bio-Ringelblumenblüten mit 250 g* die sinnvollste Zukaufposition, weil kein anderes Kraut so oft gebraucht wird.

Grundrezept: Kräutermischung für Dampfbad und Kompressen (ergibt ca. 100 g)

  • 30 g getrocknete Kamillenblüten
  • 25 g getrocknete Ringelblumenblüten
  • 20 g getrocknete Holunderblüten
  • 15 g getrocknete Melissenblätter
  • 10 g getrocknete Lavendelblüten
  1. Alle Kräuter ganz lassen und in einer trockenen Schüssel locker mischen.
  2. In ein trockenes Schraubglas füllen, beschriften, dunkel stellen.
  3. Für ein Gesichtsdampfbad 10 g der Mischung mit 1 Liter kochendem Wasser übergießen, kurz abkühlen lassen und mit etwa 30 cm Abstand zur Schüssel 5 bis 8 Minuten darüber bleiben. Augen dabei geschlossen halten.
  4. Für eine Kompresse 5 g mit 250 ml heißem Wasser übergießen, 15 Minuten abgedeckt ziehen lassen, abseihen, lauwarm ein Tuch eintauchen und auflegen.

Haltbarkeit: Trockenmischung 12 Monate · fertiger Aufguss 7 bis 14 Tage im Kühlschrank · Aufbewahrung: Glas trocken und dunkel, Aufguss abgedeckt kühl stellen. Enthält Korbblütler – bei Allergie Kamille und Ringelblume durch je 25 g Frauenmantel und Melisse ersetzen.

Die Mischung ist bewusst mild gehalten. Thymian, Rosmarin und Salbei fehlen darin, weil sie im Dampf für empfindliche Gesichtshaut schnell zu kräftig werden – die gehören eher ins Fußbad. Und noch ein Hinweis zum Dampfbad: Bei entzündeter Haut, Rosazea oder erweiterten Äderchen lässt man Dampf besser ganz weg und fragt in der Praxis nach.

Grundrezept: Blütenmischung für den Ölauszug (ergibt ca. 230 ml Auszugsöl)

  • 16 g getrocknete Ringelblumenblüten
  • 6 g getrocknete Gänseblümchenköpfe
  • 3 g getrocknete Lavendelblüten
  • 250 ml süßes Mandelöl oder Jojobaöl
  1. Ein Schraubglas mit 500 ml heiß ausspülen und vollständig trocknen lassen.
  2. Die Blüten zwischen den Fingern grob zerreiben und einfüllen.
  3. Mit Öl übergießen, bis alles zwei Finger breit bedeckt ist; schwimmende Pflanzenteile an der Luft schimmeln.
  4. Verschließen, beschriften und 3 bis 4 Wochen hell, aber nicht in der prallen Sonne stehen lassen, alle zwei Tage schwenken.
  5. Durch ein feines Sieb und ein Tuch abfiltern, gut ausdrücken, in eine dunkle Flasche füllen.

Haltbarkeit: 9 bis 12 Monate · Aufbewahrung: dunkel und kühl, Flasche gut verschließen. Enthält Korbblütler.

Abgefüllt wird in Braunglas. Ein Set Pumpflaschen mit 100 ml* hält den Auszug vor Licht geschützt und erspart das Umgießen; für Balsame, die daraus entstehen, sind Braunglastiegel mit 30 bis 60 ml die passende Größe. Entnommen wird mit dem Spatel, nicht mit dem Finger, und kein Wasser kommt in den Tiegel.

Typische Fehler und was dahintersteckt

Zu heiß getrocknet. Der häufigste Fehler. Bei 60 °C im Dörrgerät ist die Melisse in drei Stunden fertig und riecht nach nichts. Lieber 35 °C und zwei Tage.

Zu dicht ausgelegt. Zwei Lagen Blüten auf einem Gitter trocknen nicht gleichmäßig; die untere Lage bleibt feucht. Einlagig auslegen kostet Fläche, aber keine Ernte.

Zu früh ins Glas. Wenn Stiele sich noch biegen, ist Restfeuchte im Material. Der Glastest über 24 Stunden kostet nichts und rettet den ganzen Vorrat.

Feuchtes Kraut im Ölauszug. Die Schimmelinsel an der Ölgrenze kommt fast immer daher. Frische Kräuter gehören nicht in einen Ölauszug, der lange stehen soll.

Zu viel auf einmal. Drei Kilo getrocknete Kamille bringen nichts, wenn du im Jahr 100 Gramm verarbeitest. Der Rest verliert Qualität und landet im Kompost.

Zerkleinert gelagert. Gemahlen wird kurz vor der Verwendung, nicht im Sommer auf Vorrat. Eine kleine Mörser-Garnitur aus Granit* reicht für die Mengen, um die es hier geht.

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FAQ – Kräuter für die Hautpflege

Kann ich frische statt getrockneter Kräuter verwenden?

Für einen Aufguss ja, dann nimmst du etwa die dreifache Menge. Für einen Ölauszug nein: Das Restwasser der frischen Pflanze führt zuverlässig zu Schimmel im Glas. Ausnahme sind Auszüge, die noch am selben Tag warm hergestellt und sofort verbraucht werden.

Woran erkenne ich, dass ein Kraut wirklich durchgetrocknet ist?

Blätter rascheln und zerbrechen, Stiele knacken hörbar, Blüten zerfallen unter leichtem Druck. Zur Sicherheit der Glastest: eine Handvoll 24 Stunden im verschlossenen Glas stehen lassen – beschlägt es innen, muss das Kraut zurück auf die Horde.

Wie lange halten getrocknete Kräuter für die Pflege?

Blüten und weiche Blätter etwa 12 Monate, feste Blätter und Nadeln 12 bis 24 Monate, Wurzeln bis zu 36 Monate. Entscheidend ist der Geruch: Was muffig riecht oder graue Flecken zeigt, wird komplett entsorgt.

Was ist beim Beinwell zu beachten?

Beinwell wird ausschließlich äußerlich verwendet, nicht auf verletzter Haut, nicht in Schwangerschaft und Stillzeit, nicht bei Kindern und nur über begrenzte Zeiträume. Grund sind die enthaltenen Pyrrolizidinalkaloide. Bei Unsicherheit gilt: erst in der Praxis nachfragen.

Was mache ich bei einer Allergie gegen Korbblütler?

Ringelblume, Kamille, Schafgarbe, Gänseblümchen und Löwenzahn weglassen und auf Lavendel, Melisse, Frauenmantel, Holunderblüte oder Spitzwegerich ausweichen. Jede neue Zubereitung zuerst 24 Stunden an einer kleinen Stelle in der Armbeuge testen.

Weiterlesen: Kräuteröl ansetzen · Ringelblumensalbe selber machen · Kräutergarten anlegen

Über diesen Ratgeber

Dieser Artikel wurde von der Redaktion von svsger.de erstellt, dem Ratgeber für rein pflanzliche Selbstversorgung. Alle Rezepte dieser Serie sind vegan und kommen ohne tierische Rohstoffe aus. Die Angaben zu Erntezeit, Trocknungstemperatur und Haltbarkeit beruhen auf gängiger Fachliteratur zur Kräuterverarbeitung und auf eigenen Versuchen in haushaltsüblichen Mengen; Standort, Witterung und Sorte verschieben die Zeitfenster um einige Wochen. Angaben zur traditionellen Verwendung beschreiben überlieferte Praxis und sind keine Aussage über eine medizinische Wirkung. Selbstgemachte Pflege ersetzt keine ärztliche Beratung.

Zuletzt aktualisiert: September 2026