
Kohlrabi anbauen ist der wohl einfachste Einstieg in die Kohlfamilie: Die Knolle ist nach sechs bis zehn Wochen erntereif, braucht wenig Platz und verträgt mehrere Sätze pro Jahr. Trotzdem scheitern viele am gleichen Punkt – die Knolle bleibt klein, platzt auf oder wird holzig. Fast immer liegt es an unregelmäßiger Wassergabe, zu engem Stand oder zu später Ernte. Dieser Ratgeber zeigt dir, welche Sorten sich lohnen, wie du von März bis August durchgehend erntest und wie du Kohlweißling, Erdfloh und Kohlhernie rein pflanzlich in den Griff bekommst.
Das Wichtigste in Kürze
- Pflanzabstand 30 x 30 cm – enger gesetzt bleiben die Knollen klein.
- Nicht zu tief pflanzen: Der Vegetationspunkt muss über der Erde bleiben, sonst bildet sich keine Knolle.
- Gleichmäßige Feuchtigkeit ist der entscheidende Faktor gegen Platzen und Verholzen.
- Alle drei Wochen einen neuen Satz säen, statt alles auf einmal zu pflanzen.
- Kohlrabi ist ein Mittelzehrer – reifer Kompost reicht, zu viel Stickstoff macht die Knolle schwammig.

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Standort, Boden und Fruchtfolge
Kohlrabi will Sonne bis leichten Halbschatten und einen humosen, gleichmäßig feuchten Boden mit einem pH-Wert um 6,5 bis 7. Auf sauren, verdichteten Böden wächst er zäh und ist anfälliger für Kohlhernie. Arbeite zwei bis drei Liter reifen Kompost pro Quadratmeter flach ein – wie du den selbst herstellst, steht in Komposter bauen und befüllen. Eine Handvoll Urgesteinsmehl* pro Quadratmeter liefert Kalium, Magnesium und Spurenelemente und hebt auf leichten Böden langsam den pH-Wert.
Wichtig ist die Anbaupause: Kohlgewächse gehören frühestens nach vier Jahren wieder auf dieselbe Fläche. Dazu zählen auch Radieschen, Rettich und Senf als Gründüngung – wer im Herbst Senf aussät, verlängert die Kohlpause unbeabsichtigt. Nutze stattdessen Phacelia oder eine Leguminosenmischung. Wie du das planst, zeigt Fruchtfolge planen. Im Hochbeet gelingt Kohlrabi besonders gut, weil der Boden dort früher warm wird.
Sorten: blau, weiß und die Riesen
Weiße (eigentlich hellgrüne) Sorten wachsen schneller und sind zarter, blaue Sorten sind robuster, kälteverträglicher und lagern besser. Für die Selbstversorgung lohnt sich die Mischung aus einer schnellen Frühsorte, einer Sommersorte und einer großknolligen Herbstsorte.
| Sorte | Farbe | Reifezeit ab Pflanzung | Eignung |
|---|---|---|---|
| Azur Star | blau | ca. 8 Wochen | früh, wenig schossfest gefährdet, Folientunnel |
| Lanro | weiß | ca. 7–8 Wochen | Frühjahr und Sommer, sehr zart |
| Noriko | weiß | ca. 9 Wochen | Sommersätze, platzfest |
| Delikatess blauer | blau | ca. 10 Wochen | alte Sorte, samenfest, kräftiger Geschmack |
| Superschmelz | weiß | ca. 13–14 Wochen | Riesensorte bis 5 kg, bleibt zart, Herbstlager |
| Gigant / Goliath | blau | ca. 14–16 Wochen | Winterkohlrabi, im Sandlager bis Februar haltbar |
Samenfeste Sorten wie „Delikatess blauer“ oder „Superschmelz“ kannst du selbst vermehren – Kohlrabi blüht allerdings erst im zweiten Jahr und kreuzt sich mit anderen Kohlarten, Details in Saatgutgewinnung. Passendes samenfestes Kohlrabi-Saatgut* gibt es in allen genannten Typen.
Aussaat: Vorkultur und Direktsaat
Vorkultur auf der Fensterbank
Der übliche Weg. Säe ab Mitte Februar in Anzuchtschalen oder Quickpot-Platten, 0,5 bis 1 cm tief – Kohlrabi ist ein Dunkelkeimer im weiteren Sinne und keimt bei 15 bis 18 Grad innerhalb von fünf bis acht Tagen. Direkt nach dem Keimen kühler stellen (12 bis 15 Grad), sonst vergeilen die Sämlinge und bilden später keine Knolle. Eine Quickpot-Anzuchtplatte* erspart das Pikieren, weil jede Pflanze ihren eigenen Ballen bildet.
Nach vier bis fünf Wochen, wenn drei bis vier echte Blätter da sind, kommen die Pflanzen ins Beet – vorher eine Woche tagsüber ins Freie zum Abhärten. Junge Kohlrabipflanzen vertragen leichten Frost bis etwa minus 3 Grad, sehr früh gepflanzte Sätze schossen aber, wenn sie länger unter 10 Grad stehen. Ein Foliengewächshaus* oder ein einfacher Vliestunnel verschiebt den ersten Satz problemlos um drei Wochen nach vorn.
Direktsaat ab Mai
Von Mai bis Anfang Juli kannst du direkt ins Beet säen: 1 cm tief, Reihenabstand 30 cm, später auf 30 cm in der Reihe vereinzeln. Direktsaat spart Arbeit und liefert Pflanzen mit tieferer Wurzel, die Trockenheit besser überstehen. Die Grafik oben fasst Saattiefe, Abstände und Erntezeit noch einmal zusammen.
Entscheidend ist die Pflanztiefe: Setze den Ballen so, dass das Herz der Pflanze deutlich über dem Boden steht. Zu tief gepflanzte Kohlrabi bilden die Knolle in der Erde aus, verkorken und bleiben klein – der häufigste Anfängerfehler überhaupt.
Pflege: Wasser, Nährstoffe, Mulch
Kohlrabi braucht etwa 15 bis 20 Liter Wasser pro Quadratmeter und Woche, verteilt auf zwei bis drei Gaben. Wechsel aus Trockenheit und plötzlichem Regen lässt die Knollen aufplatzen; dauerhafte Trockenheit macht sie holzig und scharf. Eine Regentonne mit 220 Litern* reicht für ein kleines Kohlbeet über mehrere Trockenwochen, mehr dazu in Regenwasser sammeln und nutzen.
Eine dünne Mulchschicht aus angetrocknetem Rasenschnitt oder Stroh hält die Feuchtigkeit und unterdrückt Beikraut – siehe Mulchen im Gemüsegarten. Gedüngt wird zurückhaltend: Zwei bis drei Wochen nach dem Pflanzen eine Gabe verdünnte Brennnesseljauche (1:10), danach reicht es. Wie du Jauchen und pflanzliche Dünger selbst ansetzt, steht in Dünger selbst herstellen. Zu viel Stickstoff führt zu üppigem Laub, schwammigen Knollen und schlechter Lagerfähigkeit.
In der Mischkultur passt Kohlrabi gut zu Salat, Spinat, Buschbohnen und Ringelblume. Ungünstig sind andere Kohlarten und Erdbeeren als direkte Nachbarn. Eine vollständige Übersicht liefert die Mischkultur-Tabelle.
Typische Probleme und was wirklich hilft
Kohlweißling und Kohlmotte
Ab Mai legen die Falter ihre Eier an die Blattunterseiten. Am wirksamsten ist ein Kulturschutznetz mit 0,8 mm Maschenweite*, direkt nach dem Pflanzen aufgelegt und an den Rändern beschwert. Ohne Netz hilft wöchentliches Absuchen der Blattunterseiten nach gelben Eigelegen.
Erdfloh
Die kleinen springenden Käfer lochen vor allem junge Blätter bei trockener Witterung. Gegenmittel: Boden feucht halten, flach hacken, Netz oder Vlies auflegen. Bei Direktsaat im April und Mai ist der Befall am stärksten – vorkultivierte Pflanzen kommen mit größeren Blättern besser durch.
Kohlhernie
Die Pilzkrankheit zeigt sich durch welkende Pflanzen trotz feuchtem Boden und knotig verdickte Wurzeln. Heilung gibt es nicht, nur Vorbeugung: pH-Wert auf 7 anheben, befallene Pflanzen samt Wurzel entfernen und nicht kompostieren. Auf betroffenen Flächen mindestens sechs Jahre keinen Kohl anbauen.
Platzen und Verholzen
Beides sind Wasserprobleme. Geplatzte Knollen sind essbar, aber nicht lagerfähig; holzige Knollen entstehen bei zu später Ernte oder nach längerem Trockenstress. Ernte normale Sorten spätestens bei 8 bis 10 cm Durchmesser – nur Riesensorten bleiben auch bei 15 cm zart.
Ernte, Lagerung und Verwertung
Schneide die Knolle mit einem scharfen Messer knapp über dem Boden ab, am besten morgens. Die jungen Herzblätter schmecken gedünstet wie milder Wirsing, die äußeren wandern klein geschnitten als Mulch zurück aufs Beet. Ein stabiler Erntekorb* ist praktischer als jeder Eimer, weil die Erde durchfällt.
Frühsorten halten im Kühlschrank ein bis zwei Wochen, wenn du das Laub bis auf die Herzblätter entfernst. Herbst- und Riesensorten lagern im Sandkasten bei 0 bis 4 Grad und hoher Luftfeuchte drei bis vier Monate – die Methode beschreibt Gemüse einlagern ohne Keller. Geraspelt und blanchiert lässt er sich einfrieren, in Scheiben milchsauer einlegen (siehe Fermentieren) oder roh mit pflanzlichem Dip essen.
FAQ – Kohlrabi anbauen
Warum bildet mein Kohlrabi keine Knolle?
Meist wurde zu tief gepflanzt oder zu eng gesetzt. Das Herz der Pflanze muss über der Erde stehen, und 30 x 30 cm Abstand sind das Minimum. Auch zu warm und dunkel angezogene Jungpflanzen bilden später oft nur Laub.
Wie viele Sätze schaffe ich pro Jahr?
Mit Vorkultur ab Februar und Sätzen alle drei Wochen bis Anfang Juli sind vier bis fünf Ernten möglich. Der letzte Satz mit einer späten Sorte geht bis in den November hinein, unter Vlies auch länger.
Kann ich Kohlrabi im Topf oder Balkonkasten ziehen?
Ja, ab etwa 10 Litern Substrat pro Pflanze und bei täglicher Wasserkontrolle. Frühsorten eignen sich besser als Riesensorten. Wähle ein tiefes Gefäß, damit die Wurzel Platz hat.
Ist die Schale essbar?
Bei jungen Frühsorten ja, sie ist dünn und zart. Ältere und große Knollen schälst du besser, weil die äußere Schicht faserig wird. Das Schalengut kannst du problemlos kompostieren.
Verträgt Kohlrabi Frost?
Jungpflanzen überstehen kurze Fröste bis etwa minus 3 Grad. Erntereife Knollen vertragen leichten Frost, sollten aber vor längeren Kälteperioden ins Lager – gefrorene Knollen werden beim Auftauen glasig.
Weiterlesen: Weißkohl anbauen · Brokkoli anbauen · Selbstversorger-Anbaukalender
Über diesen Ratgeber
Dieser Artikel wurde von der Redaktion von svsger.de erstellt, dem Ratgeber für rein pflanzliche Selbstversorgung. Die Angaben zu Sorten, Abständen und Kulturzeiten stützen sich auf gängige Gartenbau-Fachliteratur, Sortenbeschreibungen der Saatguthäuser und Empfehlungen der Landwirtschaftskammern. Je nach Region, Boden und Witterung können sich Aussaat- und Erntetermine um zwei bis drei Wochen verschieben.
Zuletzt aktualisiert: September 2026