Kichererbsen anbauen in Deutschland: Aussaat, Ernte, Trocknen

Kichererbsen anbauen in Deutschland: geeignete Standorte, Desi- und Kabuli-Typen, Aussaat mit Impfmittel, realistischer Ertrag, Ernte, Trocknen und Lagern.

Kichererbsenpflanzen mit behaarten Hülsen kurz vor der Reife in einem sonnigen Beet

Hummus, Falafel, Curry: Kichererbsen gehören zu den wichtigsten Eiweißquellen der veganen Küche. Dass sie auch in Deutschland wachsen, wissen die wenigsten. Wer Kichererbsen anbauen möchte, sollte allerdings realistisch planen: Die Pflanze stammt aus warmen, trockenen Regionen und reagiert empfindlich auf nasse Sommer. Auf einem sonnigen, durchlässigen Standort und mit etwas Glück beim Wetter ist eine Ernte aber gut möglich. In diesem Ratgeber erfährst du, wo der Anbau gelingt, wie Aussaat und Pflege funktionieren und wie du Kichererbsen erntest, trocknest und lagerst.

Das Wichtigste in Kürze

  • Kichererbsen brauchen einen vollsonnigen, warmen und trockenen Standort mit durchlässigem Boden.
  • Aussaat Mitte April bis Anfang Mai direkt ins Beet, 4–6 cm tief.
  • Die passenden Knöllchenbakterien fehlen in deutschen Böden meist – Saatgut impfen lohnt sich.
  • Rechne mit etwa 100–250 g getrockneten Kichererbsen pro Quadratmeter, in nassen Jahren weniger.
  • Ernte im August/September, wenn die Hülsen rascheln, danach gründlich nachtrocknen.

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Anbau-Steckbrief: Kichererbsen auf einen Blick

MerkmalAngabe
Botanischer NameCicer arietinum, Schmetterlingsblütler, einjährig
NährstoffbedarfSchwachzehrer, keine Stickstoffdüngung
StandortVollsonnig, warm, leichter bis mittlerer Boden, pH 6–8, keine Staunässe
AussaatMitte April bis Anfang Mai, Boden mindestens 8–10 °C
Saattiefe und Abstand4–6 cm tief, 8–10 cm in der Reihe, 30–40 cm zwischen den Reihen
Wuchshöhe30–60 cm, buschig, drüsig behaart
KulturdauerEtwa 100–130 Tage
ErnteEnde Juli bis September
ErtragEtwa 100–250 g Trockenkörner pro m², stark wetterabhängig
Anbaupause4–5 Jahre auf derselben Fläche

Realistisch planen: Wo gelingen Kichererbsen in Deutschland?

Kichererbsen vertragen Hitze und Trockenheit erstaunlich gut, schlecht dagegen Dauerregen und kühle, feuchte Böden. Die besten Chancen hast du in warmen, niederschlagsarmen Gegenden wie dem Oberrheingraben, der Pfalz, Rheinhessen, Mainfranken oder den trockenen Regionen Ostdeutschlands, besonders auf sandigen oder kiesigen Böden. In feuchten Mittelgebirgslagen und im Norden mit nassen Spätsommern wird es schwierig: Die Pflanzen reifen dann ungleichmäßig, die Hülsen bleiben lange grün, und die Brennfleckenkrankheit breitet sich aus.

Sieh Kichererbsen im Hausgarten deshalb als ergänzende Kultur, nicht als Hauptlieferant. Auf 10 m² erntest du in einem guten Jahr etwa 1–2,5 kg getrocknete Kichererbsen – genug für einige Gläser Hummus und Eintöpfe. Wer mehr Eiweiß vom eigenen Beet möchte, kombiniert sie mit robusteren Hülsenfrüchten wie Erbsen, Ackerbohnen oder Linsen. In regenreichen Gegenden hilft ein gut gelüftetes Foliengewächshaus* oder ein Regendach über dem Beet, vor allem ab der Hülsenreife.

Sorten und Saatgut: Desi oder Kabuli?

Kichererbsen sind Selbstbestäuber. Alle nicht hybriden Sorten sind damit samenfest, und du kannst aus deiner Ernte problemlos eigenes Saatgut gewinnen. Mit jedem Nachbau passen sich die Pflanzen ein wenig an deinen Standort an. Unterschieden werden zwei Haupttypen:

TypSamen und BlüteEignung für Deutschland
DesiKleine, kantige, meist dunkle Samen, rosa bis violette BlütenOft früher reif und robuster, gute Wahl für kühlere Lagen
KabuliGroße, runde, helle Samen, weiße BlütenDie typische Handelsware, braucht mehr Wärme und reift später
Schwarze und grüne TypenDunkle oder grün bleibende SamenAls Spezialität interessant, meist Desi-ähnlich im Anbau

Kaufe keimfähiges Kichererbsen-Saatgut* aus biologischem Anbau statt Speiseware. Speisekichererbsen keimen zwar oft, stammen aber meist aus Anbaugebieten mit ganz anderem Klima, und die Brennfleckenkrankheit kann über das Saatgut übertragen werden. Wie du später eigenes Saatgut auswählst, beschreibt der Ratgeber Saatgutgewinnung.

Aussaat Schritt für Schritt

Kichererbsen werden direkt gesät, da ihre Pfahlwurzel das Umpflanzen schlecht verträgt. Junge Pflanzen halten leichte Nachtfröste aus, eine Aussaat in kalte, nasse Erde führt aber schnell zu faulenden Samen.

  1. Ein sonniges Beet wählen, auf dem im Vorjahr keine Hülsenfrüchte standen. Frischen Kompost oder Stickstoffdünger weglassen.
  2. Den Boden krümelig lockern und Beikraut gründlich entfernen.
  3. Die Samen unmittelbar vor der Aussaat mit einem Impfmittel mit Knöllchenbakterien* für Kichererbsen vermischen. Ohne diese spezifischen Bakterien bilden die Wurzeln kaum Knöllchen und binden wenig Stickstoff.
  4. In Reihen mit 30–40 cm Abstand alle 8–10 cm ein Korn 4–6 cm tief legen.
  5. Erde andrücken, nur bei trockenem Boden einmal angießen und das Beet gegen Tauben mit Vlies oder Netz abdecken, bis die Pflanzen etwa 10 cm hoch sind.

Pflege, Krankheiten und typische Probleme

Kichererbsen sind pflegeleicht, aber konkurrenzschwach. Hacke in den ersten sechs Wochen regelmäßig, danach schließen die Pflanzen den Bestand. Gegossen wird nur bei ausgeprägter Trockenheit während der Blüte im Juni und Juli. Zu viel Wasser fördert Pilzkrankheiten und verzögert die Reife. Die Blätter und Hülsen sind mit Drüsenhaaren besetzt, die eine säurehaltige Flüssigkeit ausscheiden. Sie kann empfindliche Haut reizen, deshalb sind Gartenhandschuhe* beim Hacken und Ernten angenehm.

  • Brennfleckenkrankheit (Ascochyta): braune Flecken mit dunklem Rand an Blättern, Stängeln und Hülsen, vor allem bei feuchtem Wetter. Vorbeugung: gesundes Saatgut, luftiger Stand, weite Fruchtfolge.
  • Welke: meist Staunässe oder bodenbürtige Pilze. Auf schweren Böden erhöht anbauen.
  • Grüne Hülsen im September: Folge eines kühlen, nassen Sommers oder zu später Aussaat.
  • Kaum Hülsen: Hitze über 35 °C während der Blüte oder zu viel Stickstoff.

Ernte, Trocknen und Lagern

Erntereif sind Kichererbsen, wenn Blätter und Hülsen strohgelb bis hellbraun sind, die Samen in den Hülsen rascheln und sich mit dem Fingernagel kaum noch eindrücken lassen. Da die Pflanzen ungleichmäßig abreifen, wartest du, bis etwa neun von zehn Hülsen reif sind. Schneide dann an einem trockenen Tag die ganzen Pflanzen bodennah ab. Die Wurzeln mit den Knöllchen bleiben im Boden und versorgen die Nachkultur. Junge, noch grüne Hülsen kannst du übrigens schon im Juli ernten und die frischen Samen gekocht wie Erbsen essen.

Nachtrocknen und Dreschen

Hänge die Pflanzen in kleinen Bündeln kopfüber an einen luftigen, regengeschützten Ort oder lege sie auf ein Tuch. Nach ein bis drei Wochen sind die Hülsen spröde. Zum Dreschen füllst du sie in einen Stoffsack und schlägst oder trittst darauf, bis die Samen herausfallen. Anschließend trennst du Spreu und Körner durch Worfeln im Wind oder vor einem Ventilator. Sortiere beschädigte und fleckige Samen aus.

Breite die Körner danach noch einige Tage dünn aus, bis sie steinhart sind. Bei feuchtem Wetter hilft ein Dörrautomat* auf niedriger Stufe, für Saatgut höchstens 35 °C. Friere die trockenen Kichererbsen zwei bis drei Tage ein, um mögliche Käferlarven abzutöten, und fülle sie danach in luftdichte Gläser. Dunkel und kühl gelagert halten sie mindestens ein bis zwei Jahre. Tipps für den Vorratsschrank findest du im Ratgeber Vorratshaltung richtig gemacht. Roh sind Kichererbsen nicht genießbar: Weiche sie zwölf Stunden ein und koche sie 60 bis 90 Minuten.

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FAQ – Kichererbsen anbauen

Kann ich Kichererbsen aus dem Supermarkt aussäen?

Getrocknete Speiseware keimt oft, ist aber nicht an unser Klima angepasst und kann Krankheiten übertragen. Bio-Saatgut oder selbst nachgebaute Samen sind die bessere Wahl.

Wachsen Kichererbsen im Kübel?

Ja, in Kübeln ab 10 Litern an einem sonnigen, regengeschützten Platz. Der Ertrag bleibt allerdings klein und reicht eher zum Ausprobieren.

Wie viele Kichererbsen stecken in einer Hülse?

Meist nur ein bis zwei Samen. Deshalb braucht es vergleichsweise viele Pflanzen für eine nennenswerte Menge.

Muss ich Kichererbsen düngen?

Nein. Sie binden mit Knöllchenbakterien selbst Stickstoff. Zu viele Nährstoffe fördern nur das Laub.

Was tun, wenn die Hülsen im Herbst nicht abreifen?

Ziehe die Pflanzen vor dem Dauerregen mit Wurzeln aus und lass sie unter Dach nachreifen. Unreife Samen eignen sich dann eher zum sofortigen Kochen als zum Lagern.

Weiterlesen: Getreide und Hülsenfrüchte im Überblick · Erbsen anbauen · Bohnen anbauen

Über diesen Ratgeber

Dieser Artikel wurde von der Redaktion von svsger.de erstellt, dem Ratgeber für rein pflanzliche Selbstversorgung. Die Angaben basieren auf gängiger Fachliteratur zu Körnerleguminosen, Informationen aus dem ökologischen Landbau und Erfahrungen aus dem Hausgartenanbau. Erträge und Reifezeitpunkte schwanken bei Kichererbsen stark mit Region, Boden und Sommerwetter.

Zuletzt aktualisiert: September 2026

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